Auch die Arbeitswelt ist eine Bühne
»Die ganze Welt ist eine Bühne«, lässt Shakespeare Jacques in der Komödie »Wie es euch gefällt« sagen. Damit liegt er heute genau richtig: Darstellendes Spiel ist mittlerweile zum Prüfungsfach an deutschen Gymnasien geworden, in der Wirtschaft setzen Führungskräfte Unternehmenstheater für Personalentscheidungen ein, öffentliches Sprechen kann in nahezu jeder Berufsgruppe gefordert sein. Dafür brauche es in Zukunft vermehrt ausgebildete Kräfte, sagen Klaus-Ingo Pißowotzki und Gudrun Stockmann, die seitens der Dramaturgischen Abteilung am Seminar für Deutsche Philologie und der Zentralen Einrichtung für Sprachen und Schlüsselqualifikationen (Zess) die Koordination des neuen Berufsprofils »Theaterpraxis« übernommen haben. Ihnen sei daran gelegen, Studierende durch das neue Angebot nicht nur für eine wissenschaftliche Laufbahn, sondern auch für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren.
Gemeinschaftsprojekt
Die Philosophische Faklutät, die die Finanzierung für zwei Jahre zugesagt hat, kombiniert für die neue Qualifikation Angebote aus drei ohnehin bestehenden Institutionen – dem Seminar für Deutsche Philologie, dem Theater im OP und dem Zess – zu einem neuen. Ziel sei es, einen Gesamtüberblick über die Arbeit am Theater – vor und hinter der Bühne – zu verschaffen, so die Koordinatoren. Auf diese Weise könne zum einen ein sogenanntes Berufsprofil, ein für alle Studierenden in Bachelor- und Masterstudiengängen verpflichtender Anteil des Studiums, in Theaterpraxis erworben werden. Dazu gehören eine Einführung in Stückfindung, Dramaturgie, Licht, Maske, Tontechnik, Bühnenbau und Kostüm. Außerdem werden die Studierenden in der literaturwissenschaftlich geprägten Theater- und Dramentheorie geschult, sie erlernen Sprechtechniken, die sich für die Bühne eignen, und wirken in einem Theaterprojekt mit. „Die Studierenden werden Teil einer Produktion, die dann am ThOP gespielt wird“, erläutert Pißowotzki. Als Erweiterung des Berufsprofils könne zudem ein Zertifikat erlangt werden, indem weitere Kurse belegt werden. Dazu gehöre ein Theorie/Praxis-Seminar, das die in einer literaturwissenschaftlichen Veranstaltung besprochenen Texte in szenische Interpretation überführt. Außerdem üben sich die Studierenden vertieft in szenischem Schreiben, Sprechen und Spiel. Ein Kurs in Kulturmanagement soll sie zudem befähigen, eine Inszenierung publik zu machen und zu bewerben. Ziel sei es, den Studierenden alle Facetten des Theaters nahezubringen. Die Veranstaltungswahl sei immer von einer Frage geleitet, so Stockmann: »Was heißt Theater machen?«.
Quelle: Göttinger Tageblatt
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