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Porträt

Ein Buchverlag auf neuen Wegen

Verlag und Autoren als erfolgreiches Team – wie ein junger Independent-Verlag gängige Strukturen der Branche auf den Kopf stellt.

Nach elf Jahren als Verleger beim UBooks Verlag brauchte Andreas Köglowitz für seine Ideen einen neuen Ansatz. Er gründete im Juni 2011 den Unsichtbar Verlag und brach gleich mit alten Gewohnheiten der Verlagsbranche. Ein wichtiger Schritt war es zunächst, die übliche Distanz zwischen Buchverlag und Autor zu vermeiden. Ein weiterer lag in der konsequenten digitalen Vernetzung des Verlags mit Lesern und besonders den Nichtlesern.

1. Das „Spaß-Konzept“

Verleger, Mitarbeiter und Autoren begegnen sich beim Unsichtbar Verlag auf Augenhöhe und verstehen sich als individuelle Kreative innerhalb einer Gemeinschaft. Für Verleger Köglowitz ist daher entscheidend, ob ein Autor auch menschlich zum Verlag passt, ob er bereit ist, sowohl auf seine Kollegen als auch seine Leser zuzugehen. Im Gegenzug kommt der Autor in den Genuss eines funktionierendes Sozialgefüges, dessen oberstes Ziel Köglowitz in wenigen Worten zusammenfasst: „Wir wollen gemeinsam Spaß haben!“. 

Freilich nicht ohne Härtetests: Einmal im Jahr unternimmt der gesamte Verlag einen gemeinsamen Ausflug auf engstem Raum – im letzten Jahr war es eine alpine Berghütte. So lernt man gleich auch die Gepflogen- und Eigenheiten der lieben Kollegen kennen. Der hieraus entstehende Gemeinschaftssinn ist fruchtbarer Boden für eine persönliche und vor allem dauerhafte Bindung zwischen Autoren und Verlag. 

2. Zielgruppe: Nicht-Leser

Der Verlag selbst funktioniert als Bindeglied zwischen Autoren und Lesern, auch potentiellen Lesern. Welches Mittel könnte hierfür geeigneter sein als die „Sozialen Medien“? Neben YouTube bietet besonders das riesige Netzwerk facebook dem Unsichtbar Verlag und seinen Akteuren die perfekte Bühne. Mit viel Aufwand und persönlichen Kontakten zu den Internet-Nutzern werden gängige Klischees verdrängt: Der Autor als Stimme aus dem Elfenbeinturm oder eine über die Gesellschaft wachende, moralische Instanz. 

Die Autoren des Unsichtbar Verlag sind das genaue Gegenteil. Sie sind ebenso am Alltäglichen interessiert wie an öffentlichen Diskussionen, halten stets Tuchfühlung mit den Lesern und ihren Fans. Der Verlag wird somit zwar sowohl ansprech- als auch angreifbar, doch das gewonnene Vertrauen und die Treue der Leser erweisen sich als unbezahlbar. 

Die äußere Wahrnehmung des Verlags wird durch diese Faktoren maßgeblich bestimmt. Dieses positive Image ist ein Markenzeichen und somit ein elementarer Aspekt für den wirtschaftlichen Erfolg. Bereits Ende 2011 wurde dieser Weg belohnt. Eine Rangliste der beliebtesten Verlage auf facebook kürt den Unsichtbar Verlag mit einem siebten Platz. Noch vor Verlagen wie Ullstein, Bastei Lübbe oder Carlsen, knapp hinter Rowohlt und Fischer.

Die Autoren haben darüber hinaus Einfluss auf die Gestaltung, das Layout ihrer Bücher, sodass ihre Identifikation mit dem jeweiligen Verlagsprodukt spürbar über den Inhalt hinausgeht. Das ist so gewollt. Nach dem Vorbild des ehrwürdigen Suhrkamp Verlags werden auch beim kleinen Unsichtbar Verlag vorrangig Autoren verlegt, nicht bloß ihre Bücher. Die persönliche Bindung der Autoren an den Verlag als auch die Nutzung von facebook und Co. erscheint zunächst naheliegend und zeitgemäß. Doch erst der Unsichtbar Verlag hat es von Beginn an als umfassendes Konzept verstanden und umgesetzt: Neue deutsche Gegenwartsliteratur auf neuen Wegen.

Über den Unsichtbar Verlag

Andreas Köglowitz, im Jahr 2000 Mitgründer des UBooks Verlags, ruft Im Sommer 2011 den Unsichtbar Verlag ins Leben. Innovativen Freigeistern, jungen Autoren und Comiczeichnern fernab von Konventionen und Kommerz bietet der Verlag das ideale Umfeld, sich sowohl kreativ als auch beruflich zu entfalten. 

»Mit dem Unsichtbar Verlag möchte ich einen neuen Rahmen bauen,« so Inhaber Andreas Köglowitz und stellt heraus, dass beim Unsichtbar Verlag vor allem junge deutsche Autoren zu finden sein werden, »die zum einen etwas zu sagen haben und zum anderen nicht so klingen wie die breite Masse.«

Eine aktuelle Dokumentation des Unsichtbar Verlags ist auf YouTube zu finden: http://www.youtube.com/watch?v=xlRI9F2N6jM

28.02.2012, Dirk Heinze
Weiterführende Links: www.unsichtbar-verlag.de
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