Zur Navigation springen
Zum Inhalt springen

Kulturmanagement Network

Internationaler Informationsdienst für Kultur & Management

Sie sind nicht
eingeloggt.
22. August 2008

Es folgt der Seiteninhalt

Es folgt der Seiteninhalt
Vorheriger Artikel Nächster Artikel
nächster Artikel: Steuerliche Behandlung von Kul...
Seite zurück Liste
Konferenzbericht

forward2business Zukunftskongress

Seit nunmehr fünf Jahren findet mit forward2business auf der Burg Giebichenstein in Halle an der Saale jährlich ein Kongress statt, auf dem nicht nur Trends und zukünftige Entwicklungen diskutiert werden. Hier werden vor allem neue Geschäftsmodelle und Allianzen, kreative und zukunftsfähige Konzepte diskutiert und entwickelt. Und dies macht diesen Kongress in seiner Umsetzungsorientiertheit so besonders und zu einem Muß für die kreative Szene. Kulturmanagement Network war in diesem Jahr zum ersten Mal vor Ort und sprach mit Initiator und Geschäftsführer Sven Gábor Jánszky.

Spricht man heute über die neuesten Trends und Entwicklungen in der Entertainmentindustrie, in der Musik-, Film-, Games-, Medien- und Mode-Branche, fallen meistens die Namen großer Zentren wie Berlin, Hamburg, Köln und München. Doch halt! Ähnlich dem berühmten kleinen gallischen Dorf im großen Römischen Reich, hat sich in dieser Landschaft eine kleine aber feine Trutzburg kreativen Vordenkens in den neuen Bundesländern entwickelt, die jährlich die Vordenker und Visionäre dieser Kreativlandschaft anzieht. Seit nunmehr fünf Jahren findet mit forward2business auf der Burg Giebichenstein in Halle an der Saale jährlich ein Kongress statt, auf dem nicht nur Trends und zukünftige Entwicklungen diskutiert werden.

Sven Gabor Jansky auf der Burg Giebichenstein

Sven Gábor Jánszky vor der Burg Giebichenstein in Halle a.d. Saale

Zur Entwicklung des Kongresses
Ausgehend von den Veränderungen und Entwicklungen der Musikindustrie wurde, auf Anregung von MDR Sputnik-Programmchef Michael Schiwack 2001 der Kongress ins Leben gerufen. »Der Kongress hat ja eine Vorgeschichte. Vor fünf Jahren dachte die Musikindustrie am Boden zu sein. Es wurden keine CDs mehr verkauft, alle sprachen nur über Raubkopien. Wir konnten das Jammern nicht mehr hören. Der Gedanke war, dass die Gesellschaft sich nun einmal mit den digitalen Wegen verändert und nun die Personen zusammen geholt werden sollten, die das begriffen haben und die bereit waren daraus Zukunftsmodelle zu entwickeln«, so Jánszky. Herausgekommen ist ein exklusiver Kongress, auf dem sich nicht nur führende Manager der kreativen Industrien und Branchen treffen und austauschen, sondern auf dem auch junge Nachwuchsführungskräfte und Existenzgründer sich über neue Entwicklungen informieren und mit den »Großen« der Branchen ins Gespräch kommen können. Und so konstatiert Sven Gábor Jánszky nach der diesjährigen Veranstaltung: »Ich bin besonders damit zufrieden, dass wir Schritt für Schritt unserem Ziel näher kommen, aus dem Kongress ein Elitetreffen zu machen - Elite meine ich hier im positiven Sinne - dass wir innovative Köpfe und Manager der Entertainmentindustrie zusammenbringen«.

Die Themenbereiche für den Kongress recherchiert Sven Gábor Jánszky mit seinem Team und sucht mit journalistischer Neugier aktuelle Strömungen und Entwicklungen und stellt auch den Unterschied zu sonstigen Kongressen heraus »Natürlich denke ich mir diese Trends nicht aus. Entweder werden sie öffentlich diskutiert wie Handy TV und Web 2.0 und darüber wird auf Messen, in den Medien und auf Kongressen debattiert. Oder es gibt die Trends, für die ich auf die Suche gehe, um diese zu entdecken und sie vorzustellen. Wichtig ist der Unterschied zu den Zukunftskongressen. Dort sprechen Zukunftsforscher über entworfene Visionen und kreieren Trends. Uns geht es nicht darum Trends zu erfinden, sondern sie wahrzunehmen und über Geschäftsmodelle zu sprechen, die sich daraus entwickeln.«

Besonders interessant ist, dass neben dem Kongress weitere Formate entwickelt wurden, die die Diskussionen der Veranstaltung weiterführen und vertiefen sollen oder auch neue Zielgruppen ansprechen. Sven Gábor Jánszky erklärt, wie die Kongressergebnisse wieder in die kreative Szene zurückfließen: ?Wir haben dazu mehrere Aufgabenfelder. Zum einen den Kongress, zum anderen zwei weitere wachsende Bereiche: 1. Veranstalten wir exklusive, kleine Seminare zu einzelnen Themen der Kongresse, 2. Gibt es die Zukunftsuniversität, eine Vortragsreihe mit denselben Themen und Referenten des Kongresses. Mit dieser gehen wir einmal im Jahr im Wechsel an eine Universität. Die Zielgruppe der Zukunftsuniversität sind Studenten der Bereiche Musik, Medien und Literatur sowie Firmen und Selbständige, die in diesem Bereich arbeiten.«

Zu den großen Hauptthemen der nächsten Jahre hat sich das Team um Sven Gábor Jánszky viele Gedanken gemacht. »Es gibt zwei große gesellschaftliche Trends, die ich für ganz zentral halte. Sie sind langfristig gedacht und es gibt die kurzfristigen Fünf-Jahres-Technologien. Zu den beiden großen Trends zählen zum einen die demographischen Veränderungen. Es hat sich noch keiner wirklich Gedanken über vernünftige Geschäftsmodelle gemacht. Hier wird sehr viel passieren. Aber auch andere Fragen werden die Entertainmentindustrie verändern, z.B. wenn Energien wie Öl und Gas ausgehen und die Mobilität der Menschen damit eingeschränkt wird. Was bedeutet das? Hier können natürlich neue Geschäftsideen entstehen. Zweites großes Thema sind die creative industries. Bisher sind sie ja nur ein Schlagwort. Es hat z.B. bei der Produktion keinen Sinn, gegen Asien zu konkurrieren. Man muss das, was man wirklich vorweisen kann, die Bildung und Kultur, als Wirtschaftsfaktor bewusst machen und stärken. Es muss der Kulturpolitik wie auch den Universitäten bewusst werden, dass sie ein Wirtschaftsfaktor sind.«

Neben diesen Zukunftsaussichten waren schon die diesjährigen Diskussionen und Panels hochspannend. Zudem sorgen einige Besonderheiten für das unverwechselbare Flair des Kongresses, das sich positiv auf die Gespräche und Diskussionen auswirkt. So finden alle Panels in den Parkanlagen der Burg Giebichenstein in hellen, luftigen Zelten statt. Bequeme Möbel sorgen für die nötige entspannte Atmosphäre. Es gibt zusätzliche Ruhe- und Wellness-Oasen für die Entspannung zwischendurch. Wer den Kongress nicht live genießen konnte, hatte die Möglichkeit, diesen per Livestream im Internet zu verfolgen.

forward2business Atmosphäre
forward2business Atmosphäre

Staatsminister Rainer Robra, Oberbürgermeisterin Ingrid Häußler, Awardgewinner Prof. Brandenburg und Kongressorganisator Jánszky

Die großen Markenartikler mischen den Musikmarkt auf
Im Panel 2 - Musik & Individualität 2016: »Undenkbare Koalitionen« für die Musikindustrie der Zukunft - wurde schnell deutlich, welche fundamentalen Veränderungen sich in den kommenden Jahren im Musikmarkt ergeben und welche Auswirkungen dies auch für Künstler und Kulturmanager haben wird. Schwerpunkt der Diskussion war dabei das immer engere Zusammengehen von Markenunternehmen und Markenartiklern auf der einen Seite sowie Künstlern und der Musikindustrie auf der anderen Seite. So spannen immer mehr Markenartikler Künstler für ihre globalen Werbestrategien und die Entwicklung ihrer Markenwelten ein, denn Musik kann die Kultur und Werte dieser Brands transportieren und kommuniziert diese eindringlich und global. Musik, Klang und Stimmen werden immer wichtigere Faktoren in der Markenkommunikation und machen Marken besser erlebbar. Das Thema der Zukunft heißt hier Sounddesign für Marken, was einerseits bedeutet, dass speziell für Markenartikler Kompositionen geschaffen oder auch akustische Logos entworfen werden (siehe T-Com), aber auch mehr und mehr Musiker und Bands von Markenartiklern gebunden und vermarktet werden, es also z.T. zu starken Brand-Kooperationen kommt, wie die aktuelle Zusammenarbeit von H&M und Madonna. Hier ergeben sich für Kultur- und Musikmanager vollkommen neue Möglichkeiten. Zum einen muss man das entsprechende Know-how aufbauen, um mit potenziellen Kooperationspartnern aus der Industrie auf Augenhöhe zusammenarbeiten zu können. Man muss Verständnis und Ideen dafür entwickeln, wie Künstler in die strategische Markenentwicklung von Markenartiklern eingebunden werden können und wie diese Strategien auch für die Künstler selbst aussehen. Zum anderen eröffnen sich völlig neue Vertriebswege für die Künstler, denn längst basteln Unternehmen wie Tchibo oder auch die Modekette New Yorker an neuen Wertschöpfungsketten jenseits ihrer Kernproduktfelder und haben die neuen Vertriebspotenziale erkannt. Musik, Mode, Lebensmittel, Autos etc. kommen immer enger zusammen. Diese neuen Allianzen stellen auch für die Musikindustrie neue Herausforderungen dar. Hatte man eh schon das Problem, dass Künstler immer mehr an den Konzernen vorbei Geld verdienen und diese nicht in die Wertschöpfungsketten der Künstler - z.B. von Merchandising oder Sponsoring - eingebunden sind, drängen fachfremde Markenartikler in die »heiligen Hallen« der Vertriebsmonopole ein bzw. umgehen diese.

Große Markenfirmen sind global aufgestellt, und eine große Modehandelskette kann schnell Kundenkontakte für Musikprodukte erreichen, die bisher nur den Major Labels vorbehalten waren. Man wird also gespannt sein, wie die Musikindustrie darauf reagiert und Marcel Engh, Vice President von Sony BMG, sah in diesen Entwicklungen nicht nur Probleme, sondern vor allem auch Chancen. Allerdings bedarf es auch in der Musikindustrie dieser Vermittler zwischen beiden Welten, was auch für kommende Kulturmanagergenerationen ein interessantes Betätigungsfeld sein könnte. Spannend waren auch die Ausführungen von Lukasz Gadowski, Geschäftsführer und Gründer des Unternehmens spreadshirt, das innerhalb kürzester Zeit auf über 200 Mitarbeiter und einen weltweiten Vertrieb angewachsen ist. Spreadshirt zeigt, wie man mit individuellen Produkten (T-Shirts, Accessoires etc.) auch einen Massenmarkt erobern kann. Sicher ergeben sich hier auch Vorlagen für künftige Strategien in der Musikvermarktung und -distribution.

Weblogs, Podcasts, virtuelle Welten
Individualisierung war auch das Thema des Panels 4 - Reklame und Marketing 2016: Communities als Geschäftsmodell - Wie Marketing in der Blog-Gesellschaft funktioniert. Hier wurde heiß diskutiert, wie die neuen Informationsmedien und -formate traditionellen Medien den Rang ablaufen können. Individuelle Weblogs (virtuelle z.T. themenorientierte Tagebücher) erreichen dabei immer größere Leserschaften (Kulturmanagement Network könnte man fast auch als Weblog der ersten Stunde seit 1999 sehen) und bieten neue Möglichkeiten der Kundenansprache sowie neues Marketingpotenzial. Auch die aktuellen Zahlen der Medienanalyse (MA) für Radio zeigen, dass die neuen, individualisierten, internetbasierten Hörerprogramme vielzähliger Podcasts tausende Hörer binden und damit den traditionellen Radioprogrammen Probleme bereiten können und so der Hörermarkt noch stärker umkämpft werden wird. Fast schon science-fiction-artig muteten die Ausführungen von Guntram Gräf, Geschäftsführer der Anshe Chung Studios und Schöpfer virtueller Online-Welten, an, der in der virtuellen Welt »Secondlife« mittlerweile reales Geld mit virtuellen Produkten verdient und damit ca. 20 Mitarbeiter beschäftigen kann. Er berichtete unter anderem auch darüber, dass es virtuelle Events wie Konzert und Ausstellungen für die »Bewohner« dieser Welten gibt, die z.T. schon von realen Unternehmen gesponsort werden. Immer mehr Unternehmen drängen auch in diese Bereiche, da sie ideale Experimentierfelder für verschiedenste Produkte und Kreationen darstellen. Und immerhin werden im nächsten Jahr, so vermutet man, in der größten virtuellen Welt mehr als 1 Millionen reale Nutzer und damit potenzielle Kunden zu zählen sein. Wer weiß, vielleicht gründet sich demnächst die erste Konzertagentur für virtuelle Welten oder nutzen junge, neue Bands diese Plattform zur Selbstvermarktung und als Sprungbrett zur realen Karriere?

Wie man an diesen kurzen Beispielen sieht, sollte man sich den nächsten Kongress im kommenden Jahr auf keinen Fall entgehen lassen. In der intimen und angenehmen Atmosphäre des Kongresses kann man nicht nur schnell in Kontakt zu den führenden Kreativköpfen kommen und Businessgespräche führen, sondern sich auch vielfältige Anregungen holen und einen Überblick über die aktuellen Trends und deren Auswirkungen verschaffen. Wir finden, dass dieser Kongress ein MUSS im Kalender jedes Kulturmanagers ist, und Kulturmanagement Network wird im kommenden Jahr auf jeden Fall wieder dabei sein und auch im Vorfeld darüber berichten. Die Ergebnisse des diesjährigen Kongresses sind in Zusammenfassung auf der Internetseite des Kongresses nachzulesen oder auch ausführlicher in den Streams und der DVD-Dokumentation
erlebbar.
Dirk Schütz
02.08.2006, D S
Weiterführende Links: http://www.forward2business.com
Vorheriger Artikel Nächster Artikel
nächster Artikel: Steuerliche Behandlung von Kul...
Seite zurück Liste
Ähnliche Artikel in Seite zurück Allen Themenbereichen
[Kultur-/Kreativwirtschaft] [Medien] [Multimedia] [Musikindustrie] [Technologien]

Ähnliche Artikel in Seite zurück Allen Sparten
[Kultur-/Kreativwirtschaft] [Medien] [Multimedia] [Musikindustrie] [Technologien]
Stellenmarkt
Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3
4 5 6 7 8 9 10
11 12 13 14 15 16 17
18 19 20 21 22 23 24
25 26 27 28 29 30 31
Werbung
Werbung