Mit dem Kulturpass retour über die Armutsgrenze
Eine alleinerziehende Mutter in prekärem Arbeitsverhältnis berichtet in einem Beratungsgespräch, wie sie sich immer wieder entscheiden muss: Soll sie mit dem wenigen Geld, das sie noch hat, die Miete zahlen? Oder die Krankenversicherung? Oder Schulhefte kaufen? Martin Schenk von der Armutskonferenz hört einen Satz immer öfter: »Ich hätte nie gedacht, dass mir das je passieren würde.« Das Abrutschen in die Armut.
Rund 500.000 Menschen - sechs Prozent der österreichischen Bevölkerung - leben laut Schenk bereits unter der Armutsgrenze. Und »arme Menschen rennen mit Scheuklappen durchs Leben. Sie schauen weder ins Reisebüro noch die Eintrittspreise von Veranstaltungen an«, weiß Michi, ein Mitarbeiter der Straßenzeitung Augustin. »Der Kulturpass eröffnet da neue Möglichkeiten.«
Michi nützt den Kulturpass, um mit ihm Gratistickets für Veranstaltungen zu bekommen, die ihm andere Besucher oder Organisationen gesponsert haben. Über die Aufführungen schreibt er Berichte in der neuen Augustin-Kolumne »Aus der Kulturpassage«.
31.500 Kulturpassbesitzer gibt es bereits in ganz Österreich - davon 20.000 allein in Wien. Mit diesen Pässen konnten im Vorjahr in der Bundeshauptstadt insgesamt 31.000 Tickets für kulturelle Veranstaltungen ausgegeben werden. ....
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Quelle: Der Standard, 09.05.2010


