Meldung
ver.di - Aktuelle Untersuchung zum Kultursponsoring
Unter dem Titel »Mythos Sponsoring. Kultursponsoring: Finanzierungsinstrument der Zukunft?« erschien nun eine Publikation der Ergebnisse, die zum Download als PDF-Dokument auf den Seiten des Deutschen Musikinformationszentrums (miz) bereit steht.aus dem Vorwort von Gregor Leschig:
» 'Die Städte haben kein Geld mehr. Freiwillige Mittel, aus denen sich die Zuschüsse für die Theater speisen, werden als erstes gestrichen. Anstelle der Städte sollten daher mehr Sponsoren einspringen.' War dieses Zitat des Leiters einer nordrheinwestfälischen Kulturbehörde vielleicht auch als Appell an potentielle Sponsoren gedacht, so scheint es doch, einem Bonmot der Marie Antoinette entsprechend, den einfachsten Ausweg aus einer schwierigen Lage zu weisen: Wenn das Volk kein Brot mehr hat, soll es doch Kuchen essen. Und so wird bei den fortwährenden Kürzungen im Bereich der kulturellen Angebote von Politik und Kulturverwaltung als Patentlösung immer häufiger Sponsoring genannt. Nach amerikanischem Vorbild, so die Vorstellung, sollen, wo es um Finanzierung von Kunst- und Kulturprojekten geht, zunehmend Unternehmen an die Stelle der öffentlichen Hand treten. Wenn das zur Zeit noch nicht zufriedenstellend funktioniert, so die oft geäußerte Schlußfolgerung, liege es an den Kulturschaffenden selbst. Diese müssten sich nur flexibler und attraktiver gegenüber potentiellen Sponsoren präsentieren, damit der Quell der neuen Finanzierungsmöglichkeit fleißig sprudelt. (...)
Heute sind enge Verbindungen zu großen Unternehmen z. B. im Bereich der Jugendkultur eine Selbstverständlichkeit. (...) Sponsoring, so scheint es, ist kein Gegenstand von Grundsatzdiskussionen mehr, sondern im Alltag von Kunst und Kultur angekommen. Und in der Tat scheint der Anteil von Sponsoring im Kulturbereich zu wachsen. Bei kaum einer Veranstaltung fehlen auf Prospekten und Plakaten die Logos jener Firmen, die das angekündigte Ereignis vermeintlich partnerschaftlich begleiten.
Wie aber sieht die Realität aus? Ist bei den vielen Veranstaltern im Bereich der darstellenden Künste Sponsoring bereits die Regel, oder bleibt es eine Hoffnung auf eine besser ausgestattete Zukunft? Funktioniert der von manchen Firmen angestrebte Imagetransfer - positives Image als Gegenleistung für Aktivitäten im Kulturbereich? Wie beurteilen die Entscheider und Mittelgeber in den Kommunen und beim Land das Sponsoring? Ist es für sie eine wünschenswerte Alternative? Trifft die Vermutung zu, daß mangelnde Flexibilität der Kulturschaffenden Sponsoren abschreckt? Welche Mittel fließen, wenn eine Sponsoring-Vereinbarung zustande kommt? Und nicht zuletzt: Was hält das Publikum vom Kultursponsoring?
Aus eigener Erfahrung und nach vielen Gesprächen im Vorfeld dieser Untersuchung war damit zu rechnen, dass die Kontaktpflege zwischen Theaterschaffenden und Unternehmen noch lange nicht als optimal gelten kann. Deshalb wurde in der vorliegenden Arbeit auch gefragt, wo Schwierigkeiten liegen, und wie das Verhältnis zwischen Kulturwirtschaft und freier Wirtschaft zu gestalten wäre. (...)«
Download des gesamten Dokuments (86 Seiten):
http://www.miz.org/artikel/mythos_kultursponsoring.pdf

