Helga Rabl-Stadler:
Helga Rabl Stadler, Chefin der Salzburger Festspiele, wehte jüngst ein recht rauer und skandalschwangerer Wind um die Ohren. Verblasen lässt sich die Festspiel-Managerin davon allerdings nicht, dazu steht sie schon zu lange als Frau in einer Männerdomäne ihren Mann. Mit dem KURIER sprach Rabl-Stadler über Albtraum-Momente eines Traumjobs, Diskriminierung und Eitelkeit, sowie Babysitting auf höchstem Niveau.
KURIER: Warum ist der Präsidentin der Salzburger Festspiele Frauen-Förderung so ein Anliegen? Weil Kulturmanagement noch immer eine Männerdomäne ist?
Helga Rabl-Stadler: Je länger ich selbst im Berufsleben stehe, desto sensibler bin ich gegenüber der ganz »normalen« Zurücksetzung, die es gegenüber Frauen noch immer gibt. Etwa was die Bezahlung betrifft. Es ist mir schleierhaft, warum Unternehmen weniger Geld für gleiche Arbeit bezahlen. Aber ich bin selbst so ein Beispiel: Ich habe bei den Festspielen lange schlechter verdient als ein gleich qualifizierter Mann.
Was haben Sie getan?
Bis zu einer Vertragsverlängerung gewartet, endlich mehr gefordert und bekommen. Offensichtlich ist es vielen Unternehmen wie Arbeitnehmervertretern kein wirkliches Anliegen, Ungerechtigkeiten auszuräumen. Mir ist bewusst, dass die Teilzeit-Arbeit da mit hineinspielt. Doch ich sehe Teilzeit nicht negativ, wie viele Feministinnen, sondern sogar positiv.
Warum?
Johanna Dohnal sagte, dass die Teilzeit ein Hindernis für die Gleichberechtigung sei. Das stimmt einfach nicht. Für den Großteil der Frauen stellt sich nicht die Alternative Voll- oder Teilzeitarbeit, sondern wegen der Betreuungspflichten Teilzeit oder gar nicht arbeiten. Es ist auch erwiesen, dass man durch Teilzeitarbeiten wenigstens einen Fuß in der Tür der Berufswelt hat. Wichtig wäre, dass Staat und Unternehmen mehr Kinderbetreuungsmöglichkeiten anbieten würden. Ich bin sehr dafür, qualifizierte Teilzeitarbeitsplätze zur Verfügung zu stellen.
Sie haben es in einer Männerdomäne weit gebracht: Woher der Mut dazu?
Das Selbstvertrauen kommt von meinen Eltern und meinem damaligen Mann. Ich hatte nie den Eindruck etwas nicht machen zu können, weil ich eine Frau bin....
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Quelle: Kurier, 02.04.2010


