20.03.2015

Autor*in

Teresa Brunnmüller
Best Practice

Moving FORWART mit einem studentischen Unternehmen

Erste Kontakte in die Berufswelt schon während des Studiums sind unerlässlich, um im Kulturbereich erfolgreich zu sein. Die Studierenden des Masterstudiengangs Kultur- und Musikmanagement der Hochschule für Musik und Theater München erhalten mit dem studentischen Unternehmen FORWART genau diese Chance. Die Bereiche Künstleragentur und Kulturprojekte fungieren hier vereint als Schnittstelle, in denen Gelerntes in der Praxis umgesetzt wird. Doch wie vorwärts gerichtet ist ein solches Praxisprojekt in Hinblick auf kulturmanageriale Fragen und den Marktwert der Studierenden?
Maßgeblich für den Erfolg ist bei Kulturmanagern die Kombination aus Theorie und Praxis. Im Berufsalltag haben sie mit individuellen Präferenzen, mitunter schwierigen Menschen und Rahmenbedingungen, unterschiedlichen Vorstellungen von Kunst und Kultur oder zusammengewürfelten Mitarbeiterstrukturen zu tun. Neben dem theoretischen Wissen zu Kulturpolitik, Musikvermittlung oder Kulturfinanzierung ist es daher unbedingt notwendig, dass angehende Kulturmanager bereits im Studium lernen, zu verhandeln, zu führen und zu delegieren, Interessen mehrerer Parteien zu vereinen oder diplomatisches Geschick walten zu lassen.

Um diese Brücke von Theorie und Praxis zu schlagen, wurde das studentische Unternehmen FORWART im Mai 2011 von Studierenden des Masterstudiengangs Kultur- und Musikmanagement gegründet und als Praxisprojekt im Studienplan verankert. Von Beginn an waren die Studierenden neben der Gestaltung der Corporate Identity auch mit der strategischen Ausrichtung der beiden Geschäftsbereiche betraut. Neben der Künstleragentur widmet sich FORWART Projekt-Kooperationen mit etablierten Kulturbetrieben. Das studentische Unternehmen wird pro Semester von zwei Geschäftsführern geleitet und von Teams für die Themen Marketing, Controlling und Akquise unterstützt.

In der FORWART Künstleragentur werden Solisten und Ensembles der Hochschule für Musik und Theater München an interessierte potentielle Veranstalter vermittelt. Durch diese Tätigkeit können theoretische Studieninhalte, beispielsweise zu Mehrwertsteuer, Künstlersozialkasse oder Vertragsrecht, in der Praxis angewendet werden. Das macht den Lerneffekt eindrücklicher und nachhaltiger. Die Bandbreite der Veranstalter ist groß sie reicht von übervorsichtigen Kunden, die ein Jahr im Voraus den Auftritt vertraglich geregelt haben möchten, bis zu spontanen Anfragen, für die passende Musiker über Nacht gefunden werden müssen.

Die zweite Sparte von FORWART ist der Bereich Kulturprojekte, in dem kleine Teams von drei bis vier Studierenden für etablierte Institutionen und Unternehmen der Kulturbranche arbeiten. Die Akquisition der Projekte liegt in der Hand der Studierenden. Nachdem abgefragt wurde, für welche Tätigkeitsbereiche und Projektpartner sich die Kommilitonen interessieren, spricht das Akquise-Team potentielle Auftraggeber an. Hinzu kommen immer auch Anfragen von externen Projektpartnern, die eine Zusammenarbeit mit FORWART wünschen. Schließlich gibt es in der Regel zwischen fünf und zehn Projekte, aus denen die Studierenden je nach Größe des Jahrgangs drei bis vier für das kommende Semesters auswählen. Dabei ist die Arbeit für die Auftraggeber nicht unentgeltlich. Das eingenommene Geld kommt dem Studiengang und damit der Ausbildung zu Gute. Über die Einnahmen werden Gastdozenten eingeladen, Exkursionen finanziert und in die weitere Entwicklung von FORWART investiert.

Zu den Beispielen für Kulturprojekte, an denen die Agentur beteiligt war, gehören etwa Marketingmaßnahmen für das Sonderprogramms Cityworks des Spielart-Festival 2013, Besucherbefragungen für das Festival Dialoge der Stiftung Mozarteum Salzburg oder das Erarbeiten von Vermittlungskonzepten für einen Oberstufenkurs des Münchner Kammerorchesters an einem örtlichen Gymnasium, der die Konzerteinführung eines Abonnementkonzerts gestalten sollte. Dieses Dienstleistungsportfolios von FORWART für die Kulturbranche bietet den Studierenden eine gute Möglichkeit, Kulturbetriebe kennenzulernen, einen Fuß in die Tür zu bekommen und Einblicke in interne Strukturen zu erhalten. Für die Projektpartner ist von Vorteil, dass sich die Studierenden flexibel an den Bedürfnissen der Institutionen orientieren und auf die spezifische Aufgabenstellung konzentrieren. Mit einer frischen Sicht auf die Dinge und vor dem Hintergrund neuer Forschungserkenntnisse präsentieren sie neue Lösungen und mutige Ideen. Zudem werden die professionellen Ergebnisse für die Kunden gesteigert, indem die Teams regelmäßige von unterschiedliche Dozenten zu inhaltlichen und arbeitsorganisatorischen Themen gecoacht werden.

Die Anforderung, mit FORWART die Praxis bereits in den Studienalltag zu integrieren, bedeutet konkret, dass neben regulären Lehrveranstaltungen und Studienleistungen sowie dem Nebenjob zusätzlich Meetings mit Projektpartnern zu koordinieren und vorzubereiten sind, regelmäßig E-Mails von interessierten Veranstaltern beantwortet werden müssen, Bewerbungen von Musikern für die Künstleragentur zu bearbeiten und Veranstalter zu überzeugen sind, dass ein kleines Taschengeld keine anständige Gage für erstklassige Musiker einer Hochschule ist.

Neben der Arbeit mit bestehenden Partnern und Kunden darf auch das Unternehmen selbst nicht zu kurz kommen, was bedeutet, dass Homepage und Facebook-Auftritt weiterentwickelt und aktualisiert, Kundenbindungsmaßnahmen und Marketingaktivitäten durchgeführt, Verträge überarbeitet, Mitarbeiter motiviert und Ziele in der Balanced Scorecard festgelegt werden. Schlussendlich bedeutet Praxiserfahrung für die beiden studentischen Geschäftsführer, ein Auge auf sämtliche parallel ablaufenden Aufgaben zu haben, sie zu strukturieren, zu delegieren und sich auf diese Weise in Leadership und Konfliktlösungen auszuprobieren. Dass Veranstalter und Kooperationspartner bares Geld für Vermittlung und Beratungsdienstleistung an FORWART zahlen, stärkt das Bewusstsein für die Verantwortung. Gefällte Entscheidungen haben unmittelbare Auswirkungen und Fehler können nicht ungeschehen gemacht werden.

Die unterschiedlichen Aufgaben halten zu strukturiertem und zielgerichtetem Handeln an und fordern in ihrer Breite gleichzeitig dazu auf, sich zu fragen, wohin ein jeder der Studierenden mit dem erworbenen Wissen streben will. Eine Befragung der Absolventen hat gezeigt, dass bei FORWART erlernte Eigenschaften beim Einstieg in den Arbeitsmarkt hilfreich waren. Die Geschäftsführer haben hierbei den höchsten Lernerfolg und werden auch auf diese Tätigkeit angesprochen. Egal ob es die Studierenden später erneut in eine Agentur zieht, ob sie eine Intendantenposition anstreben, KBB-Leiter oder Sponsoring-Mitarbeiter werden es hängt von jedem Einzelnen ab, mit welcher Ernsthaftigkeit das Engagement für FORWART verfolgt wird und ob sie die sich bietenden Chancen und Gelegenheiten für sich selbst zu nutzen wissen. Moving forward? Das liegt ganz in unserer Hand.
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