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21. November 2008

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Leselust & Lesekompetenz

Schweizer Monatshefte mit Themenheft »Kein Ende der Leselust« zum Welttag des Buches erschienen.

Befindet sich das Lesen von Büchern, Zeitschriften und Zeitungen heute in einer Krise, überlebt es nur noch aufgrund von bildungspolitischen Offensiven und Förderkampagnen der Buchlobby?

Der »Pisa-Schock« verdeutlicht, dass Schüler oft weit schlechter lesen können, als Eltern, Pädagogen und Politiker erhofften. Wie damit umgegangen werden kann, wie sich die Lust vor allem der Heranwachsenden wecken und wachhalten lässt, ist Thema der aktuellen Ausgabe der „Schweizer Monatshefte“. Die Beiträge schlagen den Bogen vom aktuellen Kinderbuchmarkt über die ».. einfach klassisch«- Reihe des Cornelsen Verlages bis zum Lesenlernen im 18. und 19. Jahrhundert - und mit der Frage, warum wir schöne Bücher brauchen, wieder zurück in unsere Gegenwart.


Die Autor/innen der Ausgabe März/April 2007 in ausgewählten Zitaten:

Peter J. Brenner, Autor von »Schule in Deutschland. Ein Zwischenzeugnis« (2006):
»Die Pisa-Studien transportieren eine Vorstellung vom Lesen, die auch noch die letzten Reste einer Lesekultur zerstören.«

Annelies Häcki Buhofer, Professorin für Deutsche Sprachwissenschaft am Deutschen Seminar der Universität Basel:
»Das Zeitungslesen am Küchentisch oder das Schreiben von Notizen ist für die Ausbildung eines selbstverständlichen Gebrauchs der Lese- und Schreibfähigkeiten ebenso wichtig wie das Lesen und Schreiben von Büchern.«

Friedbert Stohner, Verlagsleiter im Kinderbuch im Münchner Hanser Verlag, und Monika Osberghaus, derzeit mit dem Aufbau des 2008 startenden »Klett-Kinderbuch«-Verlages befasst und Autorin von zwei Kinderliteratur(ver)führern:
»Lesen allein genügt nicht. Die schiere Anzahl an Kinderbüchern ist noch kein Qualitätsausweis. Denn Kinderbücher sind in vielen Fällen nur eines: dümmlich. Der Kinderbuchmarkt braucht eine Radikalkur.«

Charles Linsmayer, Verlagslektor und Publizist, Herausgeber von Werken vergriffener Schweizer Autoren:
»Der Taschenbücher-Boom, veränderte Unterrichtsmethoden und die Infragestellung der von der [Schweizerischen] geistigen Landesverteidigung verfochtenen Werte führten in den achtziger und neunziger Jahren zu einem scheinbar unaufhaltsamen Niedergang.«

Christine Holliger, Direktorin des Schweizerischen Instituts für Kinder- und Jugendmedien:
»Die meisten Kinder sind stolze Erstleser, aber wenn sie längere und schwierigere Texte lesen müssen, verlieren sie rasch das Interesse.«

Judith Mathez, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Schweizerischen Institut für Kinder- und Jugendmedien SIKJM:
»Das Potential digitaler Spiele darf nicht unterschätzt werden. Sie bieten ein Tor für den Erwerb von Medien-, aber eben auch von Lese- und Schreibkompetenz.«

Michael Mühlenhort, Germanist, Mitarbeiter am Projekt Klassikerwortschatz der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, über die »... einfach klassisch«-Reihe des Cornelsen Verlages:
»Die modernisierten Texte des Cornelsen-Verlages können also nur weniges von dem erreichen, was ihre Macher erhofften. (...) Für Lesemuffel oder Schüler mit unterentwickelter Lesekompetenz werden die ausgewählten Texte aber auch durch die Modernisierung keine unbeschwerte Lektüre. (...) Es ist die Aufgabe der Schule, Interesse an Sprachkunstwerken zu wecken und erste Fähigkeiten im Umgang mit nicht unmittelbar zugänglichen Texten zu vermitteln.«

Ulrich Knoop, Professor für Germanische Philologie in Freiburg i. Br., über den Reiz, den Klassikertexte für Schüler haben: »Lesen wird als eine ausdrückliche Verstehensaufgabe deklariert, und die Reflexion über das individuell Verstandene darf in der Gruppe diskutiert werden, ohne dass jemand als 'Ungebildeter' dasteht.«

Alfred Messerli, Dozent am Institut für populäre Kulturen der Univ. Zürich, über Lesenlernen zwischen 1700 und 1900:
»Die Lesenden erschlossen sich mit ihrer Lektüre Bereiche, die die engen, durch soziale Unterdrückung, räumliche und seelische Begrenztheit gekennzeichnete Wirklichkeit sprengten.«

Rainer Diederichs, Präsident der Gottfried Keller-Gesellschaft und Redakteur von „Librarium“, der Zeitschrift der Schweizerischen Bibliophilen Gesellschaft:
»Ein schönes Buch erleichtert das Lesen. Der Leser ermüdet weniger schnell und erfasst dafür den Inhalt schneller. (...) Bücher sollen schön sein - als Dienst an der Lesbarkeit. (...) Ich bin sicher, Schönheit überlebt.«

Die Ausgabe »Kein Ende der Leselust« kann bestellt unter www.schweizermonatshefte.ch

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19.04.2007
Quelle: Schweizer Monatshefte / Hanna Knickmann
Weiterführende Links: www.schweizermonatshefte.ch
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