18.06.2013

Autor*in

Michaela von Trauchburg
Aufbau eines Theater-Festivals

Theatersommer in Österreich

Seit vier Jahren ist der THEATER SOMMER KLAGENFURT erfolgreich. Wir sprachen mit Kulturmanager Robert Saringer über das etwas andere Sommertheater in Kärnten, das heuer am 20. Juni startet.
KMN: Sommertheater und Freiluftbühnen gibt es viele in ganz Österreich, warum haben Sie sich entschieden, ein weiteres Sommertheater ins Leben zu rufen?

Robert Saringer: Wir haben uns natürlich Gedanken darüber gemacht, ob es Sinn macht, ein Sommertheater auf die Beine zu stellen. Aber Kärnten ist nicht Niederösterreich, wo es in beinahe jedem kleinen Dorf eine Freiluftbühne gibt. In Kärnten sind die Sommertheater rar gesät und gerade in Klagenfurt gibt es nichts vergleichbares und das Stadttheater hat Sommerpause. Wir haben Klagenfurt sehr bewusst als Standort gewählt. Die Stadt hat ein großes Einzugsgebiet und es gibt viel Tourismus in der Region. Mit unserem Programm sprechen wir Einheimische und Urlaubsgäste an.

KMN:
Was unterscheidet den THEATER SOMMER KLAGENFURT von anderen Sommertheatern?

Robert Saringer:
Grundsätzlich unterscheidet uns die Herangehensweise. Wir wollten unsere Ideen verwirklichen und haben ein Jahr intensiv an der Verwirklichung gearbeitet. Es geht uns vor allem darum, unsere Ansprüche zu erfüllen.

KMN: Was sind genau Ihre Ansprüche?

Robert Saringer:
Wir orientieren uns danach, was wir selbst sehen und erleben möchten. Also keine klassischen Komödien, sondern etwas Neues, Frisches. Wir mischen in unseren Stücken immer Themen aus Theater und Film und bringen sie völlig aus der Fassung. Wir arbeiten mit einem kleinen Ensemble, das in viele Rollen schlüpft und zwei Stunden richtig Vollgas gibt. Unser Publikum weiß das zu schätzen und die gute Stimmung schwappt über. So hat jeder Spaß daran.

KMN:
Ihr neues Stück heißt Kannibale und Diebe, erinnert an Schiller und ist eine Fusion aus einem Nestroy- und Shakespeare-Stück. Was darf man sich erwarten?

Robert Saringer:
Hauptstück ist Häuptling Abendwind von Nestroy. Es wird vermischt mit ein bisschen Sturm von Shakespeare, ganz vielen unserer eigenen Ideen und gewürzt mit Lokalkolorit. Geschrieben hat das Stück Autorin Isabella Feimer.

KMN:
Mittlerweile sind Sie ja berühmt für Ihre Ideen und vier Jahre im Sommertheater-Geschäft erfolgreich. Welchen Herausforderungen mussten Sie sich am Anfang als Kulturmanager stellen?

Robert Saringer:
Wir haben sehr viel recherchiert, überlegt und uns war immer klar, dass wir ein durchdachtes Konzept haben müssen, um erfolgreich zu sein. Deshalb haben wir uns für die Vorbereitungen ein Jahr lang Zeit genommen. Es war schon ein Sprung ins kalte Wasser aber wir haben uns angewöhnt, einzelne Bereiche step by step zu professionalisieren. Dabei hat uns die Weiterbildung am Institut für Kulturkonzepte sehr geholfen. Ich habe den Zertifikatskurs Kulturmanagement absolviert und mein Geschäftspartner Wilhelm Prainsack den Universitätslehrgang Kultur & Organisation.
Manche Dinge bleiben jedes Jahr gleich und werden zu einer Art Routine, andere verändern sich. Unsere Produktionen werden von Jahr zu Jahr größer und aufwendiger. Wir lernen natürlich ständig dazu und stehen stets vor neuen Herausforderungen.

KMN: Ihre Hauptdarsteller werben oben ohne für ein neues Bühnenoutfit auf der Crowdfunding-Plattform startnext. Eigentlich wollte ich Sie fragen, ob wir nackte Männer auf der Bühne erwarten dürfen, aber Sie haben ihr Ziel schon vor der Ablauffrist des Projekts erreicht.
 
Robert Saringer: (lacht) Nein, nackte Männer wird es keine geben.

KMN: Worauf kommt es bei der Präsentation auf der Crowdfunding-Plattform Ihrer Meinung nach an?

Robert Saringer:
Ich glaube, es kommt auf die Vermittlung an. Wenn man wirklich ehrlich ist, hat man vermutlich die besten Chancen. Dabei geht es meiner Meinung nach nicht so sehr um aufwändige high tech-Videos zur Präsentation des Projekts. Man muss in kurzer Zeit eine Geschichte erzählen und die Leute emotional erreichen, damit sie Teil des Projekts werden möchten. Außerdem finde ich, dass man den Unterstützern einen echten Gegenwert anbieten muss.

KMN:
Was bekommen denn Ihre Unterstützer?

Robert Saringer:
Beispielsweise die Original-Kostümentwürfe, die Texthefte der Schauspieler, ein Überraschungspaket, wo der Unterstützer kurz in das Stück eingebaut wird oder die Kannibalen-Grillerei, bei der man nach der Aufführung mit 10 Personen und uns gemeinsam grillt und feiert, passend zum Stück.

KMN: Gab es etwas, dass Sie beim Umgang mit Crowdfunding überrascht hat?

Robert Saringer: Ganz ehrlich gesagt habe ich damit gerechnet, dass wir unser Projekt so schnell finanziert bekommen. Wir mussten die Geschichte ja unter die Leute bringen. Die erste Schwelle haben wir relativ rasch geschafft und unsere Message hauptsächlich über facebook und twitter verbreitet und unser eigenes Netzwerk motiviert. Dann gab es einen großen Artikel in der Kleinen Zeitung über das Projekt. Wir sind drangeblieben und haben die Leute ständig über den Verlauf informiert, das hat super funktioniert.
Wirklich überrascht hat mich aber der bürokratische Aufwand. Ich dachte wir stellen unser Video online und dann läuft es. Die Plattform überprüft und verifiziert sehr genau, und mit zwei bis drei Wochen Anlaufzeit muss man schon rechnen, das war mir vorher nicht bewusst.

Der THEATER SOMMER KLAGENFURT startet sein Programm am 20.06.2013

Links:
www.theatersommerklagenfurt.at
theatersommer.wordpress.com
www.facebook.com/theatersommerklagenfurt
 
Der Treffpunkt Kulturmanagement findet 1 x monatilich an einem Mittwoch statt. Die kostenfreie Webinar-Reihe vernetzt und informiert Interessierte.
Der nächste Treffpunkt findet am 26.06.2013 um 09.00 Uhr statt.
Thema: Online-Werbung mit Google AdWords
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