Konferenzbericht
Rückblick - INTHEGA Herbsttagung 2005
369 Kommunen bilden als Mitglieder diese INTHEGA. Diese finanzieren und organisieren heute 15.000 Theateraufführungen für 5,5 Millionen Theaterbesucher vor allem in den kleineren Städten und Gemeinden »in der Provinz«, im ländlichen Raum, aber auch in den Großen Kreisstädten, insgesamt in etwa 600 Städten und Gemeinden in Deutschland, in der Schweiz, in Österreich, vereinzelt sogar in den Niederlanden und in Luxemburg.INTHEGA-Städte sind Orte und Gemeinden, die eine eigene Theaterspielstätte, aber kein eigenes Ensemble haben. Angesichts der Tatsache, dass von ihnen zurzeit etwa 160 Millionen Euro an kommunalen Geldern in die Buchungen von Theateraufführungen investiert werden, sind die Städte mit Theatergastspielen auch zu einem unübersehbaren wirtschaftlichen Faktor geworden.
Auf dem parallel zur Tagung stattgefundenen Theatermarkt boten in Sindelfingen 138 Theatergastspiel-Anbieter ihre Produktionen für die Spielzeit 2006/07 an. Neben Tourneetheatern und Gastspieldirektionen sind dies vor allem die Landesbühnen, aber auch die Stadttheater und freien Theaterensembles, die diesen Markt prägen. Der INTHEGA-Theatermarkt hat sich damit zum größten Theatermarkt nicht nur im deutschsprachigen Bereich, sondern in ganz Europa entwickelt.
Auf der Tagung begrüßte Staatssekretär Michael Sieber vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst die Arbeit der INTHEGA in den vielen Städten und Gemeinden. In Baden-Württemberg sei deshalb auch die Entscheidung in der Diskussion um eine mögliche Streichung einer der drei Landesbühnen bewusst für den Erhalt der drei Landesbühnen gefallen mit der Maßgabe der Intensivierung der Gastspiele in der Breite. Die Diskussion andernorts über eine Einschränkung der Theaterarbeit im Umland und die Konzentration auf die Ballungsräume könne kein Modell für Baden-Württemberg sein.
Kulturmanagement Network nahm an der Tagung ebenfalls teil. Interessant war die Podiumsdiskussion mit Bernd Wagner (Kulturpolitische Gesellschaft), Christian Schmidt (Sächsische Landesbühnen), August Moderer (EVVC), Hartmut Kempff (IG deutschsprachiger Tourneetheater) und als Moderator Norbert Brugger (Städtetag Baden-Württemberg). Es ging um die Frage, was sich in den letzten 25 Jahren seit Bestehen der INTHEGA geändert hat. Man führte die gewachsenen Medienpräsenz und die steigende Unterhaltungsangebote auf, die ein Umdenken bei den Veranstaltern hinsichtlich Publikumsgewinnung und -bindung erforderlich machte.
Christian Schmidt betonte, das das Theater als Ort der Kommunikation und des Dialogs immer wichtiger wird. Ein zweiter Themenbereich der Diskussion spielten die Spielstätten selbst. Die Ansprüche an moderne Theater sind enorm gestiegen - Fabriken oder Open-Air-Aufführungen kamen als Erlebnisorte hinzu. Allein in Deutschland, so August Moderer, sind 60 neue Arenen und Veranstaltungshäuser in Planung oder Umsetzung. Hier gäbe es praktisch eine Entwicklung, die Erlebniswelten der Kunst auf die Häuser zu übertragen. Eine Herausforderung dabei sei es, die Häuser in Schuss zu halten und wirtschaftlicher als bisher zu führen. Bernd Wagner betonte, dass die kleine Bühnen nicht nur für das kulturelle Angebot in der Fläche, sondern auch für den künstlerischen Nachwuchs wichtig ist, der nur in großen Ausnahmefällen gleich an großen Theater-
oder Konzerthäusern engagiert werden könne - ohne Breite bald keine Spitze, so die eingängige Prognose.
Rolf Bolwin vom Deutschen Bühnenverein hingegen fand offenbar in seinem Grußwort nicht den richtigen Ton - der naßforsche Vergleich zwischen stolzen 160 Jahren Bühnenverein und erst 25 Jahren INTHEGA mag bei den Anwesenden ebenso sauer aufgestoßen haben wie sein Hinweis, den INTHEGA-Mitgliedern könne es naturgemäß nicht um künstlerisch anspruchsvolle Aufführungen gehen, da sie ja nur das verkaufen könnten, was sich rechnet. Wahre Partner reden anders übereinander...
Dirk Heinze und Michaela Delenk, Kulturmanagement Network, Weimar
18.11.2005, D H
Weiterführende Links: www.inthega.de
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