World Culture Forum - ein Rückblick
Die Qualität und Auswahl der Referenten und die leidenschaftlichen Plädoyers für eine stärkere Verankerung der Kultur in der Gesellschaft lösten aber berechtigte Hoffnungen aus, das dies gelingen kann.
Schauplatz der Veranstaltung war hauptsächlich die Gläserne Manufaktur von VW und damit ausgerechnet ein Aushängeschild der Wirtschaft. Und dort sollte nun der entscheidende Impuls für die Etablierung eines Weltkulturgipfels gelegt werden? Zweifel waren berechtigt. Ausgangspunkt der Überlegungen für ein World Culture Forum ist unter anderem, mit der Reflexion über die Kultur ein lobbyistisches Instrument zu schaffen: »Unter anderem möchten wir aufzeigen, dass Kunst wirtschaftlich erfolgreich ist und gleichzeitig für den geistigen Zusammenhalt einer Gesellschaft sorgt«, sagt Hans-Joachim Frey. Was diesem Anliegen besonderen Nachdruck verlieh, waren die ebenso klugen wie glaubwürdigen Ausführungen von Meinhard Miegel und Franz Josef Radermacher. Während wir Prof. Radermacher direkt in einem Interview in dieser Ausgabe von KM zu Wort kommen lassen, möchten wir an dieser Stelle auf einige Gedanken von Prof. Miegel eingehen. Aus seiner Sicht ist es »eine der größten Schwächen und Gefährdungen unserer Zeit und Zivilisation«, die Kultur im Sinne eines Orientierungsgerüsts oder Gesellschaftsentwurfs aus den Augen verloren zu haben. In der Verengung der Kultur auf die Kunst laufe man Gefahr, die Kunst auf einen beliebigen Bereich im gesellschaftlichen Leben zu reduzieren. »Kultur hingegen verbindet sich mit vielen: mit der Wirtschaft zur Wirtschaftskultur, mit dem Recht zur Rechtskultur, mit der Politik zur politischen Kultur und selbst mit so prosaischen Dingen wie Essen und Trinken zur Esskultur.« Die Frage erhebt sich dann schnell, wer sich um die Kultur als Ganzes kümmere. Zu wenige, so Miegel. Und dann schlägt er einen Bogen von den Errungenschaften und dem Wohlstand der westlichen Kultur, der hohen Lebenserwartung, um dann folgerichtig den Kausalzusammenhang mit den Zerstörungen der materiellen Grundlagen für die Existenz aufzuzeigen. »Innerhalb von 200 Jahren die fossilen Energievorräte, deren Entstehung 200 Millionen Jahre gedauert hat, zu verbrauchen«, sei alles andere als eine auf Nachhaltigkeit gerichtete Lebensweise. In den derzeitigen Krisensymptomen der westlichen Industriestaaten wie dem Bevölkerungsschwund, nachlassenden familiären Bindungen oder übermäßiger Medienkonsum sieht Miegel nicht einzelne Ausreißer, sondern »integrale Bestandteile dieser, unserer Kultur«. Fazit: »Eine Kultur, die ein solches Stadium erreicht hat, bedarf dringend der Erneuerung.« Insofern nahm Prof. Miegel eine Schlüsselrolle für die Bewertung der Ausgangslage und der Annäherung an einen Gegenentwurf für ein Weltkulturgipfel ein.
Was der Veranstaltung zu einem Drahtseilakt werden ließ, war einerseits die im Hintergrund laufende Produktion einer Luxuslimousine, andererseits der Einbezug von Referenten wie des Mediamarkt-Gründers Walter Gunz, der vor dem Hintergrund einer »Geiz ist geil« oder »Ich bin doch nicht blöd«- Kampagne aus unserer Sicht weniger glaubhaft eine solche Initiative vertreten kann. Wobei das Engagement von VW durchaus eine Anerkennung wert ist. Die »Gläserne Manufaktur selbst repräsentiert den Geist dessen, wofür das World Culture Forum eine Diskussionsplattform sein will: Wirtschaft und die Gesetzmäßigkeiten der Ökonomie müssen keinen Gegensatz zu Kultur und dem Menschen selbst darstellen«, sagte Stefan Schulte, Geschäftsführer der Automobilmanufaktur Dresden GmbH, der ebenfalls dem Gründerkreis des Weltkulturgipfel angehört. Der Europäische Kongress für ein World Culture Forum wird vom 26. Februar bis zum 01. März 2009 in Dresden stattfinden.

