Muss es sein?: Leben im Quartett
Autor: Sonia Simmenauer
131 Seiten
Veröffentlichung: März 2008
Verlag: Berenberg
Einband: gebunden
ISBN: 3937834249
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Verlagstext
Alban-Berg-Quartett, Guarneri-Quartett, Hagen-Quartett, Vogeler-Quartett - berühmte Ensembles, denen Sonia Simmenauer ihr Leben als Konzertagentin widmet. Für die einen ist das Streichquartett die reinste Form der Musik, für andere ein ehrfürchtig beäugtes, abstraktes Gebilde. Dabei handelt es sich um vier Menschen, die Musik machen und, wenn sie das professionell tun, miteinander leben, arbeiten, reisen, auftreten, sich streiten und sich lieben - ein idealer Kampfplatz für Neurosen, Beziehungsprobleme und die Auseinandersetzung mit anspruchsvollster Musik. Sonia Simmenauers Buch ist eine berührende, sehr unterhaltsame Beschreibung dieser Lebensform -mit viel Musik und einigen der bedeutendsten und interessantesten »Quartettisten«, die zu Wort kommen.
Rezension:
Eine Rezension von Uta Petersen, Hamburg
Geradezu schicksalhaft geriet die Konzertagentin Sonia Simmenauer, heute 47 Jahre alt, gleich zu Beginn ihrer beruflichen Karriere an das Genre Streichquartett – und es ließ sie nicht mehr los. Von vielen Zweiflern belächelt begann sie 1989 ihr Impresariat aufzubauen, mit grandiosem Startkapital: dem Alban Berg Quartett, dem Guarneri Quartett, Tokyo String Quartett und dem Cleveland Quartett.
Streichquartette – das ist bekannt – sind eine besondere Spezies innerhalb der klassischen Musikszene. Sie haben ein hochintellektuelles, nicht sehr spektakuläres Image und sind in der Regel umgeben von einem eher überschaubarem, sehr sach- und fachkundigem »50plus« -Publikum, das meist sogar selbst musikalisch aktiv ist.
Zwei Geigen, eine Bratsche und ein Cello (bei den einzelnen Quartettmusikern handelt es sich größtenteils um hochkarätige Solisten, jeder auf seinem Instrument) sind eine höchst sensible Konstellation, deren Führung durch die Konzertsäle der Welt ein ebensolches Management erfordert: Ausgeprägtes Fingerspitzengefühl und das Wissen um das Verbindende und Trennende zwischen diesen Musikern. Ein Quartett ist, anders als ein Orchester, das zusammenkommt und dann wieder auseinander geht, eine Art Lebensgemeinschaft von vier Künstlerpersönlichkeiten, vier Temperamenten, die aus freier Entscheidung für das musikalische Miteinander glühen und sich in dieser Formation wie in einem Zuhause, einer Ehe ähnlich aufgehoben fühlen. Ein Entschluss, der kaum wieder zurückgenommen werden kann, noch weniger, wenn ein Quartett erst einmal Berühmtheit erlangt hat.
Konzertagenten sind gewöhnlich auf das Engste mit den von ihnen vertretenen Künstlern befasst, begleiten die Arbeitsprozesse, nehmen Einfluss auf die Werkauswahl, organisieren u.a. Termine, Konzertsäle, Programmhefte, schließen Verträge, regeln Honorare, sorgen für Interviews und Fototermine, sind die Nahtstelle zwischen Künstlern und Veranstaltern draußen vor Ort. Bevor aber vier Instrumente aus der gleichen Familie durch vier leidenschaftlich miteinander musizierenden Menschen auf der Bühne »sich zu einem einzigen Instrument vereinen (Zitat Bernard Fournier),« geht es für einen Streichquartettagenten richtig rund: Nahezu alle Entscheidungen – ob die Programmauswahl, die Wahl der Bühnenkleidung, die Reiseentfernung oder die Lage der Hotelzimmer – müssen von jedem der vier Musiker getragen werden können. Jeder Kompromiss birgt die Gefahr, ihnen etwas von der künstlerischen Energie zu rauben – für einen Agenten ein Höchstmaß an Einfühlungsvermögen und Menschenkenntnis, das geradezu psychologische Fähigkeiten erfordert.
Sonia Simmenauer hat sich auf das hochkomplizierte künstlerische Gebilde »Lebensform Quartett« eingelassen. Sie brennt für ihre Viererformationen, lebt, fühlt, plant, leidet und freut sich mit ihnen. Lebendig beschreibt sie die Ziele und Schwierigkeiten ihrer Arbeit, sieht einen tiefen Sinn in dem, was sie tut. Die Frage »Muss es sein«, die Beethoven im letzten Satz seines letzten Streichquartettes Nr. 16 op. 135 stellt, mögen sich auch Sonia Simmenauer und die ihr anvertrauten Musiker in den vergangene Jahren oft gestellt haben. Immer hieß die Antwort: Es muss sein!
Was zunächst wie ein sehr persönlicher, unprätentiöser Rückblick auf insgesamt 25 Jahre erfolgreiche Arbeit einer Konzertagentin für Streichquartette anmutet, ist in Wahrheit auch eine präzise, einfühlsame und umfassende Analyse des gesellschaftlichen Mikrokosmos Streichquartett – und darüber hinaus zu einer feinfühligen, ultimativen Gebrauchsanleitung für die Arbeit mit Streichquartetten geraten.
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