06.05.2015

Autor*in

Eva Göbel
verantwortet die Drittmittelakquise für den städtischen Eigenbetrieb „JenaKultur“. Zuvor arbeitete sie als Kulturmanagerin u.a. für die IBA Thüringen, als Redakteurin und Journalistin, unter anderem bei Kultur Management Network. Sie studierte Literatur, Kunst und Kultur in Göttingen, Paris und Jena.
Buchrezension

Fördertöpfe für Vereine, selbstorganisierte Projekte und politische Initiativen

Wer sich in einem Verein, für ein kulturelles Projekt oder eine Initiative engagiert, kennt die bittere Wahrheit hinter der Binsenweisheit Ohne Moos nichts los. Auch wenn die Idee gut ist, man sich ehrenamtlich engagiert und die Kooperationspartner das Projekt wichtig finden irgendwie muss das Ganze finanziert werden. Stiftungen sind dabei ein wichtiger Ansprechpartner, aber es gibt auch andere Möglichkeiten.
 
Stiftungen gibt es in Deutschland genug, rund 19 000 sind es an der Zahl. Die Broschüre Fördertöpfe für Vereine, selbstorganisierte Projekte und politische Initiativen soll Orientierung in diesem Stiftungsdschungel bieten. Das Buch erschien 2014 in 12. Auflage (!) und wurde vom Autorenteam Katja Grabert und Andreas Nowak vollständig überarbeitet und um 60 neu recherchierte Förderquellen erweitert.
Insgesamt präsentiert die Broschüre eine Auswahl von 330 Stiftungen, die auf das Profil der im Titel genannten Organisationsformen Vereine, selbstorganisierte Projekte und politische Initiativen passen. Bei der erfolgreichen Suche soll ein vom Autorenteam selbst zusammengestelltes Schlagwortregister helfen. Neben den allgemein üblichen Daten, wie Anschrift und Förderzweck, finden die LeserInnen auch Informationen zu den Antragsbedingungen der jeweiligen Stiftung.
Der erste Teil des Buchs besteht aus einem Anleitungsfaden, der den LeserInnen die Anwendung des Stiftungsfinders erklärt. Dieser bietet Hintergrundinformationen, nach welchen Grundprinzipien Stiftungen fördern. Das Autorenteam zeigt auf, dass Stiftungsgründungen in den letzten Jahren einen regelrechten Boom erlebten, und liefert zu dieser Entwicklung nachvollziehbare Erklärungen. Für die Leserschaft ist es interessant, zu erfahren, dass Stiftungen nicht nur nach altruistischen Motiven handeln, sondern meist Eigenmotivationen mit ihrer Förderung verbinden. Befinden sich Unternehmen in Stiftungshand, können sie beispielsweise von steuerlichen Vorteilen und einem gesteigerten öffentlichen Ansehen ihrer Marke profitieren. Zudem informiert das Buch darüber, wie ein Antrag aufgestellt sein muss, damit die Chance auf eine Förderung steigt denn auch hier ist die Konkurrenz um die Mittel groß. Empfehlungen für weiterführende Literatur und Internet-Seiten ergänzen den theoretischen Teil des Buchs. Im zweiten Teil des Buchs folgen das alphabetische Stiftungsverzeichnis und das Schlagwortregister.
Geradezu erschlagend ist die Auflistung der Internetseiten, die eine Übersicht über die deutsche Stiftungslandschaft bietet. Insgesamt sind es rund 70 Links, die auf Websites zur Stiftungsrecherche verweisen. Einerseits entsteht hier der Eindruck, dass die Rechercheergebnisse im Internet vermutlich vielfältiger und umfangreicher sind, als es die recht schmale Broschüre mit ihrem 170 Seiten umfassenden Stiftungsverzeichnis leisten kann. Die Anzahl der Einträge auf den online verfügbaren Suchmaschinen spricht für sich: allein 10 000 sind es im Stiftungsfinder des Bundesverbands Deutscher Stiftungen. Andererseits wird demjenigen, der seine Recherche im Internet beginnt, endgültig klar, was Grabert und Nowak mit der Bezeichnung Stiftungsdschungel meinen. Das Dickicht betrifft offenbar auch das Rechercheangebot an und für sich.
Die Broschüre ermöglicht es, diesem Dickicht an Recherchemöglichkeiten zunächst aus dem Weg zu gehen. Sie präsentiert eine sinnvolle Vorauswahl an Stiftungen, die sich an die im Titel genannten Organisationsformen bürgerschaftlichen Engagements richten. Ergibt die Konsultation des Schlagwortregisters erste Anhaltspunkte für ein Matching zwischen potentiellem Geldgeber und Geldsuchendem, kommt die anschließende, präzisierende Recherche im Netz ohne die Stiftungssuchmaschinen aus. Was das Schlagwortregister des gedruckten Stiftungsfinders allerdings nicht leisten kann, ist eine Kombination mehrerer Suchkriterien. Hier hat eine online-Suchmaschine, bei der man verschiedene Kriterien wie Förderzweck, Zielgruppe, Ort und Art der Förderung verketten kann, einfach mehr zu bieten.
Verbesserungswürdig ist zudem die Gliederung des Buchs. Das Inhaltsverzeichnis bzw. die Kapitel weisen keine Nummerierung auf, die dabei geholfen hätte, die Systematik der Broschüre besser nachvollziehen und handhaben zu können. Das ist noch verzeihlich. Wirklich ärgerlich ist allerdings, dass die Seitenangaben im Inhaltsverzeichnis durchweg falsch sind. Ein unnötiger Fehler, der beim Lektorat der Broschüre unterlaufen sein muss.
Das Buch bietet dessen ungeachtet eine erste Hilfe bei der Suche nach einer passenden Stiftung. Damit ist es jedoch noch nicht getan. Im Anschluss an die Lektüre empfiehlt es sich unbedingt, weitere Recherchen im Internet durchzuführen. Das Anliegen des Autorenteams ist es auch nicht, in Konkurrenz mit dem Informationsgehalt des Internets zu treten.
Die Frage, ob sich eine Anschaffung des Fördertopf-Finders lohnt, richtet sich nach dem spezifischen Anliegen der LeserInnen: Für Fördertopf-Neulinge, die einen ersten Einblick in den Stiftungsdschungel erhalten wollen, ist das Buch eine sinnvolle Investition. Ebenso für Menschen, die in der Beratung von AntragstellerInnen tätig sind. Hier kann die Broschüre gut als Hilfsmittel zur anschaulichen Beratung eingesetzt werden. Als handliches Nachschlagewerk in Büros von KulturmanagerInnen ist das Buch sicher eine praktische Anschaffung, auf die immer wieder zurückgegriffen werden kann. Bis die 13. Auflage der Fördertöpfe für Vereine ... erscheint.


Dieser Beitrag erschien zuerst im KM Magazin 04/2015 Mantren der Kulturfinanzierung
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