Meldung
film20 - Fachkonferenz zur Filmfinanzierung
Die Keynote lieferte Martin Moszkowicz zum Thema »Chancen für die deutsche Filmwirtschaft - wo wir stehen, wohin wir wollen«. Allerdings konnte das neueste Fördermodell, der vom Kanzler angekündigte »Risikokapitalfonds« von 90 Millionen Euro auf drei Jahre vor dem Hintergrund der vereinbarten Vertraulichkeit in der Kanzler AG nur vage skizziert werden.Zur Bestandsaufnahme gehörten damit Finanzierungsinstrumente wie Venture Capital, Mezzanine-Finanzierungen sowie Modelle in Public-Private-Partnership. Der Bayerische Bankenfonds als reale Positiv-Erfahrung aus den letzten fünf Jahren wurde als interessanter Lösungsvorschlag für eine gezielte, wirtschaftlich ausgerichtete Förderung vorgestellt und von einigen Förderern sogar für Bundestauglich gehalten.
Im Verlauf der Debatte wurde deutlich: Deutsche Produktionen sind im internationalen Vergleich Wettbewerbsnachteilen ausgesetzt, die v.a. auf das Fehlen einer strategischen Industriepolitik im Mediensektor zurückzuführen sind.
Kernpunkte der Debatte über neue Finanzierungsmodelle waren:
1. Verschiedene Logiken müssen unter einen Hut gebracht werden: Zwischen Politik, Filmwirtschaft / Produzenten und Finanzdienstleistern gibt es keine automatische Interessenkonvergenz aber sinnvolle Schnittflächen gemeinsamer Interessen, mit Vorteilen für jede Seite. Kurz: Win-Win-Modelle sind gefragt!
2. Die Filmbranche hat eigene Geschäftsbedingungen - wirtschaftliche Förderung muss die Eigenkapitalbasis der Produzenten stärken, wirtschaftliche Förderung muss internationale Koproduktion beflügeln, wirtschaftliche Förderung darf nicht Recoupment behindern! Ziel ist eine Entwicklung von der Produktionszentrierten zur Verwertungsorientierten Produzentenschaft.
3. Ein wirtschaftlicher Kick-off für die Filmbranche in Deutschland braucht auch privates Geld - die Bereitschaft zu Anreizen ist ein MUSS! Ohne National Spend ist jeder Anreiz Silly Money - German Spend ist ein MUSS!
Georgia Tornow wertete die Tagung als einen wichtigen Schritt für die Entwicklung neuer konkreter Konzepte zur Lösung des Finanzierungsdilemmas in der Filmbranche. »Wir haben den Anfang gemacht und jetzt sitzen Produzenten und Finanzdienstleister direkt zusammen, um valide Modelle in die politische Debatte zu bringen. Mißverständnisse, Blockaden - sowas können wir uns nicht mehr leisten. Die Konkurrenz schläft nicht!«
Die Experten waren sich einig, dass die Branche bis zu den Neuwahlen und den damit verbundenen politischen Weichenstellungen dringend an der Präzisierung und Zuspitzung gemeinsamer Konzepte von Finanzdienstleistern und Filmwirtschaft arbeiten muss. Deshalb hat film20 eine 2. Fachkonferenz nach den Bundestagswahlen angekündigt.
film20 ist die Lobby-Vereinigung führender Film- und Fernsehproduzenten im deutschsprachigen Raum.

