Wer vielen gibt, wird manchen etwas bringen
Weitgehend unbemerkt von der theateraffinen Öffentlichkeit arbeiten die Theaterkuratoren der Stadt Wien: Andrea Amort, Angela Heide und Jürgen Weishäupl zeichnen seit 2009 für jene Vergabeempfehlungen verantwortlich, auf deren Grundlage Projekt-, Ein- und Zweijahresförderungen zuerkannt werden.
Die jüngsten Förderentscheidungen der Troika - als Einreichtermin galt der 15. Jänner 2010 - lassen ein wahres Sammelsurium an Klein- und Kleinstempfehlungen erkennen.
Während acht Subventionsempfänger in den Genuss von Zweijahresförderungen kommen, deren Geldbeträge mit jährlich 55.000 bis 130.000 Euro relativ hoch veranschlagt sind, muss sich die Masse der Fördernehmer mit Projektzuschüssen von 5000 (Copypaste) bis 28.000 (Theaterverein Homunculus) oder maximal 30.000 Euro (Totales Theater) begnügen. Die Summe, über deren Vergabe die Kuratoren jährlich gebieten, sei mit 2,5 Millionen Euro konstant, heißt es dazu aus dem Umkreis des Wiener Kulturamts.
Die Vorgaben jener Theaterreform, in deren Gefolge eine Reihe von »Koproduktionshäusern« entstanden, sind ganz allmählich in den Hintergrund gerückt. Die Prämissen der Reform sahen nicht nur die Entfernung hinderlicher »Glasdecken« beim Anstreben neuer Subventionsziele vor, sondern sollten - neben allfälligen Partizipationsangeboten - auch der Kostenwahrheit bei der Kalkulation »freier« Produktionen zum Durchbruch verhelfen. Gemeint war zum Beispiel die Anhebung jener Hungerlöhne, die Theaterkünstler zur Selbstausbeutung und zur sukzessiven Preisgabe von Arbeitnehmerrechten zwang......
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Quelle: Der Standard, 27.04.2010


