Künstler & Co. Mitarbeiterführung in Theatern, Orchestern und Museen
Autor: Walter B. Fischer
240 Seiten
Veröffentlichung: 2007
Verlag: Rüegger
Einband: Broschur
ISBN: 3725308837
Online bestellen
Verlagstext
Ob in Kulturinstituten, in der Kulturmanagementausbildung oder in der Kulturmanagementliteratur: Das Thema Mitarbeiterführung erhält oft nicht die Beachtung, die ihm eigentlich zusteht. Walter Boris Fischer will mit ®Künstler&Co.¯ diese Lücke schliessen. Das Buch charakterisiert zuerst die Kunstsparten Theater, Musik und Bildende Kunst, untersucht die Führungssituation in Theaterbetrieben, Orchestern und Museen und befasst sich mit den Grundprinzipien der Mitarbeiterführung. Als Anleitung für die Führungspraxis in künstlerischen, aber auch in technischen und administrativen Bereichen weist der Autor auf verschiedene Führungsfehler hin und leitet damit über zu den Anforderungen, die an Führungskräfte zu stellen sind. Von den Bedürfnissen der Mitarbeitenden ausgehend, beleuchtet er die Aufgaben des Führungsalltags und das Verhalten der Vorgesetzten in verschiedenen Führungssituationen. Erfahrungen der Praxis untermauern die theoretischen Erwägungen: Mündliche und schriftliche Befragungen bei ausübenden Künstlerinnen und Künstlern sowie bei Führungspersonen von Kulturinstituten haben wichtige Hinweise geliefert. ®Künstler&Co.¯ richtet sich an Führungskräfte in künstlerischen, technischen und administrativen Bereichen von Theatern, Orchestern und Museen. Das Buch zielt auf Verwaltungsräte und Vereinsvorstände von Trägerorganisationen, auf Kulturbeauftragte und Kulturjournalisten, und es richtet sich an politische Entscheidungsträger und Förderstiftungen, an Kulturkommissionen, Kulturmanager und Kulturmanagerinnen.
Rezension:
von Dirk Schütz, Kulturmanagement NetworkEs gibt Themenbereiche im Kulturmanagement, für die es wenig bis gar keine grundlegende fachspezifische Literatur gibt (was deren Stellenwert in der Lehre oder im Berufsalltag widerspiegelt), zu denen man sich dringend eine Publikation herbeisehnt. Und es gibt Themenbereiche, deren Vernachlässigung solch fundamentale Auswirkungen auf Organisationen haben, dass sie sich förmlich als Untersuchungsgegenstand aufdrängen und im Grunde genommen ein Mega-Thema sein müssten. Beides gilt für das Thema Mitarbeiterführung im Kulturbetrieb als wichtiger Bestandteil des Managements in der Kultur. Und dann kommt endlich ein Buch mit einem Titel heraus, hinter dem man zunächst gar nicht den Themenbereich »Mitarbeiterführung« vermutet und...
...es ist ein richtig gutes Grundlagenwerk, das auf die spezifischen Bedingungen des Kulturbereichs mit seinen Sparten eingeht.
Walter Boris Fischer hat wieder einmal das richtige Gespür bewiesen und ein Buch herausgebracht, dass es sich nicht nur zu lesen lohnt, sondern als Nachschlagewerk oder Reflexionshilfe immer wieder zur Hand genommen werden kann und in greifbarer Nähe stehen sollte. Dabei ist »Künstler & Co.« nicht nur für (angehende) Führungskräfte interessant. Relevant ist es auch für die »Geführten«, also Mitarbeiter und Künstler, die mehr über die Aufgaben einer Führungskraft wissen wollen oder denen klar geworden ist, dass man als Mitarbeiter seine Führungskraft unterstützen, wenn nicht sogar in fachlich schwierigen Dingen selbst führen muss.
Auf der Grundlage umfangreicher Interviews und Befragungen von Führungskräften und Mitarbeitern aus Theatern, Tanzcompagnien, Museen und Orchestern hat Fischer eine umfassende Darstellung der Grundlagen sowie aller Facetten und Aspekte von Führung übersichtlich und gut nachvollziehbar dargestellt und dies verbunden mit den Spezifika des künstlerischen Betriebes. Zudem geht der Autor ausführlich auf die Anforderungen an eine Führungskraft ein, was vor allem auch Lehrgängen bei der Konzeption spezifischer, den Anforderungen entsprechender Weiterbildungsmodule Hilfe sein könnte.
In der Einleitung geht Fischer noch einmal sehr ausführlich auf Begriffe wie Kunst und Kultur, die Spezifika des Kulturschaffens und des künstlerischen Arbeitens sowie der einzelnen Kunstsparten ein. Dies macht sicher Sinn für Leser, die neu im Kulturbereich sind oder wenige Erfahrungen im Kunst- und Kulturbetrieb gesammelt haben, um den Ausgangspunkt zu beleuchten, Grundlagen zu schaffen und den spezifischen Hintergrund für die Mitarbeiterführung noch einmal zu beleuchten. Der Rezensent schwankte daher beim Lesen zwischen dem Gefühl, die allgemeinen Bemerkungen dieses Abschnitts überblättern zu können und der Einsicht, hier doch noch einmal einen Überblick über künstlerische Prozesse zu erlangen, was dem weiteren Lesen doch ganz zuträglich war. Statistiken, Forschungsergebnisse, Beschreibungen der Besonderheiten und Verantwortlichkeiten einzelner Berufsgruppen etc. hätten diesen Abschnitt weiter anreichern können.
In den folgenden Kapiteln geht es jedoch ans Eingemachte, und hier versteht es Fischer, den großen Bogen zu schlagen von einer umfassenden Definition von Führung und Ihren Bestandteilen und Aspekten über die verschiedenen Ebenen von Führung (strategische, operative) bis hin zur detaillierten Erklärung der Bestandteile der Führungspraxis, der Anforderungen, Aufgaben und Instrumente. Viele Beispiele und Statements von Interview- und Gesprächspartnern bringen die Inhalte nah an die Wirklichkeit des Kulturbetriebs und leisten damit einen wichtigen Transfer für die Leserin und den Leser. Organigramme und Lesehilfen, Zusammenfassungen und hervorgehobene Beispiele erleichtern das Erfassen der Inhalte und helfen dem Lesenden. Klar werden die Besonderheiten und die Unterschiede der Führungsaufgaben für den künstlerischen und den technisch-administrativen Bereich herausgestellt. Hilfestellung erhält der Leser auch bei der Formulierung geeigneter Fragen an sich selbst und an seine Mitarbeiter, auch bei der Besetzung von neuen Stellen. Somit bietet das Buch eine hervorragende Grundlage zur (Selbst-)Reflexion und zur Weiterentwicklung der eigenen Kompetenzen als Führungspersönlichkeit und besseren Einschätzung des eigenen Arbeitsumfeldes.
Wünschenswerte Ergänzungen wären aus Sicht des Rezensenten, dass auf die unterschiedlichen Rollen und Rollenverständnisse (ob selbst gewählt oder aufoktroyiert) der Führungskräfte und deren Auswirkungen auf das Führungsverhalten sowie auf die Führungsaufgaben eingegangen wird. Zudem können Kommunikationsgrundlagen oder der Verweis auf entsprechende Literatur sowie Führungstechniken, -ansätze und -stile vertiefter behandelt werden. Checklisten für Mitarbeitergespräche würden ergänzend sinnvoll sein, auch wenn sich der Autor dagegen ausspricht, denn hier geht es eher darum, dem Lesenden eine Struktur für die Vorbereitung dieser schwierigen Gesprächssituationen zu geben, als eine genaue Anleitung für den Ablauf.
Insgesamt ist dieses Buch absolut empfehlenswert für jeden der Führungsverantwortung trägt oder bald tragen will. Zudem sollte es in keiner Bibliothek und auch als Unterrichtsmittel in keinem Studiengang, der sich mit Kulturmanagement beschäftigt, fehlen. Gerade beim Lesen des Buches wird klar, dass bei der heutigen Ausbildung im Kulturmanagement und auch in den aktuellen Diskussionen der wichtigste Aspekt von Management und Führung vergessen wird, der Umgang mit Emotionen und Kreativität von Menschen und die Führung von diesen.


