27.03.2015

Autor*in

Sigrid Bekmeier-Feuerhahn
KM Kolloquium

Über fachliche Grenzen hinaus Kulturwissenschaften an der Leuphana Universität Lüneburg zwischen Theorie und Praxis

Aktuelle Studien belegen, dass die Kreativwirtschaft und der kulturelle Sektor als Wirtschaftsfaktor zunehmend bedeutender und differenzierter werden. Eine immer größere Bandbreite an Spezialisierungen tut sich auf und die Anzahl an Studiengängen mit Kulturmanagement-Anteil steigt stetig. Für die Leuphana Universität Lüneburg sind Transdisziplinarität, Vielfalt und eine fokussierte Branchenspezifität für Kultur die Grundsteine für eine erfolgreiche Lehre und Vermittlung von Kultur.
Welches Rüstzeug wird in der Praxis gebraucht, um ein Knowhow für kulturelle Kommunikation und zielgerechte Inhalte zu erlangen und gleichzeitig mit einer positiven Bilanz ökonomisch, sozial und inhaltlich das Geschäftsjahr zu verlassen? Welche Methoden braucht es, um die beiden Disziplinen Wirtschaftswissenschaften und Kulturwissenschaften zu vereinen? Reicht es aus, Wirtschaftlichkeits-Prinzipien zu kennen und einseitige Kulturdefinitionen abzurufen? Das neu angelegte Leuphana Semester und Leitbild unterstreichen solche Grundsätze einer interdisziplinären Kulturwissenschafts-Ausrichtung. Die Hybridisierung von kreativen und angewandten Ideen und fundierten theoretischen Fachkenntnissen sollen aber nicht nur Ziele der Studenten sein, auch in der Organisation und Lehre unseres Studienganges schlagen sich diese Maxime nieder.

Das Vertiefungsfach Kulturorganisation und Kommunikation des Kulturwissenschaftsbachelors an der Leuphana Universität leiten aus diesem Grund Prof. Dr. Sigrid Bekmeier-Feuerhahn vom Institut für Unternehmensentwicklung am Lehrstuhl für Kommunikations- & Kulturmanagement und Prof. Dr. Volker Kirchberg vom Institut für Soziologie und Kulturorganisation zusammen.

Lehrveranstaltungen

Ein praxisorientiertes Studium braucht eine fundierte Theoriegrundlage. Beispielhaft für den zusammenführenden Charakter der Lehrveranstaltungen ist die Vorlesung Kulturmarketing: Hier treffen Praxisinhalte auf Management- und Marketingtheorien, die anhand von kulturinstitutionellen Praxisbeispielen Gestalt annehmen. Die grundlegenden Kenntnisse der Marketingmixinstrumente, Analysen und Strategien werden im ersten Teil der Vorlesung vermittelt, während die Studenten sich danach in Kleingruppen Fallbeispielen und Fragen zuwenden. So wird der zuvor gehörte Inhalt sofort in die Praxis umgesetzt.

Das Modul Theorie der Kulturorganisation gibt den Studierenden die notwendige soziologische, ökonomische und rechtliche Basis, um Prozesse, Strukturen und Wandlungen des Kulturbetriebs zu begreifen. Dabei werden Theorien des Kulturbetriebs vorgestellt sowie ihre Anwendbarkeit zur Analyse des Kulturbetriebs diskutiert. Dies schließt Fragen der nachhaltigen Entwicklung von Kulturorganisationen und mögliche Impulse des Kulturbetriebes für nachhaltige gesellschaftliche Entwicklungen mit ein. Im Modul Praxis des Kulturbetriebes erarbeiten Studierende auf Basis der thematischen Hintergründe ein Semester lang ein Konzept. Die essentiellen BWL-Inhalte werden stets auf Kulturinstitutionen, den Kulturmarkt und dessen Besonderheiten bezogen.

Das Modul Studium spezieller Kultursparten wendet sich den spezifischen Organisations-, Produktions- und Konsumptionsmustern einzelner Kultursparten zu. Wichtig sind hierbei die Beschreibung und Analyse der gesellschaftlichen Funktionen dieser Einrichtungen, Wechselwirkungen zwischen Kultureinrichtung und Gesellschaft sowie die Positionierung in ihren spezifischen ökonomischen, politischen, städtischen und ökologischen Umfeldern.

Letztendlich münden diese vier Module in einem abschließenden Projektmodul. Wichtig ist dabei vor allem die Forschungsorientierung zum Erlernen wissenschaftlichen Arbeitens an einem ausgewählten Thema.

Forschungsprojekte und Abschlussarbeiten

Die Forschungsprojekte der beiden Lehrstühle bespielen die ganze Bandbreite von Kultur, Kommunikation, Soziologie und Organisation. Die Studie zum verzerrten Antwortverhalten in Besucherbefragungen untersucht, ob bei Bewertungen von Kulturinstitutionen von einem sozial erwünschten Antwortverhalten auszugehen ist. Ein besonderes Augenmerk auf die Besonderheiten von kreativen Gründern wirft das Forschungsprojekt Kommunikations-Strategien von Entrepreneuren in der Kultur- und Kreativwirtschaft. Welchen Einfluss Markenbildung auf Kulturinstitutionen haben kann und welche Rolle die Besucherforschung einnimmt, zeigt das Forschungsfeld Kulturbranding. Der Wirkung von Kultur im städtischen Raum widmet sich der Forschungsbereich Die Bedeutung von Kunst und Kultur für die Stadtentwicklung. Der Einsatz von Künsten in Zusammenhang mit gesellschaftlichen Werten wird im Projekt Kunst, Kultur und Nachhaltigkeit thematisiert.

An der Leuphana Universität ist es wichtig Anregungen aus unterschiedlichen Disziplinen in den Lehr-, Lern- oder Forschungsprozess aufzunehmen und aufgeschlossen gegenüber Neuem zu bleiben. Diese Prämisse bietet einen großen Vorteil für Studierende: Kultur und Kulturmanagement sind nichts Statisches und der Raum für Mitgestaltung, Kritik und neue Ideen sind stets gegeben. Auch die Absolventen schaffen sich in ihren Bachelor-oder Masterarbeiten einen neuen Zugang zu Kulturmanagement und steuern so einen eigenständigen Beitrag zum aktuellen Diskurs bei.

Insgesamt zeigt sich so, sowohl in der Forschung als auch in der Lehre, ein breites Spannungsfeld, in dem Ansätze aus den unterschiedlichen Disziplinen innerhalb aktueller Diskurse verknüpft werden. Innovation, Vielfalt und ein theoretisch fundiertes und zugleich praxisorientiertes Studium erwarten an der Leuphana Universität damit sowohl Bachelor- als auch Master-Interessierte.

Arts Organization

Zusätzlich leitet Prof. Dr. Volker Kirchberg den englischsprachigen Minor Arts Organization im Masterprogramm Kulturwissenschaften Arts, Culture and Media der Leuphana Universität. Auch hier wird der Gedanke der Vielfalt und Transdiziplinarität weitergeführt: Ein gewähltes Minor-Programm, eine Vertiefung und der Wahlbereich für Veranstaltungen aus anderen Spezialisierungen bestimmen ebenfalls den Studienverlauf des Masters. Eine intensive Betreuung wird durch die kleine Größe des Studiengangs von ca. 60 Studierenden gewährleistet.

Dieser Beitrag erschien mit noch ausführlicheren Hintergrundinformationen im KM Magazin 09/14. Dieser Link führt Sie direkt zum Nachlesen zur PDF.

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