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5. Dezember 2008

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Porträt

Executive Master in Arts Administration, Universität Zürich

Im Jahr 2004 startete, angeregt und initiiert durch den Intendanten des Züricher Opernhauses, Alexander Pereira, an der Universität Zürich ein Masterstudiengang, der in vielerlei Hinsicht einzigartig im deutschsprachigen Raum ist.

Einzigartig sicher durch die besondere Präsenz und Anzahl namhafter Intendantinnen und Intendanten der internationalen Theaterszene, (Chef-) Redakteurinnen und -redakteure bedeutender deutschsprachiger Feuilletons, Professorinnen und Professoren und auch Managementberater im Lehrkörper des Studienangebots. Einzigartig aber sicher auch durch die besondere Struktur des Studienprogramms und die Art der Vermittlung der Lehrinhalte.
Kulturmanagement Network konnte in einem Gespräch mit Dr. Gerhard Brunner, Programmdirektor und Gründungsbeauftragter des Masterprogramms Arts Administration an der Universität Zürich, mehr über die Ambitionen, Ideen und Inhalte des Studienangebotes erfahren.


»Der Urgedanke zum Masterprogramm kam durch Alexander Pereira, der sich fragte, wie man die Intendantinnen und Intendanten von morgen ausbildet«, so Dr. Brunner zum ersten Ansatz des Studienangebotes, das 2004 seine ersten Studierenden immatrikulierte und damit zunächst erst einmal einen deutlichen Schwerpunkt in Richtung (Musik-)Theater erhielt.

Da man aber nicht nur einen verengten Fokus auf eine »Theaterkaderschmiede« legen wollte, wurden der Lehrkörper, die Studieninhalte und auch die Auswahl der Studierenden weiter gefasst: »Es geht um Führungsqualitäten für Administratorinnen und Administratoren im weiteren Sinne im Kulturbereich. Der zweite Zyklus (Start im September 2006, Anm. d.R.) hat eine deutlich andere Akzentuierung. Er entwickelt sich weg von der Theaterorientierung, von der fachspezifischen Prägung, mehr hin zur Mitte, zu allgemeinen Themenfeldern. Denn, die Frage »Was ist Verantwortung? Wie trägt man Verantwortung?« ist in einem Stadttheater gleich wie in einem Museum und in tausend anderen Varianten von Kulturbetrieben. Und das sind die zentralen Fragen, auf die wir immer deutlicher zugehen.«

So studieren neben Künstlern, Regisseuren und Intendanten auch ehemalige Bankdirektoren, Betriebswirtschaftler oder andere branchenfremde Quereinsteiger im Masterprogramm, die vorwiegend aus dem deutschsprachigen Raum, aber auch aus Russland, Georgien, Polen, Frankreich oder Italien kommen. Pro Zyklus gibt es höchstens 30 Studienplätze, wobei diese sich je zur Hälfte auf das Masterprogramm und ein angebotenes Diplomprogramm verteilen. Bewerberinnen und Bewerber werden durch ein spezielles Bewerbungsverfahren ausgewählt, wobei die Verantwortlichen ganz genaue Ansprüche an die Voraussetzungen ihrer zukünftigen Studierenden stellen, wie Dr. Brunner zu erzählen weiß: »Wir haben ganz klare Vorstellungen von den Voraussetzungen unserer Studierenden. Sie müssen zwischen 28 und 40 Jahren alt sein, einen Abschluss haben - entweder einen wirtschaftswissenschaftlichen oder aus einem philosophisch, soziologisch oder kulturellen Hintergrund, Berufserfahrung mitbringen (je mehr, desto besser), möglichst Führungserfahrung haben, Spartenkenntnisse besitzen und immer deutlicher - aber nicht ganz so leicht messbar - sehr hohe Sozialkompetenzen mitbringen. Künstlerische Fähigkeiten sind dabei aber als Voraussetzung nicht wichtig. Man kann diese auch nicht als Voraussetzung verlangen. Wenn diese mitgebracht werden, umso besser. Wenn dies zusammenfällt, ist es schön und wahrscheinlich für das Idealbild der kulturellen Führungskraft gut. Nur, es ist nicht unabdingbar. Ich kann mir Intendanten ohne dies vorstellen.«

Gerade die Quereinsteiger und branchenfremden Bewerber bringen besonders viel Enthusiasmus ins Studium ein, so Dr. Brunner: »Meine bisherigen Erfahrungen zeigen mir, dass die Quereinsteiger die viel größeren Wege zurücklegen, viel größere Lust mitbringen zu dienen (administration - darin steckt etwas vom Diener). Ich versuche ihnen zu sagen, wem man dient. Solange ich hier tätig bin, werden keine Leute ausgebildet, die auf Knopfdruck Events veranstalten. Wir reden ganz klar über die Inhalte, wofür was steht, wofür man uns nicht braucht und dafür gibt es auch Module. In den einzelnen Modulen wird im Gespräch mit schöpferischen Leuten ganz klar vor Augen geführt, »für wen tut Ihr das, letztlich?«.«

Insgesamt durchlaufen die Studierenden ein 3-jähriges Programm, das sich in 3 Teile gliedert. In fünf Modulgruppen mit insgesamt 32 dreitägigen Modulen werden die verschiedenen Bereiche des Kulturmanagements vermittelt. Diese finden z.T. auch berufsbegleitend während der Berufspraktika statt. Die Besonderheit dieser Unterrichtsblöcke mit »Werkstattcharakter« ist, dass in jedem Modul bis zu 3 Referenten und Dozenten in dialogischer Form mit den Studierenden die Lehrinhalte vermitteln und mit diesen an Praxisfällen arbeiten. Im zweiten Teil arbeiten die Studierenden in Wirtschaftsbetrieben, um sich praxisnah wirtschaftliches know-how anzueignen. »Es dürfen und sollen ganz bewusst keine Kultur- oder Kulturwirtschaftsbetriebe sein, denn wir wollen in einen ganz anderen Bereich und dieses know-how einbringen, denn dies ist ein wichtiges know-how und alles in kulturellen Themenfeldern anwendbar.«

Im dritten Teil absolvieren die Studierenden ein Kulturpraktikum in Kultureinrichtungen und -organisationen, u.a. auch in den durch die lehrenden Intendantinnen und Intendanten vertretenen Häusern. Am Ende wird eine Abschlussarbeit erstellt. Welche Berufs- und Karriereaussichten die künftigen Absolventen haben, kann zu diesem Zeitpunkt noch nicht gesagt werden. Kulturmanagement Network wird im kommenden Jahr 2007 versuchen, mit den ersten Absolventen und möglichen Arbeitgebern ins Gespräch zu kommen. Bei den gebotenen Networkingmöglichkeiten zwischen den Studierenden und Lehrenden dürften die Chancen aber recht gut sein.

Ein solches Studienangebot hat natürlich seinen Preis und der liegt mit 38.000 CHF Kosten für das Gesamtprogramm sehr hoch. Ohne die Unterstützung eines Großsponsors würden die Kosten allerdings noch weit höher sein, damit aber in Höhe üblicher Kursgebühren englischsprachiger MBA-Programme liegen. Stipendien für das Programm werden nach Bewerbung auch ausgegeben.
Dirk Schütz, Kulturmanagement Network
06.06.2006, D S
Weiterführende Links: www.weiterbildung.unizh.ch
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