14.09.2016

Autor*in

Martin Lücke
Martin Lücke ist Professor für Musik- und Kulturmanagement an der Hochschule Macromedia in Berlin. Zudem veröffentlicht er regelmäßig Fachpublikation und texte mit Schwerpunkten im Bereich der akademischen Ausbildung und der Erforschung von (Populärer) Musik und Musikwirtschaft sowie neuen Formen der (Kultur-)Finanzierung.
Buchrezension

Der Rhythmus der Innovation. Was Manager und Unternehmen von Jazzern und anderen Künstlern lernen können

Projektmanagement-Tools und -Ansätze erleben eine Blüte im Kulturmanagement. Dies verwundert nicht, basiert doch die Arbeit im Kulturbetrieb immer seltener auf langfristiger Planbarkeit. Doch selbst im agilsten Projektmanagement bleiben Freiräume für Kreativität und Spontanität oft auf der Strecke, obwohl sie unverzichtbar für innovative künstlerische Ansätze sind. Bei diesem Widerspruch setzt das Buch Der Rhythmus der Innovation von Roland Geschwill an und zeigt, wie große Tanker und kurzfristige Projekte inspirierende Freiheit und gute Planung vereinbaren können.
 
Normalerweise sollen Fachbücher ausübenden Künstlern und anderen Kulturschaffenden zeigen, wie sie ihre Kunst weiter professionalisieren, sich besser auf einem schwieriger werdenden Markt behaupten oder aus unterschiedlichen Quellen Geld akquirieren können. Bei Geschwills Publikation von 2015 überrascht in dieser Hinsicht schon der Titel: Der Rhythmus der Innovation klingt interessant, vor allem in Kombination mit dem Untertitel: Was Manager von Jazzern lernen können. Manager sollen etwas von Jazzern lernen? Von genau der Künstlergruppe, die sich, und dies belegen alle vorhandenen Studien, finanziell am schlechtesten stellt und in großer Mehrheit in prekären Verhältnissen lebt? Nun, zumindest verführt der Untertitel dazu, dieses Buch mit großer Neugierde und ebensolcher Erwartung zu lesen.
 
Planbarkeit vs. Kreativität
 
Der Diplom-Psychologe Dr. Roland Geschwill ist Mitbegründer der Denkwerkstatt für Manager. Aus seiner Erfahrung als Berater und ehrenamtlich tätiger Kulturmanager entwickelte er den Kern des Buches: die Diskrepanz zwischen der Planbarkeit, die mit Management gleichgesetzt wird, und improvisierter Kreativität, in diesem Fall von Künstlern. Sein Buch beginnt mit einem Blick auf die Managementansätze des 20. Jahrhunderts, die versuchten zu suggerieren, dass alles vor allem Projekte im Vorfeld bis ins Kleinste zu planen seien. Dabei weiß jeder, dass am Ende bei fast jedem Projekt oder Auftrag improvisiert werden muss, weil entweder die Zeit oder das Geld oder beides knapp wird oder Planungen aus verschiedensten Gründen nicht funktionieren. Genau hier setzte Geschwill im zweiten Teil anhand neuer Managementansätze an. Auch Kreative planen, aber anders als Manager. Im dritten Kapitel zeigt er, dass bei ihnen die Planung selten zahlengesteuert sei, sondern von Beginn an ein gesundes Maß an Chaos und Improvisation mit ein schließt.
 
Kunst und Managementpraxis
 
In den letzten beiden Teilen des Buches geht es dem Autor schließlich darum, das Verhältnis von Kunst und Managementpraxis neu zu formulieren und zwar als eine Kopplung, die sich aufeinander bezieht. Denn gerade in größeren Kultureinrichtungen, so zeigt Geschwill richtig, versuchen die Kulturmanager zwar, die bestmöglichen Rahmenbedingungen für die Künstler zu schaffen. Doch es gibt umgekehrt nur wenig Input an künstlerischen und kreativen Arbeitsweisen ins Management und dies obwohl seit Jahren auch in den Verwaltungs- und Führungsebenen innovatives Denken und neue Ansätze notwendig sind.
 
Das Buch entpuppt sich als Lektüre, die sich eher an klassische Manager denn an Künstler / Kulturmanager richtet, und so überrascht es nicht, dass Geschwill in seiner leicht lesbaren Publikation ausführlich auf die Kultur- und Kreativwirtschaft verweist. Dieser oftmals noch immer unterschätzte Wirtschaftsbereich ist in seinem Kern von Kreativen geprägt, die sich und/ oder ihr Unternehmen managen müssen.
 
Doch schaut man in deutsche Kultureinrichtungen, spürt man auch dort nur wenig von jenem innovativen Geist, den die Kreativwirtschaft versprüht. Wenn Geschwill neue Kooperationen fordert, sollte sich deshalb auch die Kultur selbst angesprochen fühlen, um Innovation und Kreativität bei Mitarbeitern und Managern zu fördern. Damit bietet Der Rhythmus der Innovation auch Kulturmanagern interessante Anhaltspunkte, wie und auf welchen Ebenen das spezifische Können der kreativen Klasse genutzt werden kann.
 
Fazit
 
Das Nebeneinander von Managern und Kreativen sollte aufgelöst werden, aber nicht nur die Künstler von den Managern lernen, sondern ebenso andersherum, und diese Perspektive ist bislang oftmals noch ausgespart worden. Darüber hinaus ist Geschwills Buch ein guter Ansatzpunkt, über die genannten Punkte wissenschaftlich intensiver zu forschen eine Lücke, die geschlossen gehört.

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