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Konferenzbericht

Ressourcen und Identität als Grundlage nachhaltiger Netzwerke

Im Zuge der Veranstaltung „Networks & Identity“, welche am 28. April im Auditorium des MUMOK Museum Moderner Kunst stattfand, präsentierte die sozialwissenschaftliche Forschungsgesellschaft für Netzwerkanalyse FAS.research vor etwa 150 Akteuren aus der Kreativszene die Studienergebnisse zur Struktur der Netzwerke der österreichischen Kreativwirtschaft.

Die Präsentation einleitend merkte Dr. Harald Katzmair, Spezialist für angewandte Netzwerkanalyse bereits an:
„Die Kreativwirtschaft ist kein Konstrukt. Sie besteht aus real existierenden sozialen Beziehungen“ 
Im Auftrag der arge creativ wirtschaft austria und im Rahmen von evolve, der Initiative des Wirtschaftsministeriums zur Förderung der Innovation in der Kreativwirtschaft, gingen Dr. Katzmaier und sein Team der Frage nach den Reputationsträgern in den einzelnen Kreativbranchen nach und erstellte ein Netzwerk bestehend aus 908 Personen. Dieses sogenannte „Nominanznetzwerk“ entstand mittels Nominierungen von Personen, welche als besonders Einflussreich in der Kreativwirtschaft gelten und einen besonders guten Überblick über die Kreativszene haben.
FAS.research ging dabei von der These aus, dass die Entstehung von stabilen und nachhaltigen Netzwerken vom Ausmaß an Ressourcen, also der Anzahl der Personen in einem Netzwerk, und Identität – dem Ausmaß an Verbundenheit – abhängt. Eine große Anzahl von Kreativwirtschafts-Akteuren sowie ein geschäftiges, branchen- und bundesländerübergreifendes Miteinander lassen demnach Netzwerke entstehen, die wachsen und nachhaltig bestehen.

„Alle Wege führen nach Wien“
Die Ergebnisse der Studie zeigen klar, dass Österreichs Kreativwirtschaft über eine Vielzahl nachhaltiger Netzwerke, branchenübergreifender Verbindungen als auch über eine eigenständige Struktur verfügt.
Unterschiede in den Bundesländer und Teilbranchen konnten dabei klar ausgemacht werden. So ist Wien mit Abstand der wichtigste Standort der Kreativwirtschaft. Die Vernetzung innerhalb der Branchen ist überdurchschnittlich dicht und die entsprechenden Ressourcen vorhanden. Es besteht jedoch auch ein lebendiges Networking zwischen Vorarlberg und der Steiermark, ausgehend von Wien. Entwicklungschancen bestehen in Wien in der Stärkung der Stärken und der Weiterentwicklung der Vernetzungsstrategien. Auch Oberösterreich und Salzburg weisen eine große Anzahl an Akteuren und somit viele Ressourcen auf. Lediglich die Identität sollte durch weiterführende Vernetzungsstrategien verbessert werden. In ihrer Vernetzung vorbildlich sind dem gegenüber vor allem Vorarlberg, aber auch das Burgenland und die Steiermark. Stärkungsbedarf besteht in diesen Bundesländern in deren Ressourcen.

Netzwerkgröße Design
Die österreichischen Kreativwirtschaftsnetzwerke zeigen auch Unterschiede in ihren Teilbranchen. So ist der Designsektor mit Abstand die größte Branche innerhalb des Netzwerkes. Zwar ist diese Branche, ähnlich wie Werbung und PR in großer Anzahl vertreten und somit ihre Ressourcen reichhaltig, doch engere und unhierarchischer organisierte Kooperationen untereinander würden die Identität und somit auch diese Netzwerke weiter stärken. 
Konträr dazu weisen die Musikwirtschaft und die Mode sehr geringe Ressourcen, jedoch einen starken Zusammenhalt, Geschlossenheit und Vernetzung auf. Die Situation dieser Netzwerke könnte durch Unterstützung auf wirtschaftlicher Ebene verbessert werden.

Kreativwirtschaftsnation Österreich
Das Wirtschaftsministerium hat sich zum Ziel gesetzt, Österreich zur Kreativwirtschaftsnation zu etablieren. Mithilfe der nächsten geplanten Studie sollen Impulse zur stärkeren Vernetzung der Kreativwirtschaft gesetzt und das Berufsbild der Kreativschaffenden auch für potentielle Auftraggeber klar definiert werden. 

Lesen Sie mehr über die Ergebnisse der Studie im Interview mit Dr. Katzmair auf www.thegap.at
 

Silke Stummer
03.05.2010, Silke Stummer
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