Erste europäische Kulturstrategie
Die Europäische Kommission hat heute eine Erklärung zur Rolle der Kultur in einer zunehmend globalisierten Welt abgegeben. Darin wird – und dies ist ein Novum – eine europäische Kulturstrategie vorgeschlagen. In der Mitteilung wird die zentrale Rolle der Kultur im europäischen Integrationsprozess bekräftigt und eine Kulturagenda für Europa sowie für die Beziehungen Europas zu Drittländern angeregt. Vorausgegangen war eine intensive Anhörung von Entscheidungsträgern und interessierten Kreisen aus ganz Europa.
José Manuel Barroso, Präsident der Europäischen Kommission, erklärte: »Mit Kultur und Kreativität kommen die Menschen täglich in Berührung. Kultur und Kreativität sind darüber hinaus ein wichtiger Faktor für die Entwicklung des Einzelnen, für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und für das wirtschaftliche Wachstum. Doch sie sind noch weit mehr: Sie bilden den Kern eines europäischen Projekts, das auf gemeinsamen Werten und einem gemeinsamen Erbe beruht und das zugleich die Vielfalt anerkennt und achtet. Die heutige Strategie zur Förderung des interkulturellen Verständnisses festigt den zentralen Platz, den die Kultur inmitten unserer verschiedenen Politiken einnimmt.«
Der neue Ansatz wird in einer Mitteilung der Kommission mit dem Titel »Eine europäische Kulturagenda im Zeichen der Globalisierung« erläutert und durch ein Arbeitspapier der Kommissionsdienststellen (Vgl.MEMO/07/180) ergänzt, in dem die vielfältigen Maßnahmen der Europäischen Union zur Unterstützung der Kultur beschrieben werden. Diese beiden Dokumente wurden im Anschluss an eine intensive öffentliche Anhörung von Stakeholdern ausgearbeitet. Genannt werden drei Hauptziele, die zusammen eine Kulturstrategie der europäischen Institutionen, der Mitgliedstaaten und des kulturellen und kreativen Sektors bilden:
1. Förderung der kulturellen Vielfalt und des interkulturellen Dialogs;
2. Förderung der Kultur als Katalysator der Kreativität im Rahmen der Lissabon-Strategie und
3. Förderung der Kultur als wesentliches Element der internationalen Beziehungen der Union.
Vor dem Hintergrund der bevorstehenden Umsetzung des UNESCO-Übereinkommens über den Schutz und die Förderung der Vielfalt der kulturellen Ausdrucksformen (Vgl. MEMO/06/200) durch die EU befasst sich die Mitteilung auch mit der externen Dimension der europäischen Kultur. Europa braucht eine Kulturstrategie, die innerhalb Europas offen für Vielfalt und gleichzeitig weltoffen ist. Die in der Mitteilung vorgeschlagenen Maßnahmen zielen darauf ab, die Kultur noch stärker in den politischen Dialog mit Partnerländern und Regionen in der ganzen Welt einzubeziehen, den kulturellen Austausch zu fördern, und die Kultur systematisch in Entwicklungsprogramme und –projekte einzubauen.
Zur Unterstützung gezielter Aktionen in AKP-Ländern schlägt die Europäische Kommission die Einrichtung eines EU-AKP-Kulturfonds als gemeinsamen europäischen Beitrag zur Unterstützung der Verbreitung und gegebenenfalls der Produktion von Kulturgütern der AKP-Länder vor. Der Fonds soll das Entstehen lokaler Märkte und Industrien fördern und den Zugang von Kulturgütern aus AKPLändern zu europäischen Märkten erleichtern. Nach Vorstellung der Kommission sollte die Gemeinschaft im Zeitraum 2007-2013 etwa 30 Millionen Euro zu dem Fonds beisteuern; die Mitgliedstaaten werden ersucht, zusätzliche Beiträge zu dem Fonds zu leisten.
Ein wesentliches Merkmal der neuen Strategie ist der Vorschlag, die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten und den EU-Institutionen in kulturellen Angelegenheiten stärker zu strukturieren. Grundlage dafür wäre die »offene Koordinierungsmethode« (OKM), mit der bereits erfolgreich die Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten und der EU in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sozialschutz strukturiert wurde. Bei der OKM werden allgemeine Ziele vorgeschlagen, auf die sich die Mitgliedstaaten und die Europäische Kommission gemeinsam verständigen. Die Fortschritte bei der Erreichung dieser Ziele werden alle zwei Jahre von der Kommission und den Mitgliedstaaten geprüft.
Ein Anliegen der Mitteilung ist es auch, den Kultursektor – von einzelnen Künstlern und Darstellern bis hin zu den kreativen und kulturellen Industrien – enger in die die europäische Politik einzubeziehen. Dies soll mit Hilfe besserer Strukturen für den Dialog und die Partnerschaft mit diesen Stakeholdern in Form eines neuen »Kulturforums« erreicht werden. Die europäische Kulturstrategie wird durch weitere Maßnahmen der EU im kulturellen Bereich ergänzt, wie etwa das bevorstehende Europäische Jahr für den interkulturellen Dialog 2008.
Quelle: Europäische Kommission
Weiterführende Links: http://ec.europa.eu/culture/eac/index_en.html

