Buchrezension
Das Studium der Kunstgeschichte
Es ist mehr als aufreibend, vor der Auswahl des Studienfachs zu stehen, das den zukünftigen Lebensweg bestimmen soll. Zumal man angesichts der aktuellen Stimmung und Berichterstattung meinen sollte, dass es kein Studium gibt, das zur Erlangung eines Arbeitsplatzes führen könnte. Vor allem dann nicht, wenn man so extravagant ein Fach aus dem Bereich der Geisteswissenschaften in Erwägung zieht. Auf diese Entscheidung wird man weder in der Schule noch von den Berufsberatungszentren wirklich vorbereitet. Ob die Studienbeauftragten der Institute an den Universitäten wirklich umfassend aufklären oder dem Nachwuchs noch mehr Ängste als schon vorhanden einjagen, kann jeder selbst erfahren. Um diese Informationslücke für das Fach Kunstgeschichte zu schließen, hat sich Renate Prochno entschlossen, einen Leitfaden zu erstellen, der nun in der zweiten, überarbeiteten Auflage erschienen ist. Er will aufzeigen, welche Bedingungen der junge Student in den ersten Semestern vorfindet und was von ihm zum Ende des Studiums erwartet wird.Im ersten Kapitel beschäftigt sich die Autorin mit dem Fach an sich, mit dessen Aufgaben und Zielen sowie mit den Berufsfeldern. Deutlich macht sie zunächst, dass die beruflichen Perspektiven schlecht aussehen. Daran anschließend beginnt sie sehr detailliert von den Zulassungsbeschränkungen über die Nutzung der Bibliothek bis zu den Unterschieden der verschiedenen Seminarformen zu referieren. Erst im nachfolgenden Kapitel befasst sie sich mit den speziellen, das Studienfach betreffenden Problemen, Hilfsmitteln, Grundlagenwissen etc., was dem angehenden Kunsthistoriker einen Einstieg in das umfassende Fach Kunstgeschichte bieten soll. Dass Renate Prochno über Fakten zur Kunstgeschichte hinaus zudem alles Wissenswerte zum Studienbeginn, zu Referaten und Hausarbeiten, Auslandsaufenthalten und Finanzierung, ja sogar zu Prüfungen schreibt, ist mit Sicherheit redundant. Es gibt an jeder Universität Regale voll mit Publikationen zu diesen Themen- und Problemfeldern, die wesentlich kompakter und präziser in ihren Arbeitsanweisungen sind. Besonders verwirrend wird es, wenn ein ganzes Kapitel mit Prüfungen und deren Vorbereitung, Krisenbewältigung und dem zu wählenden Magisterthema hantiert. Sicher möchte man nicht gleich zu Beginn des Studiums an das Ende denken, und wenn der Prüfungszeitpunkt erreicht ist, sollte man nicht mehr in einer Einführung nachschlagen müssen!
Kunstgeschichte ist ein ebenso umfassendes Fach, wie es jedes Studium ist, das gründlich betrieben wird. Dass viele Institute noch sehr antiquiert arbeiten und häufig dem Studenten wenig bis gar keine Starthilfe geben, kann man in einem Buch schwer vermitteln. Renate Prochno gibt, wenn sie sich mit dem Fach Kunstgeschichte befasst, die richtigen Tipps. Was diese Publikation jedoch völlig vernachlässigt ist, dass sich Kunstgeschichte in einem grundlegenden Umbruch befindet. Sehr viele Universitäten haben auf die Forderungen der Museen reagiert und bereits in Kooperation mit den Instituten Aufbaustudiengänge initiiert, die sich mit der beruflichen Praxis beschäftigen und dringend benötigte Kompetenzen und Wissen u.a. über Management, Marketing und den Umgang mit Öffentlichkeiten vermitteln. Auch das sollte dieses Buch bei der nächsten Ausgabe berücksichtigen!

