Buchrezension
Event zieht - Inhalt bindet
Nun, mit welchen Erwartungen betreten Besucher ein Museum? Wie Studien zur Besucherforschung belegen, motiviert keineswegs allein die Aussicht, unterhalten zu werden. Museen werden nach wie vor als Orte der Bildung, also als Institutionen mit Bildungsauftrag, wahrgenommen. Eine Stärke der Tagungsdokumentation liegt nun in der Berücksichtigung aktueller Lerntheorien aus den Disziplinen Psychologie und Pädagogik. Aus den Blickwinkeln dieser Disziplinen gewinnen Überlegungen, ob das Event ein Mittel ist, einzig kurzfristig (mediale) Aufmerksamkeit zu erlangen, oder ob Events sinnvoll in die Vermittlungsarbeit eingebettet werden können, indem sie als zeitgemäße Antwort auf veränderte Bedürfnisse, genauer auf eine gewandelte Form der Wahrnehmung, begriffen werden, an Tiefe. Es ist das Verdienst der Dokumentation, den Begriff »Lernen« eingehend zu reflektieren und die Frage aufzugreifen, wie heute außerhalb formeller Strukturen (z.B. der Schule) gelernt wird. Museen sind heute - neben Science Centern, Themenparks, Zoologischen Gärten usw. - »erlebnisorientierte Lernorte«, in denen »selbstgesteuertes, informelles Lernen« möglich wird. Es gilt Situationen zu schaffen, in denen Sinnerfahrungen und Sinnzusammenhänge auf einer individuellen Ebene möglich werden. Lassen sich diese mittels Erlebnis - eben auch mittels Event - erreichen, wird ersichtlich, wie Angebote mit Eventcharakter und Inhaltsvermittlung Gewinn bringend ineinander greifen können. Um nochmals auf den Titel des Tagungsbandes zurückzukommen: Im besten Falle ziehen Events Besucher an und vermögen diese an das Museum zu binden, wobei Events veränderten Besucherbedürfnissen Rechnung tragen. Wie eine »unterhaltsame Bildung« in der Praxis aussehen kann, zeigen eine Dokumentation der Arbeitsgruppen aus Bonner Museen sowie Beiträge aus dem Ideenmarkt, die den Tagungsband abrunden. Doch während die Berichte aus der Praxis reiches Ideen- und Anschauungsmaterial für historische und völkerkundliche Museen oder Science Center bieten, also Institutionen, die suis generis die Vermittlung von Sinnerfahrungen und Sinnzusammenhängen zur Aufgabe haben, kommen andere Museen - allen voran Kunstmuseen - etwas zu kurz.
Gwyneth Hughes, Korrespondentin
01.01.1970

