11.04.2007

Autor*in

Veronika Schuster
ist ausgebildete Kunsthistorikerin und Kulturmanagerin. Sie hat mehr als 10 Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Co-Kuratorin für verschiedene Ausstellungsprojekte und Kultureinrichtungen (u.a. Museum Georg Schäfer, Klassik Stiftung Weimar, Marion Ermer Stiftung) gearbeitet. Nebenbei arbeitet sie als Lektorin und Projektleiterin für unterschiedliche Publikationsformate.
Best Practice

Das Hamburger Projekt sculpture@CityNord

Kunst als Katalysator für eine nachhaltige Standortentwicklung - Ende der 50er Jahre nahm die Hansestadt Hamburg, um den wachsenden Bedarf an Büroflächen gerecht zu werden, eines der damals größten städtebaulichen Projekte Europas in Angriff: die Bürostadt City Nord.
Es galt in Stadtnähe attraktive Büroräume unter optimalen Bedingungen für die Großkonzerne der Stadt zu schaffen. Heute befinden sich in der City Nord an die 300 Unternehmen mit rund 28.000 Beschäftigten. Dem Bild eines stadtplanerischen Unikats der 60er und 70er Jahre mit Gebäuden, die in die internationale Baugeschichte eingingen, folgte allerdings in den 90er Jahren bedingt durch neue Arbeitsabläufe und deren Bedürfnisse" der Ruf einer monopolisierten Bürowelt, die gegen Leerstand und geringe Arbeitsqualität ankämpfen muss.

Im vergangenen Jahr, von Mai bis September, gastierte im Park der City Nord die Freilichtausstellung sculpture@CityNord, mit der sich das Bild der Bürostadt in der öffentlichen Wahrnehmung deutlich geändert hat. Ziel der Ausstellung war es, zum einen die Mitarbeiter zu erreichen und ihre City Nord einmal mit anderen Augen wahrzunehmen. Und andererseits Menschen von außen, ob das Touristen oder Hamburger Bürger sind, in die City Nord zu locken und diesen zu zeigen, dass es sich bei dieser Bürostadt nicht nur um Betonburgen handelt., so Uwe Mohrmann, Geschäftsführer der Grundeigentümer- Interessengemeinschaft City Nord GmbH (GIG), die zusammen mit dem Ideengeber, dem Galeristen Peter Borchardt, und Rik Reinking als Kurator das Projekt durchgeführt hat. Zu Gast waren 30 junge Hamburger sowie etablierte Künstler mit temporären Arbeiten, die fast alle explizit für die City Nord angefertigt worden waren. Das Projekt wurde durch zahlreiche Angebote wie Führungen, Künstlergespräche, Musikveranstaltungen, einem Symposium und einer eigenen Zeitung begleitet. Der Erfolg spricht für sich: Es kamen nicht nur tausende Einzelbesucher in die City Nord, sondern auch Schulklassen, Kindergärten, die Fachwelt und andere Künstler. Es konnte auf ungewöhnliche Weise gezeigt werden, wo und wie Kunst an einem außergewöhnlichen Ort machbar ist, sagt Mohrmann.

Das Projekt finanzierte sich ausschließlich durch private Mittel und wurde durch die große private Initiative der Künstler ermöglicht. Die bereits spürbare Nachhaltigkeit des Projekts wird aktuell durch mehrere Studien analysiert.

Die GIG hat sich im Jahr 2000 zusammengeschlossen mit dem Ziel das Image der City zu verbessern und für die Mitarbeiter vor Ort ein angenehmeres Arbeitsumfeld zu schaffen. Neben Kunst im öffentlichen Raum, bestimmen Bausteine wie Kinderbetreuung und Sportveranstaltungen das Konzept der GIG. Zudem konnte die GIG 2002 verhindern, dass die City Nord als Gesamtensemble unter Denkmalschutz gestellt und so der Weg für weitere Entwicklungen und notwendige Modernisierungen verstellt wird.

sculpture@CityNord soll 2008 eine Neuauflage erfahren und wird wieder mit Rik Reinking als Kurator stattfinden. Das Konzept ist in der Vorbereitung und wird eine Brücke in die Innenstadt schlagen. Die City Nord soll nicht mehr als Büroinsel sondern als Teil der Stadt Hamburg wahrgenommen werden. Das Hamburger Projekt kann nicht nur anderen deutschen Büroghettos als Vorbild dienen, sondern auch einen Impuls für die Kunst im öffentlichen Raum geben.
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