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9. September 2010

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5 Jahre EDUCULT - Denken und Handeln im Kulturbereich

»Sie sollen da nix selbständig entwickeln. Sie sollen warten, bis wir Ihnen sagen, was Sie tun sollen«. An diese beiden Sätze erinnert sich Dr. Michael Wimmer, Geschäftsführer des Vereins »EDUCULT – Institut für die Vermittlung von Kunst und Wissenschaft«, noch gut. Der Auftrag kam aus dem Mund des letzten, von der damaligen Bildungsministerin Elisabeth Gehrer eingesetzten, Vorsitzenden des Österreichischen Kultur-Service, der ganz offensichtlich der Idee von Entrepreneurship als Schlüsselkompetenz nur wenig abgewinnen konnte. Vor allem aber wollte er damit deutlich machen, dass da etwas zu Ende gebracht werden sollte.

Nun schafft jedes Ende auch die Chance eines Anfangs: am 12. November 2003 wurde der Verein EDUCULT gegründet, der in diesen Tagen sein fünfjähriges Bestehen feiert.


Positive Zuversicht

Nix mehr mit warten. Statt dessen gab es nur eine Chance, um das Projekt EDUCULT auf einen guten Weg zu bringen: selbst aktiv zu sein, die Initiative zu ergreifen, das über Jahre gesammelte ideelle Kapital zu nutzen, ein eigenständiges Profil zu entwickeln und potentiellen Partnern Kooperationsangebote zu machen. Und dabei nicht in das allgemeine Jammern einzustimmen, sondern positive Zuversicht auszustrahlen. 
Schon bald stellten sich die ersten Aufträge ein: dabei machten die Recherchen zum Nutzerverhalten der BesucherInnen der Wiener öffentlichen Büchereien oder zu den Angeboten der Volkshochschulen an verloren gegangene Zielgruppen rasch deutlich, dass es – jedenfalls in der österreichischen kulturpolitischen Diskussion – einen gravierenden blinden Fleck gibt: die NutzerInnen. Und so ergab sich ein fast „aufgelegtes“ Aufgabenfeld für EDUCULT, das darin bestand, diesen blinden Fleck durch eine stärkere Berücksichtigung der Nachfrageseite mit Inhalten füllen.
Die enge internationale und europäische Vernetzung machte es möglich, sich über die Grenzen hinweg auszutauschen und neue Erfahrungen nach Österreich bringen. Interessante Kooperationsformen u. a. mit der europäischen Städtevereinigung EUROCITIES oder dem Regionenverbund INTERREG entstanden. Seinen besonders symbolhaften Ausdruck hat diese Vernetzung mit der Beauftragung zur Durchführung der Third International Conference on Cultural Policy Research 2006 in Wien gefunden, an der mehr als 400 WissenschaftlerInnen aus aller Welt teilgenommen haben.
Immer wieder wurde EDUCULT eingeladen, sich auch auf ganz neue Aufgaben einzulassen. Etwa als der vormalige Wiener Stadtschulratspräsident und Restitutionsbeauftragte Kurt Scholz auf den beklagenswerten Zustand des Währinger Jüdischen Friedhofs aufmerksam machte: der Verein gab in der Folge einen Kalender mit Aufnahmen herausragender PhotographInnen - unter ihnen Harry Weber, Edward Serrota oder Isolde Ohlbaum - heraus. Rechtzeitig zum Jubiläum erscheint ein Buch über den Währinger Jüdischen Friedhof mit dem Titel „Vom Vergessen überwachsen“. Es enthält neben den Photographien auch eine Reihe von Schulprojekten zu diesem einzigartigen Kulturdenkmal.


Einschlägige Studien

Einen großen Auftrieb erhielt EDUCULT mit der Bestellung von Bundesministerin Claudia Schmied. Mit ihr fand das Thema kulturelle Partizipation und kulturelle Bildung wieder einen Platz in der öffentlichen Diskussion in Österreich. Entgegen kam EDUCULT auch der Anspruch, kultur- und bildungspolitische Entscheidungen künftig stärker faktenbasiert zu treffen. Die Folge war die Beauftragung zur Erstellung einschlägiger Studien, etwa zu den Rahmenbedingungen kultureller Bildung in Österreich mit dem Titel „Vielfalt und Kooperationen“ oder zu den Auswirkungen von Zuwanderung auf den Kunst- und Kulturbetrieb mit dem Titel „Kunst, Kultur und Interkultureller Dialog“.
Und auch wenn zurzeit viele Räder still stehen, weil die Verantwortlichen in erster Linie mit Warten beschäftigt sind, wie die Koalitionsverhandlungen ausgehen werden: EDUCULT macht weiter und führt erstmals eine quantitative Erhebung „Kulturelle Bildung zählt“ zum Stellenwert kultureller Bildung an den österreichischen Schulen durch, aus der Rückschlüsse auf zumindest mittelfristige Entwicklungstrends zu erwarten sind.


Kulturpolitischer Diskurs in Österreich 

Apropos Machen: Machen allein zu wenig ist. Und so steht EDUCULT für die Notwendigkeit, mit den vielen engagierten und wohl auch manchen frustrierten Machern darüber nachzudenken, warum überhaupt, in welchem Umfeld, mit welchen Zielen, mit welchen Partnern, mit welchen Ressourcen und mit welchen Wirkungen kulturelle Projekte realisiert werden.
Das ist nicht einfach in einer Zeit, in der der kulturpolitische Diskurs in Österreich über weite Strecken zusammengebrochen erscheint. Aber es könnte sich lohnen, wenn es darum geht, die strukturellen Bedingungen kultureller Partizipation und Bildung nachhaltig zu verbessern.


Diskriminierung beenden

Dass die Beschäftigung mit Kunst und Kultur von Kindesbeinen an einen wichtigen Beitrag zur Bewahrung der kulturellen Vielfalt zu leisten vermag und damit eine wesentliche Voraussetzung für eine offene und pluralistische Gesellschaft ist, dafür möchte EDUCULT auch in Zukunft gute Argumente und Begründungen finden und diese mit Beispielen von Good Practice belegen. 


 

10.11.2008, Anja Schwarzer
Quelle: EDUCULT - Verein für die Vermittlung von Kunst und Wissenschaft
Weiterführende Links: http://www.educult.at
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