Porträt
Das Beethovenfest Bonn und seine Intendantin Ilona Schmiel
Als Gradmesser des Festivals stellt Frau Schmiel die internationale Etablierung in den Vordergrund, wobei man behaupten darf, dass musikalisch die Internationalität bereits erreicht ist. Das Ziel ist aber nicht, ein 'Salzburg am Rhein' zu kreieren, sondern eine gute Mischung aus neugierigen überregionalen Touristen und fachkundigem regionalem wie nationalem Publikum zu schaffen. Mit dem Regierungsumzug nach Berlin fiel zwar eine bedeutende Publikumsgruppe weg, jedoch ist bei der Unterstellung des Besuchs von Amts wegen jetzt ein 'echteres' Publikum vorhanden. »Und dieses muss verführt werden!« Diesen Leitsatz benutzt Ilona Schmiel immer wieder und untermalt ihn, indem sie zum Beispiel von »weißen« puristischen Plakaten träumt. Einfach nur das »Wann und Wo«, keine Bilder oder Erklärungen. Also die Verführung zu dem, was der potentielle Besucher nicht kennt.Auch Sponsoren müssen in diesem Sinne akquiriert werden. Etwa die Hälfte aller Sponsoren, so Schmiel, sind eben keine ausgewiesenen Kunstkenner und setzen verständlicherweise gern auf Bekanntes und Renommiertes. Zum Sich-Einlassen auf ein ungewöhnliches und vielleicht sogar Risiko behaftetes, aber hochinteressantes Projekt kann man aber durch Überzeugung verleiten. Die jeweilige Grundvoraussetzung dafür ist natürlich, dass die künstlerische Qualität der Angebote stimmig ist und fortwährend steigt. Somit kann das Vertrauen in den Veranstalter gestärkt werden.
Der Erfolg dieser Strategie beim Beethovenfest ist messbar: die Auslastung steigt, der Sponsoringanteil ebenfalls: über 30 Prozent der Finanzierung erfolgt ausschließlich über Sponsoren- und Stiftungsbeiträge, angeworben durch persönliches Engagement der Intendantin und unterstützt durch ihr Team bei der Durchführung der jeweiligen Maßnahmen. Ilona Schmiels Anspruch ist hoch, nicht nur an sich selbst, sondern auch an ihr Publikum und das Umfeld. Sie wünscht sich eine öffentliche Auseinandersetzung mit der Kunst, die ihr verloren gegangen scheint in unserer Zeit. Das Publikum sollte eben nicht nur dort 'abgeholt' werden, wo es sich gerade befindet; viele Anbieter von Kultur tun dies, ausschließlich um zu überleben. Nein, das Publikum muss den Umgang mit der Kunst wieder lernen.
Hier bleibt noch viel zu tun. Die Politik sollte dabei die Attraktivität der Kunst fördern, die Presse wiederum echte Kritiken schreiben, keine Zustandsbeschreibungen. Deutschland kann sich ein Beispiel nehmen an Ländern wie Norwegen, wo eine große Offenheit für Kunst und Kultur vorhanden ist, ohne Fesseln humanistischer Art. Man gestaltet dort einfach, man wägt nicht so lange die Schwierigkeiten, mögliche Folgen und Risiken gegenüber den Erfolgschancen ab. Für all das sind mehr Kulturmanager nötig, die von Kunst und Kultur auch wirklich etwas verstehen! Ein Plädoyer für unseren facettenreichen Berufsstand.
Download des gesamten Beitrages: www.kulturmanagement.net/downloads/delenk-beethovenfest.pdf


