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7. September 2008

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Kulturmanagement der Zukunft


Autor: Verena Lewinski, Stefan Lüddemann
342 Seiten
Veröffentlichung: April 2008
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Einband: Broschur
ISBN: 3531155539
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Verlagstext

Das Buch versteht sich als Drehscheibe einer neu entfachten Debatte um Zustand und Perspektiven des Kulturmanagements und soll eine doppelte Aufgabe erfüllen: Es werden Beiträge versammelt, mit denen die theoretische Reflexion um eine Disziplin neu in Gang gesetzt werden soll, die derzeit Gefahr läuft, sich in einer praktischen Anwendung aufzulösen. Darüberhinaus beinhaltet das Buch perspektivische Beiträge für gegenwärtige oder künftige Praxisfelder des Kulturmanagements.

Rezension:

Rezension von Dirk Heinze, Chefredakteur


Um nichts weniger als die Zukunft des Kulturmanagements geht es in der Neuerscheinung von Verena Lewinski-Reuter und Stefan Lüddemann. Der ambitionierte Titel macht sicher neugierig, ist doch jeder von uns daran interessiert zu erfahren, auf welche Entwicklungen und Veränderungen man sich als Kulturmanager einstellen sollte. Die Autoren haben dazu eine ganze Reihe Experten gewinnen können, die auf die unterschiedlichen Bereiche des Kulturmanagements in ihren Kapiteln eingehen. Hauptanliegen dieser Zusammenstellung ist es, den Anspruch zur eigenen Fachdisziplin zu untermauern, die nach Einschätzung von Lewinski-Reuter und Lüddemann Gefahr läuft, sich durch die zu starke Einengung auf organisatorisch-praktische Aspekte schlichtweg aufzulösen. Insofern steht dieses Ziel durchaus im Einklang mit den Absichten des jüngst gegründeten Fachverband Kulturmanagement. Innerhalb der Vielzahl von Publikationen, die vorrangig in den Verlagen transcript und VS veröffentlicht wurden, lässt sich aber auch ein Wettbewerb um Deutungshoheiten erkennen, was als Kulturmanagement verstanden wird, welche Aspekte in welcher Gewichtung eine Rolle spielen - seien es Themen wie Vermittlung, bürgerschaftliches Engagement oder Stadtentwicklung. Dieser Wettbewerb zumindest ist in jedem Fall für Studierende und Praktiker gut - solange die Verlage damit ausreichend Leser finden - können sie doch inzwischen auf eine Unmenge an Fachliteratur zugreifen.

Im vorliegenden Grundlagenband schränken die Herausgeber den geradezu hellseherischen Ausblick, wie denn ein Kulturmanagement der Zukunft aussehe, bereits am Anfang ein. Der Titel meine »nicht den Anspruch auf überlegenes Wissen, sondern steht für die Herausforderung zu neuem Nachdenken und damit auch zum Beschreiten ungewohnter Wege«. Im Gegensatz zu Armin Kleins Buch zum exzellenten Kulturbetrieb legt das Autorenteam hier aber kaum den Finger in die Wunde. Offenkundige Krisen in der öffentlichen Verwaltung, die Ungerechtigkeiten bei der Förderung oder das Fehlen von Leitbildern traditioneller Kultureinrichtungen - eine scharfe Pointierung ist nicht unbedingt Sache der Herausgeber. Nun muss nicht jedes Buch zum Zwecke des Wachrüttelns geschrieben werden. Dennoch hätte man sich eine kritischere Einordnung des derzeitigen Kulturbetriebs gewünscht. In jedem Fall haben beide Bücher die leicht verständliche, z.T. journalistische Sprache gemein. Eigenständigkeit erlangt das Buch darin, wie es Thesen in Form einer fachlichen Auseinandersetzung mit Erkenntnissen der Geisteswissenschaften begründet. Bestes Beispiel ist der herausragende Beitrag von Otto F. Bode. Er geht von der immer wieder genannten Problematik aus, dass Kulturmanager zwischen den Sphären Kultur und Management schnell heimatlos werden. Dankenswerterweise übernimmt Bode - in gewisser Weise stellvertretend für die folgenden Beiträge - eine systematische Begriffsklärung, die vielen Studierenden ans Herz gelegt sei. Bode scheut sich nicht, die z.T. schwierigen Kulturbegriffe und ökonomischen Theorien einander gegenüberzustellen. Dies führt u.a. zur Vorstellung eines modernen Betriebsbegriffs, der nicht nur privatwirtschaftliche Organisationen einschließt und damit für eine Betrachtung hier besonders hilfreich ist. Folgerichtig ermöglicht die Definitionsklärung später, die Legitimation einer eigenständigen Disziplin Kulturmanagement zu begründen.

Gerade am Anfang sowie später im Anhang neigen die Herausgeber dazu, eine Thomas-Heinze-Festschrift zu inszenieren. Zu offenkundig wird immer auf seine Thesen und Publikationen verwiesen. Überraschen kann das nicht, sind doch beide Herausgeber sowie die Mehrzahl der Autoren in irgendeiner Form - ob als Dozenten, Absolventen oder Verfasser von Studienbriefen - ihm und der FernUniversität Hagen verbunden. So skandalös auch die Schließung dieses Instituts war(möglicherweise hat man die besten Studiengänge dieser Weiterbildungsstätte eingestellt) - ein wenig mehr Abstand und die stärkere Einbeziehung anderer Literatur hätten gut getan. Wie viele andere Bücher ignoriert es zudem auch die Existenz jener Bestseller, die in englischer Sprache verfügbar sind. Man denke an die Kulturmanagement- Einführungen der amerikanischen (Willam B. Byrnes, Arts Extension Service), englischen (John Pick, Derrick Chong), holländischen (Giep Hagoort) oder australischen Schule (Jennifer Radbourne, Ruth Rentschler). Immerhin ist es in letzter Zeit gelungen, in Lehre und Forschung einen stärkeren Austausch mit den Kollegen aus der Schweiz und aus Österreich herzustellen.

Eines der Verdienste Thomas Heinzes ist es wiederum immer gewesen, Kulturmanagement als reflexive Disziplin zu verstehen, die ausreichend Schnittstellen zu anderen Wissenschaften und gesellschaftlichen Phänomenen aufbaut, um letztlich eine gesellschaftliche Relevanz des Fachs zu erreichen. Dies wird in diesem Band insbesondere in den Beiträgen von Lüddemann, Bode und Lewinski-Reuter deutlich. Möglicherweise wäre die Entscheidung besser gewesen, sich allein auf diese drei Autoren und ihre Ansätze zu beschränken, um mit ganzheitlichem Blick eine mögliche Zukunft des Kulturmanagements zu skizzieren. Mag auch der eine oder andere Leser dankbar für die Brückenschläge zum Museum, zu rechtlichen Fragen oder dem neuen Kulturunternehmertum sein - ein Mangel an solchen Teilbetrachtungen herrschte ja bisher eher selten. Insofern kann der Aufruf an die anderen Autoren nur heißen, ihre eigenen Themen zu umfassenderen Betrachtungen
auszubauen. Schließlich hätte ein Buch von Olaf Thelen zum Change Management im Theaterbetrieb durchaus das Zeug zum Bestseller, spätestens wenn der Bühnenverein es seinen Mitgliedern als Pflichtlektüre empfiehlt. Oder haben wir den Begriff Zukunft etwa falsch verstanden??

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