15.09.2017

Autor*in

Hedwig Day
Hedwig Day ist Künstlermanagerin bei der Künstleragentur IMG Artists. Daneben studiert sie am Institut Kultur- und Medienmanagement in Hamburg. Ihre Studienschwerpunkte sind Fundraising, Marketing, Audience Development und Qualitätsmanagement.
Buchrezension

Großspenden-Fundraising Wege zu mehr Philanthropie

Große Spendensummen für Kultureinrichtungen und projekte auf Basis eines Philanthropie-Ansatzes zu sammeln, ist im deutschsprachigen Raum bisher die Ausnahme. Das Buch von Marita Haibach und Jan Uekermann will diese Lücke füllen und Verständnis für die Perspektiven und Einstellungen der beteiligten Personen sowie für passende Arbeitsabläufe und der Vorgehensweisen schaffen.
 
Das Buch bietet ein umfangreiches Konzept zur Durchführung von erfolgreichem Großspenden-Fundraising im deutschsprachigen Raum, wobei die einzelnen Praktiken in Deutschland, Schweiz und Österreich sofern möglich voneinander unterschieden werden. Dabei ist es in vier Teile gegliedert:
 
  • Grundlagen und Rahmenbedingungen
  • Institutional Readiness, die die organisationsinterne Bereitschaft beschreibt, sich mit den eigenen Zielen und strukturellen Voraussetzungen für erfolgreiches Fundraising zu beschäftigen
  • Trends und Potentiale
  • Hauptteil zum ausführlichen Ablauf inklusive der verwendeten Instrumenten und Methoden des Großspenden-Fundraisings.
Ein Leitfaden für Fundraising-Betreibende

Das Thema der Großspende ist bisher noch nicht in diesem Umfang für den deutschsprachigen Raum aufbereitet worden, weshalb diese Lektüre als Vorreiter bezeichnet werden kann. Dass Großspenden-Fundraising in den USA eine gängige Praxis hierzulande nur wenig verfolgt wird, liegt oft weniger an einer mangelnden Spendenbereitschaft als an zu geringen Bestrebungen, Erfahrungen und Kompetenzen der am Fundraising beteiligten Personen. Das Werk bietet hierfür einen Leitfaden, der über einzelne Maßnahmen hinaus grundlegende Aspekte wie Mitarbeitermotivation, Eigenschaften des Fundraisers und des Spendenmarkts beleuchtet. Die sehr anschaulichen Beispiele bilden selten Kulturinstitutionen ab und beziehen sich überwiegend auf soziale Einrichtungen und Wirtschaftsunternehmen. Da das Thema jedoch so ausführlich beschrieben wird, ist eine Adaption auf den Kulturbereich keine Schwierigkeit.

Im Vergleich zu Haibachs 2012 erschienener Publikation Handbuch Fundraising fallen einige Parallelen etwa beim Vorgehen und den Rahmenbedingungen auf, da diese dem Fundraising als systematischer Drittmittelakquise zugrunde liegen. Jedoch wird der Charakter der Großspende beim vorliegenden Buch explizit hervorgehoben, da hierbei vorrangig die individuelle Beziehungspflege mit maßgeschneiderten Spendenanfragen entscheidend ist. Außerdem glänzt dieses neue Werk durch zahlreiche Ergänzungen sowie Aktualität und kann (potentiellen) FundraiserInnen problemlos auch ohne Vorkenntnisse als Fachliteratur dienen.

Hervorragender Praxisbezug durch Beispiele und Details

Die aufgeführten Beispiele, Merksätze, Checklisten und Zahlen aus der Praxis sind extrem gut gewählt. Beispielsweise beschreibt SAP-Gründer und Wissenschaftsmäzen Hasso Plattner, wie eine Fundraiserin der Stanford Universität ihn durch eine einfache, individuelle und persönliche Ansprache von einer Spende überzeugte: Erstens hast du in Stanford studiert, zweitens studieren deine Kinder da und drittens ist deine Firma nur wegen der ganzen Stanford-Absolventen groß geworden. Und jetzt lass uns mal sehen, was wir dir an Stiftungsmöglichkeiten anbieten können.

Insbesondere das Tabu-Thema Geld wird zur Sprache gebracht und bietet einen guten Vergleichswert für das eigene Handeln als FundrasierIn. Dabei ist das fundierte, in langjähriger Erfahrung angeeignete Praxiswissen der Autoren spürbar, das mit einer enorm umfangreichen Recherche über den Spendenmarkt in den USA und in Europa erweitert wird. Während in den USA 80% der Einnahmen über Großspenden-Fundraising eingenommen werden, sind es in Deutschland nur 4%, die von der persönlichen Einkommens- und Vermögenssituation der Spende hierzulande weitgehend unabhängig sind. Außerdem erzeugt das Buch die Zuversicht beim Leser, selbst in einer solchen Position erfolgreich sein zu können, da auf jedes erdenkliche Detail hingewiesen wird und mögliche Probleme durch Lösungsvorschläge behoben werden. Eine ausführliche Tabelle hilft zum Beispiel beim Umgang mit ethisch schwierigen Situationen, wie ein Spendeneingang von einem fragwürdigen Trust einer Karibik-Insel oder ein Großspender, der einem Operngebäude seinen Namen gegeben hat und wegen betrügerischem Verfahren vor Gericht landet. Der Detailreichtum des Werkes ist beeindruckend und lässt keinerlei Aspekte außen vor.

Fazit: Wegweisende Bibel des (Großspenden)-Fundraisings

Nach Durcharbeiten dieses Werkes herrscht das Gefühl vor, über das Thema ausführliches und umfassendes Wissen an die Hand bekommen zu haben, das weit über die Grundlagen hinausgeht und beinahe einer professionellen Fundraising-Ausbildung entspricht. Das Buch ist vorbildlich strukturiert, Lesen und Verstehen wird durch die anschauliche Darstellung optimal begünstigt. Es richtet sich an alle, die Drittmittel durch Privatspenden generieren wollen, egal ob Groß- oder Kleinspende. Auch für die Ansprache von Sponsoren oder Stiftungs-Vertretern sind die aufgezeigten Maßnahmen und Methoden uneingeschränkt anwendbar, da letztendlich auch hier Menschen mit philanthropischen Eigenschaften wirken.

Es richtet sich zudem an Führungskräfte im Kulturbereich, da bereits zu Beginn der Lektüre deutlich wird, dass Fundraising nur erfolgreich sein kann, wenn die Mitarbeiterschaft von der eigenen Arbeit überzeugt ist. Ohne eine gelebte Institutional Readiness durch Führungskräfte bleiben sämtliche Bemühungen des Fundraisers vergebens. Wer also seinen Kulturverein finanziell stärken oder für seinen Kulturbetrieb Großspenden akquirieren möchte, kann dieses Werk als wegweisende Bibel heranziehen.

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