Kultur einmal ganz anders erleben
Die ersten Klänge ertönten 1993 in einem testlaborartigen Zustand im Klinikzentrum von Bad Sulza. Was sich zwischen damals und 2011 alles getan hat, konnte man während der letzten Wochen beim zehnten Liquid-Sound-Festival erleben. Der Fokus dieses Events war die Entwicklung dieser Technologie und deren Qualitätssteigerung. Diese Veranstaltung hatte etwas Magisches, da die Besucher eine ganze Nacht die Konzerte in einem Thermalbad miterleben konnten. Von den etwa 1500 Zuhörern waren neben den Stammgästen viele eigens mehrere hunderte Kilometer in die sog. Toskana des Ostens angereist. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass keine größeren Marketingkampagnen betrieben wurden. Man setzt klar auf Mund-zu-Mund-Propaganda, denn die besten Botschafter sind die Besucher mit ihren eigenen Erlebnissen.
Das Erlebnis Wasser wurde durch das Sinnerleben des Hörens und die Wahrnehmung des eigenen Körpers bereichert. „Man taucht ein, es ist warm, man schwebt und nimmt mit den Ohren unter Wasser den Körper wahr.“ sagte Micky Remann, der Entwickler von Liquid Sound. Der Zauber liegt in der guten Mischung zwischen der Musik, den Lichteffekten und dem Fühlen der Raumatmosphäre und verleiht dem Thermalbad gleichzeitig eine künstlerische Note. Teilweise wird das Sounderlebnis auch von Choreographien in den Baderäumen untermalt. Der Kulturort Therme unterscheidet sich damit von allen anderen Orten, wo Kunst und Kultur dargeboten wird.
Dazu kommen die regelmäßigen Live Konzerte unabhängig von dem Liquid-Sound-Festival. Künstler wie Lutz Gerlach oder Ulrike Mai zieht diese neue Bühnenerfahrung nach Bad Sulza. Regelmäßig ist auch der „Liquid-Sound-Club“ zu erleben. Dieser besteht aus einer regionalen DJ-Szene, welche eher ein jugendliches Publikum anspricht. Klassikfans können „Bach unter Wasser“ genießen oder eines der Pianisten- Konzerte besuchen. Die Musiker müssen sich auf ein Publikum mit einem anderen Rezeptionsverwaltung einstellen. Manche sitzen im Beckenrand oder liegen im Wasser. Diese Technik wird auch im Klinikzentrum für Wellness und Entspannung genutzt.
„Ich bin mir sicher, dass früher oder später der besondere Reiz und Charme dieser neuen Ausprägung von Kultur gewürdigt wird.“ sagt Micky Remann auf die Frage, ob er Fördermittel erhält. Das Problem: seine Art der Kunst passt in keine „Schublade“, entspricht daher kaum den Richtlinien der klassischen Kulturförderung. Das Problem des „richtigen“ Förderns sprach im übrigen Michael Wimmer von educult aus Wien schon beim Treffpunkt Kulturmanagement am 26.10.2011 an. Immerhin: das Projekt erlangte im Rahmen der EXPO-Weltausstellung im Jahr 2000 überregional eine große Aufmerksamkeit. In den Toskana-Thermen sind Pressestimmen sogar aus den USA nachzulesen.
Micky Remann schließt eine Vergrößerung der Liquid-Sound Thermen in der Zukunft nicht aus, möchte sich aber Zeit lassen. „Man kann nach meiner Überzeugung mit diesem Zusammengehen von einer futuristisch gebauten, architektonisch aufwendigen Therme mit Liquid-Sound als Erbstück überall auf der Welt Erfolg haben.« Vermutlich werden Liquid-Sound Thermen auch die nächsten 100 Jahre noch seine Besucher verzaubern.
Mehr Informationen: www.liquid-sound.com


