Eine Vision wird Wirklichkeit - Auf historischem Grund: Die Elbphilharmonie entsteht
Autor: Till Briegleb
128 Seiten
Veröffentlichung: 2007
Verlag: Murmann
Einband: gebunden
ISBN: 3938017910
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Verlagstext
Im Frühjahr 2007 ist Baubeginn. 2009 soll eröffnet werden. Hamburg bekommt ein neues Wahrzeichen: Die Elbphilharmonie - ein architektonisches Meisterwerk, ein Konzerthaus für die Weltliga der Kultur - zu großen Teilen direkt von den Bürgern der Hansestadt bezahlt. Als 2003 die Architekten der Londoner Tate Modern, Jacques Herzog und Pierre de Meuron, einen ersten Entwurf vorlegten, war die Stadt wie elektrisiert. Private Mäzene spendeten daraufhin mehr als 60 Mio. . Eine Vision ging in die Planung über. - Die neue Konzerthalle erhebt sich auf historischem Grund: Hier stand einst der Kaiserspeicher und steht der Kaispeicher A nach den Plänen des Architekten Werner Kallmorgen. Seinen Backstein-Monolithen überwölben in Zukunft die Glaswellen avantgardistischer Architektur. Historische Aufnahmen, eine Fotostrecke von Oliver Heissner und die Entwürfe und Animationen von Herzog und de Meuron bebildern Historie, Gegenwart und Zukunft des Ortes. Till Briegleb schlägt den erzählerischen Bogen von der Geschichte des Ortes zu seiner architektonischen Zukunft.
Rezension:
Eine Rezension von Tobias Werner, Korrespondent, Berlin
Abgesehen von sonnigen Wochenendtagen, ist die neue HafenCity so leblos wie die Hamburger Innenstadt nach Geschäftsschluss. Das soll sich noch ändern. Denn wenn erst einmal die neue Elbphilharmonie als neues Wahrzeichen der Hansestadt fertig gestellt ist, sollen Tausende von Menschen nicht nur wegen dieser spektakulären Architektur sondern auch mit einem publikumsnahen Konzertprogramm in den Hamburger Hafen kommen. Doch bis zur Eröffnung des Konzerthauses im Sommer 2010 sind noch einige architektonische und programmatische Hürden zu nehmen.
Während sich alle Beteiligten des ambitionierten und prestigeträchtigen Unternehmens Elbphilharmonie um die Zukunft des Kaispeichers bemühen, setzt sich Till Briegleb mit der Historie des Ortes und des Bauwerkes auseinander. In seinem Buch „Eine Vision wird Wirklichkeit“ betrachtet der Autor die Entwicklung des Sandtorhafens, der zu dem ersten industriell genutzten Hafenbecken Hamburg gehörte und an dessen Spitze die Elbphilharmonie stehen wird. Der Sage nach wurde hier um 1400 Klaus Störtebecker enthauptet, jener Kommandant, der mit seinen Beutezügen in der Ost- und Nordsee den Hamburger Handel bedroht und zugleich kontrolliert hat. Wie eine Kathedrale stand an dieser Stelle bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg der Kaiserspeicher mit der Zeitballuhr, an dem jedes in den Hamburger Hafen einlaufende Schiff zufuhr. Ein neues Wahrzeichen wollen die Architekten Herzog & de Meuron auf dem in den sechziger Jahren erbauten Kaispeicher A erschaffen. Der von Werner Kallmorgen entworfene Kaispeicher A ist das einzige Relikt der Hafengeschichte, das auf dem Dalmannkai überlebt hat, auch wenn mit Ausnahme der Fassade nicht mehr viel von ihm übrig ist. Das Dach wurde inzwischen abgetragen, das Innere komplett entkernt. Riesige blaue Stahlträger hindern die Fassade am Einstürzen. 2010 soll in, vor allem aber auf dem ehemaligen Lager ein spektakulärer, über 2.000 Plätze umfassender Konzertsaal entstehen, ergänzt von Restaurants, Bars, einem luxuriösem Hotel, Wohnungen und einer für jeden öffentlich zugänglichen Plaza in 37 Meter Höhe.
Der historische Überblick von den Anfängen der Hamburger Hafengeschichte und dem baulichen Wandel im Sandtorhafen wird ergänzt von wunderschönen historischen Abbildungen sowie einem beeindruckenden photographischen Portrait des majestätisch anmutenden Kaispeicher A. Die Farbfotos von Oliver Heissner zeigen den fensterlosen Backsteinbau aus beinahe allen Perspektiven, auch faszinierende Details des Innern, die im Zuge der Umnutzung größtenteils nicht mehr erhalten sein werden, sind virtuos in Szene gesetzt. Abschließend präsentieren die visionären Computeranimationen der Architekten Herzog & de Meuron die Elbphilharmonie, wie sie einmal aussehen soll. Als gläsernes und leuchtendes Flaggschiff soll es weit über die HafenCity hinaus die Weltoffenheit und Modernität der Hansestadt präsentieren.
Der Reiz des Buches liegt in der gelungenen Symbiose aus Historie, Gegenwart und Zukunft. Es ist ein Genuss, dieses Buch in seiner hohen Qualität der Ausführung (vor allem Abbildungen und Papier) in den Händen zu halten. Und Brieglebs historische Darstellung ist in jedem Fall nicht nur für Fans der Elbphilharmonie lesenswert.
Der bisher alles dominierenden Architektur der Elbphilharmonie ein adäquates Konzertprogramm entgegenzustellen, stellt eine große Herausforderung für den Intendanten Christoph Lieben-Seutter dar. Gerne hätte man auch hierüber etwas erfahren. Aber von Musik – und darum geht es bei dem Bau eines
Konzerthauses – schreibt Till Briegleb leider nur am Rande. Hierfür ist es vermutlich noch zu früh.


