PopKomm 2011 - Das Lied ist verklungen
Die wenigen Besucher, wahrscheinlich doppelt und dreifach gezählt, um auf die offiziellen Besucherzahlen zu kommen, standen betropetzt im Geisterflughafen Tempelhof und klammerten sich brav an die verbliebenen Gemeinschaftsstände von Ländern und Verbänden, um sich zunächst zu sortieren und schließlich mit den anderen Hinterbliebenen ein Gläschen auf die Popkomm zu heben - »a scheene Leich« wäre der Wiener Begriff dafür.
Den Veranstaltern ist kein Vorwurf zu machen. Es war - so weiß man heute - ein unmögliches Unterfangen, die von jeglichen Arbeitsgedanken befreite Kölner Party-Messe im weitläufigen Berlin zu einer schnurrenden Business-Convention umgestalten zu wollen - und das in einem Zeitfenster, wo sich die Recorded Music und ihre Unternehmen in Umsatz und Personal halbierten. Kein Goliath hätte das zu Wege gebracht. Die Messe Berlin hat sich jahrelang Mühe gegeben und trotzig den neuen Termin für 2012 bereits verkündet - wird wohl ein einzuhaltender Mietvertrag oder eine aufrechte Förderung vorliegen.
Heuer hat man zur Attraktivitätssteigerung alle möglichen Dating- und Networkingplattformen geboren und angeboten, die teilweise genützt wurden, aber teilweise auch sang- und klanglos scheiterten.
Den Kongress musste man mehr oder weniger abschreiben, so spärlich war der Besuch. Dafür gab es Musikbusinesspädagogik für die junge Generation von der a2n (Messe alltogethernow) - allerdings am Alexanderplatz. Wie soll man da halbwegs schnell und sinnvoll von Tempelhof hinkommen und dann wieder zurück auf die Messe und dann wieder ...? Die Dachmarke »Berlin Music Week« schafft also Räume für Einzelveranstaltungen, die nicht zusammenwachsen werden und wollen. Zumindest das ist nach zwei Versuchsjahren klar. Ob die aktuell noch polit-elektrisch hochgeladene Creativ Industries-Stimmung die Finanzierungen längerfristig haltbar machen wird, ist zu bezweifeln.
Um die Marke Popkomm ist es schade - hört man dieser Tage oft und gerne. Das mag stimmen, nur für Sentimentalitäten hat diese Branche heute keine Zeit mehr. Das Überleben braucht die ungeteilte Aufmerksamkeit.


