Theater und Internet
Autor: Julia Glesner
386 Seiten
Veröffentlichung: 2005
Verlag: transcript, Bielefeld
Einband: Paperback
ISBN: 3899423891
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Verlagstext
Untertitel: Zum Verhältnis von Kultur und Technologie im Übergang zum 21. Jahrhundert
Theater unter der »net_condition« findet ohne die physische Kopräsenz der Teilnehmer statt. Ausgehend von dieser These demonstriert Julia Glesner, wie Internet Performances als Agens und Beispiel kultureller Transformationen die »Exzentrizität des Menschen« (Plessner) unter den Bedingungen des Internets inszenieren und damit körperliche Erfahrungen ermöglichen, die sich mit der Ambivalenz des Technischen produktiv auseinander setzen.
Mit »Theater und Internet« liegt die erste Veröffentlichung vor, die theatrale Produktionen im Internet untersucht. Die Autorin schließt dabei sowohl textbasierte Internet Performances als auch Internet Performances auf Basis visuell und auditiv übertragender Technologien in ihre Überlegungen ein und entwickelt eine übergreifende Perspektive auf diese neue Form performativer Medienkunst. Neben einem Überblick über das Phänomen entwickelt die Arbeit methodisch-theoretische Parameter, die es ermöglichen, Internet Performances aus anthropologischer Perspektive als Konvergenzpunkt von Kultur und Technologie im beginnenden 21. Jahrhundert zu verstehen.
Julia Glesner (Dr. phil.) leitete von 2004-2006 die Öffentlichkeitsarbeit am Theater Erfurt. 2000-03 war sie Stipendiatin am Graduiertenkolleg der Hochschule für Gestaltung/ZKM in Karlsruhe. Inzwischen ist sie Leiterin der Stabsstelle Kommunikation und Pressesprecherin bei der Klassik Stiftung Weimar.
Rezension:
von Nicola von Greyerz, Korrespondentin, Bern
Unsere Gesellschaft wird zunehmend von technologischen Entwicklungen und Parametern bestimmt. Technisierung, Informalisierung und Globalisierung sind nur einige der Schlagworte in diesem Zusammenhang und die Bewertungen von deren Einfluss ist sehr ambivalent. Internet Performances haben alle gemeinsam, dass sich die Teilnehmer während eines klar definierten Zeitraumes räumlich getrennt über verschiedene Dienste des Internets in einem theatralen Kontext miteinander verbinden. Aus kulturgeschichtlicher Perspektive können sie als Konvergenzpunkt von Kultur und Technologie und als neue Traditionslinie für kulturelle Ausdrucksform der Netzwerkgesellschaft des 21. Jahrhunderts angesehen werden. Es sind kulturelle Antworten auf gesellschaftliche Veränderungen.
Bereits in den frühen 90er Jahren finden erste theatrale Aufführungen im Internet statt. Schon vor der Einführung der graphischen Anwenderoberfläche World Wide Web haben Theaterleute Dienste des Internet für Theaterproduktionen eingesetzt, in denen die vertraute physische Ko-Präsenz von Darstellern und Zuschauern durch den Einsatz telematischer Medien (u.a. Videokonferenz-Technologien, web cams etc.) aufgelöst wird. Mit »Theater und Internet« von Julia Glesner liegt die erste Veröffentlichung vor, die solche theatralen Produktionen im Internet untersucht und schliesst dadurch eine wichtige Forschungslücke.
Glesner ist sehr darum bemüht, Theoriebildung stets mit konkreten Werkanalysen zu verbinden. Aber dennoch bleibt es eine vor allem in den kulturtheoretischen Überlegungen höchst interessante aber dennoch sehr akademische Arbeit. Das kommt wohl auch daher, dass ein Buch ein denkbar undankbares Medium für einen solchen Untersuchungsgegenstand ist. Viel attraktiver und benutzerfreundlicher wäre wohl eine CD Rom oder DVD gewesen, die die beschriebenen Performances auch direkt erfahr- und erlebbar gemacht hätten. Denn auch das Anwählen der angegebenen Websites ermöglicht nur bedingt ein direktes Erleben einer Internet-Performance.

