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Erfolgsbilanz der Grazer Spielstätten: Kulturcluster zeigt positive Auswirkungen

Kasematten Opening 2010: Kulturlandesrätin Dr. Bettina Vollath und Intendant Christoph Thoma bei der Eröffnung des Bosnien-Schwerpunkts am 07.05.2010 auf den Kasematten

Christoph Thoma, geschäftsführender Intendant, und Prokurist Michael Tassis gaben in einer Pressekonferenz im Grazer Orpheum einen Rückblick über die Spielzeit 2009/10.

Die Grazer Spielstätten GmbH, die seit 01. September 2008 als Tochter-Gesellschaft der Theaterholding Graz/Steiermark eigenständig agiert, versucht nachhaltig für und mit der regionalen, nationalen und internationalen Szene zu interagieren. Für Intendant Christoph Thoma ist dabei „der Spagat zwischen Dienstleistungszentrum für die lokale Kulturszene und innovativen neuen Veranstaltungsformaten in Form von Eigenveranstaltungen“ ebenso eine zentrale Herausforderung wie der Aufbau kreativer Allianzen.

Legitimation von Kunst

Globale Finanz- und Wirtschaftskrise, Insolvenzen, Konkursanträge, Steuererhöhungen, massive Kürzungen durch die öffentliche Hand, Kommunen, die kurz vor dem Finanzbankrott stehen, aber auch geschürte Ängste vor MigrantInnen: Was stimmt von all diesen kolportierten  Bedrohungsszenarien? Was kommt in den nächsten Monaten und Jahren auf uns zu? Wir alle müssen uns tagtäglich diesen aktuellen Themen stellen, und auch für uns Kulturveranstalter sind diese Fragen eine große Herausforderung. Ist die Förderung von Kunst und Kultur eine freiwillige Leistung seitens der Subventionsgeber? Oder gehört die Bereitstellung von Kunst- und Kulturangeboten zu deren Pflichten? Darauf zu bestehen, dass Kunst- und Kulturförderung eine essentielle Aufgabe der öffentlichen Hand ist, greift bei weitem tiefer, als der vermeintliche Blick auf den eigenen Säckel nahe legt. „Kulturelle und kreative Partizipation – sei es aktiv im Tun oder passiv im emotionalen Erleben – bereichern das Individuum, stärken die soziale und emotionale Kompetenz und sind daher für eine funktionierende Gesellschaft unumgänglich“, lautet die programmatisch Idee des Intendanten, die die Ausrichtung der Grazer Spielstätten prägt.

Dienstleistungszentrum
Inhaltlich versuchen die Grazer Spielstätten auch als Dienstleistungszentrum aufzutreten und auf Partner zuzugehen. Die Jazzplattform mit der Jazzwerkstatt Graz, der Reihe Fat Tuesday und dem Austrian Soundcheck konnte positioniert werden, neu ist auch die Kooperation mit MusicAct, als performative Verbindung von Theater, Improvisation und Musik, Spleen nutzte das Orpheum als Ort für die Festivaleröffnung, wo die Grazer Spielstätten als Kooperationspartner ebenso aufgetreten sind, wie bei der Preisverleihung der Diagonale. Eine Theaterserie mit dem Mezzanin Theater im Orpheum, die aus der Kooperation mit Spleen hervorgegangen ist, wird hinkünftig erweitert. Über das Festivalzentrum des steirischen herbst wurde bereits ausführlich berichtet. „Kooperationen sind immer zu hinterfragen, in wie weit sie zum Profil des Hauses passen und ob sie für beide Seiten Sinn machen“, so Christoph Thoma, der diese Art der Vernetzung forciert und weiterhin offen auf Partner zugehen wird.

Vernetzung über Graz hinaus
Die mehrfach angekündigten Kooperationen über Graz hinaus konnten realisiert werden und sind permanent im Ausbau. Neu war Mitte Juni eine Kooperation mit dem Feldkirch Festival, das die Jazzwerkstatt Graz und Bern, russische Musiker und das Jazzorchester Vorarlberg zusammenführte. Intensiviert wird auch die Zusammenarbeit mit dem netzwerk junge ohren Berlin, dessen Fachbeirat Intendant Christoph Thoma angehört, und RESEO, einem Netzwerk für Musiktheater und Tanz, das international agiert. Erwähnenswert ist weiters die Zusammenarbeit mit Salam.Orient, dem Internationalen Forum für Bildung, Kultur und Wissenschaft Mürzzuschlag sowie dem Jungen Schauspielhaus Zürich, dem schäxpir Festival Linz, dem Dschungel Wien und dem proSkript Verlag.

Eigenveranstaltungen konnten profilbildend realisiert werden
Ein Hauptaugenmerk der Grazer Spielstätten sind neue Formate in den Häusern zu realisieren. Die 2008/09 erfolgreich gestartete Weltmusikreihe wurde fortgesetzt. Im Zentrum stand dabei das Kasematten-Opening 2010, wo mit der Jazzwerkstatt Graz und Bosnischen MusikerInnen ein Höhepunkt präsentiert werden konnte, der soziale und emotionale Kompetenz förderte, unser Verständnis für fremde Kulturen erweiterte. Weltmusik soll emotional bereichern und Fragen über unsere Nachbarn aufwerfen. Es besinnt sich aber auch auf unsere Identität, die durch das Fremde wieder stärker wahrgenommen werden kann. Die Suche nach dem Miteinander, nicht nach einem Gegen- oder Nebeneinander, steht dabei im Vordergrund.
Karl Markovics war an drei Abenden im Orpheum ausverkauft, ebenso wie der Krimi-Schwerpunkt mit Wolf Haas und Thomas Raab zu Saisonbeginn.

Kunstvermittlung als Essential der Arbeit der Grazer Spielstätten
Es muss festgehalten werden, dass Kunst für junges Publikum eine zentrale Herausforderung für Kunst- und Kulturveranstalter geworden ist. Die Grazer Spielstätten haben in der laufenden Spielzeit knapp 3000 Grazer Schulkinder mit Neuer Musik (Elisabeth Naske, Tristan Schulze) und außergewöhnlichen Zugängen (Bachianas Brasileiras mit den Acht Cellisten der Wiener Symphoniker) erreicht. Diese Initiative wird kontinuierlich ausgebaut. In der kommenden Spielzeit kommt es im Bereich der Musikvermittlung zu einem massiven Ausbau des Programms.

Zipfer: Neuer Sponsor bis 2014
Erwähnenswert ist auch der Gewinn - neben dem Hauptsponsor Volksbank Graz-Bruck - eines neuen Sponsorpartners. Mit Zipfer (Brauunion) konnte ein 5-Jahres-Sponsorvertrag abgeschlossen werden, der einen 5-stelligen Betrag dem Programmbudget neue Perspektiven eröffnet. Damit verbunden ist auch die Neustrukturierung der Gastronomie im Orpheum, das ab September 2010 auch ein ganztägig geöffnetes „Kulturcafé“ eröffnen wird.

Schlanke Strukturen
Die Grazer Spielstätten arbeiten mit schlanken Strukturen. 50% des Gesamtbudgets von rund EUR 2,1 Millionen müssen erwirtschaftet werden, die rund 620 Veranstaltungen werden mit einem Team von 15 MitarbeiterInnen abgewickelt, was eine hohe Flexibilität und Verlässlichkeit voraussetzt.

Die Besucherzahlen:  
                             2008/09            2009/10

GSP Gesamt:
Ende 3. Quartal        144.000           141.000              - 2,1 %
Ende 4. Quartal        180.000           173.000*            - 3,9 %
Orpheum                 104.993           115.382**          + 9,9 %

Veranstaltungsdichte:
Eigenveranstaltungen     30                   41*           + 36,6 %
Fremdveranstaltungen  461                 579*           + 25,6 %
GESAMT                     491                620*           + 26,3 %
Die Häuser:
Orpheum                      335               453*           + 35,2 %
Dom im Berg                100               128*           + 28,0 %
Kasematten                    50                 39*            - 22,0 %
* Bei diesen Werten wurden bereits fixierte Veranstaltungen bis Ende August 2010 berücksichtigt.

Christoph Thoma
09.07.2010, Silke Stummer
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