Hintergrundbericht
Der Kurator ist geistiger Gastarbeiter auf mehr als einer Baustelle
Angefangen hat alles auf den bretonischen Megalithfeldern in Carnac: ausgestattet mit Laptop, Mobiltelefon und einem Klapptisch, einigen Semestern Kunstgeschichte und einem verhandlungssicheren Französisch. »Plötzlich fanden alle, daß ich die ideale Besetzung für die Koordination des Künstlerprojektes 'Carnac' sei.«, berichtet die Kuratorin Ingrid Raschke-Stuwe von ihrem bewerbungslosen Berufseinstieg.Französische Ministerien und Fördermittel mussten gewonnen, Gespräche mit Transportfirmen und Helfern geführt werden - alles im deutsch-französischen Kulturtransfer. Nach 14 Tagen waren die zwei mal drei Meter großen Stahlplatten von Deutschland nach Frankreich transportiert - und lagen dort, wo es das Kunstprojekt verlangte. »Ich hatte die Feuertaufe bestanden.«, erzählt die heute im westfälischen Saerbeck ansässige Kuratorin. Das ist 15 Jahre her. Heute ist Ingrid Raschke-Stuwe Leiterin der Galerie Münsterland in Emsdetten, bespielt die kleinste Kunsthalle der Welt - die »Keimzelle Kunst« - auf dem Marktplatz von Ostbevern mit zeitgenössischer bildender Kunst, konzipiert parallel ein »public art project« in Paderborn und koordiniert das gattungsübergreifende Kunstprojekt »Lasst uns drei Hütten bauen« für die Montag-Stiftung in Bonn.
Auch die Weitergabe kuratorischer Erfahrung muss selbstverständlicher werden
Zeitgenössische Kunst muss selbstverständlicher werden, lautet die simple Formel, mit der die studierte Kunsthistorikerin Fördergremien, Politik und Wirtschaft und nicht zuletzt die Künstler verblüfft, die ihre kunsthistorische Professionalität und organisatorische Verbindlichkeit zu schätzen wissen. ...
Download des Artikels: http://www.kulturmanagement.net/downloads/voigt-kuratoren.pdf
Verena Voigt
04.07.2005, D H

