Die Musik braucht mehr Business
An Talenten fehlt es der steirischen Musiklandschaft nicht gerade. Die lebenden Beweise gab es erst kürzlich zu sehen beim Styrian Stylez, dem lokalen Pop Festival, vom 10. bis 12. November in Graz. Darunter Binder & Krieglstein, The Staggers, The Sado Maso Guitar Club, Bunny Lake oder Anna F. Und auch die elektronische Szene hat sich in den letzten Jahren immer stärker gemausert. „Umso wichtiger wird für die heimischen Musikschaffenden ein professioneller wirtschaftlicher Zugang“, weiß Eberhard Schrempf, Geschäftsführer der Creative Industries Styria (CIS). Die Netzwerkgesellschaft hat sich dem Thema daher schon vor einiger Zeit angenommen und das Music Camp Graz ins Leben gerufen.
Video Killed the Radio Star
Der eintägige Workshop fand am 11. November bereits zum zweiten Mal statt und stellte mit bekannten Experten aus dem Musikbusiness wertvolle Inputs für die Teilnehmer bereit. Inhaltlich konzentrierten sich die Veranstalter diesmal auf das Musikvideo als Marketing-Element und auf die technologischen Umwälzungen durch Internetportale und On Demand-Dienste. Auch das Thema Sounddesign wurde mit Max Kickinger als alternatives Standbein heftig diskutiert. Eine wichtige Botschaft nahm der Moderator Chris Riebenbauer gleich vorweg: „Das Musikvideo bleibt weiterhin ein wichtiger Erfolgsfaktor. Da ist viel Eigenständigkeit und Auseinadersetzung mit dem eigenen Produkt gefordert.“
Selbstironische Einblicke
Am meisten erwarteten sich die Teilnehmer vom Vortrag des Starregisseurs Kai Sehr – und wurden nicht enttäuscht. Der international gefragte Filmemacher gab unerwartet persönliche Einblicke in die Materie der Musikvideos. Auf seinem Haben-Konto stehen Arbeiten mit Herbert Grönemeyer, Die Ärzte, Fanta4 oder Bad Religion. Dazu kommen Auszeichnungen in Cannes und am LA Film Festival. „Die Liste ist recht lang“, wie er selbst sagt. Abgehoben schaut allerdings anders aus. „Stattdessen gab es gefühlvolle Einblicke in sein Schaffenswerk, ohne Zierrat aber mit viel Selbstironie“, so einer der Teilnehmer, Cole Black.
Vernetzung gefragt
Nicht weniger spannend waren die Inhalte von Rainer Praschak (Musikwirtschaft MICA), Tatjana Domany (Austrian Music Ambassador Network) oder Alexander Hirschenhauser (VTMÖ). Sie unterstrichen allesamt die wichtige Rolle eines guten Netzwerks. Gleichzeitig schafften sie die Gelegenheit, direkt in Kontakt mit Förderinstanzen und Interessensvertreter zu treten. Der Teilnehmer Burkhard Poschinger brachte den Aufholbedarf auf den Punkt: „Ich war fast schockiert, wie wenig manche Musikschaffende über Förderungen, Labelvereinigungen oder ähnliche Dinge wissen.“
Einsatz und Idealismus
Der große Andrang am Music Camp zeigte jedenfalls deutlich, wie stark das Bedürfnis nach Professionalität in der Branche ist. Poschinger weiß nur zu gut: „Gerade im Musik-Geschäft arbeiten viele Leute mit hohem persönlichem Einsatz und Idealismus. Veranstaltungen wie diese sind auch eine Motivationsspritze für die, die schon länger auf der Stelle treten und vor Augen geführt bekommen, dass es doch gehen kann, wenn man konsequent dran bleibt.“ Cole Black nimmt ähnliche Eindrücke mit: „Der eigentliche Horizont ist immer hinter dem eigenen. Wir müssen von starken Musikexport-Ländern lernen und Versäumnisse schnellstens nachholen. Und damit sind keine Castingshows gemeint.“


