15.01.2018

Autor*in

Katharina Sabetzer
Katharina Sabetzer ist als Kommunikationsberaterin für KünstlerInnen und KleinunternehmerInnen sowie im Projektmanagement tätig. Sie ist Inhaberin der Erzählbar Kommunikationsberatung in Wien.

Buchrezension

Macht Musik. So spielt Ihr Team zusammen, statt nur Lärm zu produzieren

Ausgewogen zusammengesetzte Teams und gemeinsam formulierte Zielen sind wichtig für den Erfolg einer Kultureinrichtung. Mit einem Perspektivenwechsel und der leicht nachvollziehbaren Analogie des Orchester-Zusammenspiels zeigt Richard de Hoop Führungskräften in der Kultur, warum es sich auszahlt, unterschiedliche Menschentypen zusammenzubringen.
 
Kennen Sie den? A CFO asks his CEO: What happens, if we invest in developing our people and then they leave us? CEO: What happens, if we dont, and they stay?

Das World Wide Web überschlägt sich mit Tipps zur MitarbeiterInnenführung, Ratschlägen und Strategien, mit denen man sein Mindset als Führungskraft ändern kann. Teamarbeit, Unternehmenskultur und interne Kommunikation scheinen die großen Rätsel des beruflichen Miteinanders zu sein auch im Kulturbereich, in dem die Kluft zwischen den inneren und den nach außen vertretenen Werten immer wieder kritisiert wird. Was fehlt uns also, um gerne fürs große gemeinsame Ganze zu arbeiten?

Change-Prozesse, finanzielle Unsicherheit und digitale Dynamik wirken auf den Arbeitsalltag von Kulturinstitutionen ein und sorgen für vermeintliche und tatsächliche Instabilität. Im täglichen Erfolgskampf zählt deshalb nicht nur die Flexibilität, sondern auch die Stabilität von Teams. Wie motiviert man MitarbeiterInnen, wenn man selbst mit dem Rücken zur Wand steht? Wie führt man Teams aus der Krise? Aber auch: Wie schafft man die Balance zwischen Idealismus und Realität? Für Richard de Hoop liegt der Kern des Erfolgs in der Zusammensetzung von Teams angefangen bei der Führungsebene bis hin zu einzelnen Projektteams, die sich um thematische Schwerpunkte kümmern sollen. Er berichtet detailliert aus seiner Arbeit mit Bildungseinrichtungen, krisengebeutelten Unternehmen und in Bürokratie erstarrten Institutionen und zeigt bei jedem Beispiel auf, wie manchmal leichte, manchmal gröbere Umstrukturierungen den Abwärtstrend umkehren konnten: Jede Rolle findet ihren Platz im Team, nämlich dort, wo sie sich einbringen und entfalten kann.

Der erstrebenswerte Klang

Richard de Hoop widmet sich mit seinem als Ratgeber aufgebauten Buch Macht Musik. So spielt ihr Team zusammen, statt nur Lärm zu produzieren dem nach seiner Meinung bedeutendsten Faktor für Erfolg im beruflichen Alltag: den MitarbeiterInnen und ihrem Zusammenspiel in Teams. Er nutzt dafür die Analogie eines Orchesters. Nur wenn jedes Instrument richtig eingesetzt wird, man aufeinander hört, man miteinander spielt, entsteht jener erstrebenswerte Klang, in seinem Sinn: der unternehmerische Erfolg.

De Hoop führt seine LeserInnen spielerisch und leicht nachvollziehbar an seine Thematik heran, überlistet sie gleich zu Beginn mit einem Selbsttest dazu, die unterschiedlichen Rollen von Teammitgliedern kennenzulernen, die dabei mit Instrumenten symbolisiert werden. Welche Rollen spielt man selbst, welche sind im Team über- und unterrepräsentiert? Braucht es mehr begeisternde Trompeten, hilfsbereite Geigen oder kreative Gitarren? Jeweils zwei Rollen korrespondieren mit einer von vier Grundkräften eines Teams, nämlich Gefühlskraft, Tatkraft, Willenskraft und Denkkraft einmal aktiv, einmal reaktiv. All dies basiert auf dem Teamrollenmodell des englischen Wissenschaftlers und Managementtheoretikers Meredith Belbin, auf das im Verlauf des Buchs immer wieder verwiesen wird.

Energieverschwendung auf Beziehungsebene

Untermauert mit vielen Beispielen aus seiner Arbeit mit Unternehmen und Institutionen, gibt de Hoop in weiterer Folge Ratschläge für die Zusammensetzung eines effektiven Teams. So berichtet er unter anderem von der IT-Abteilung eines globalen Konzerns, in der die denkkräftigen Instrumente Harfe und Horn überrepräsentiert waren, die Abteilung aber aufgrund fehlender lauter Trommeln und Trompeten Konzern-intern oftmals übersehen wurde. Da dies zu großer Unzufriedenheit führte, setzte sich das Team mit dem Orchestermodell auseinander und organisierte sich so um, dass auch die lautstarken Instrumente zum Zug kamen so konnte man sowohl die Außendarstellung als auch die Zielvorgaben aktiv selbst gestalten.

De Hoop plädiert unter anderem dafür, dass sich Teams gemeinsame Ziele setzen sollten. Sonst verschwenden viele Teams eine Menge Energie, weil sie Reibereien direkt auf der Beziehungsebene klären wollen. Doch so lange es auf der Ebene der Ziele und der Erwartungen hapert, bringt bei Beziehungen selbst ein intensives Coaching wenig. Ein interessanter Gedanke.

Die abschließenden Kapitel (unter der Überschrift Spielt zusammen!) sind eine nochmalige Bekräftigung der Überzeugung de Hoops, dass Führungskräfte ihre Verantwortung wahrnehmen müssen: Wenn ganz einfache Prozesse im Team nicht definiert sind, kann es sein, dass es unausgesprochene Motive wie Eifersucht, Unsicherheit oder auch Dominanzstreben gibt. Und so motiviert er seine LeserInnen dazu, Teams nach ihren Stärken zusammenzusetzen, MitarbeiterInnen nicht für ihre Schwächen zu bestrafen, sondern ihnen Freiraum in der Gestaltung ihrer Arbeit zu gewähren.

Die Balance zwischen Idealismus und Realität

Es ist keine leichte Aufgabe, ein Team zu führen, denn das Zusammentreffen unterschiedlicher Charaktere sorgt für ein Wechselbad der Gefühle. Deshalb gehört viel Fingerspitzengefühl dazu, ein Team zu seiner vollen Kraft aufblühen zu lassen dies gilt für jegliche Form von Unternehmung. Umso erfrischender ist die Perspektive, die Richard de Hoop mit seinem Buch wählt. Da er die Probleme und Herausforderungen des Miteinanders am Arbeitsplatz in eine ungewöhnliche Umgebung hebt, erleichtert er das Verständnis für management-theoretische Lösungen.

Richard de Hoops Buch ist auf Führungskräfte ausgerichtet. Er macht unmissverständlich klar, wo sich ManagerInnen zurücknehmen müssen und in welchen Bereichen sie für Teams verantwortlich sind: nämlich in der Zusammensetzung, der Aufgabenverteilung, der Entwicklung eines gemeinsamen Weges. Er nimmt die Führungskräfte in die Pflicht, sich selbst kennenzulernen, ihre Stärken und Schwächen ebenso zu dosieren, wie sie es ihren Team-Mitgliedern vorgeben sollten. Es sind die schlechten Führungskräfte, die nur selber glänzen wollen und die Erfolge ihrer Mitarbeiter mit Argwohn betrachten, schreibt Richard de Hoop.

Fachliches Wissen alleine reicht dabei nicht. Zu Recht erkennt der Autor, dass Bewerbungsprozesse oftmals zu sehr auf Funktionen ausgerichtet sind anstatt auf Talente und für diese geeignete Einsatzbereiche. Dies ist ein wesentlicher Aspekt der Team-Zusammenstellung, der im Buch leider etwas spärlich beleuchtet wird.

Vor allem das Teamrollen-Modell ist für Kulturinstitutionen interessant, denn es motiviert dazu, eine ausgewogene Mischung aus kreativen und rationalen Köpfen zu finden auch wenn das Buch eigentlich darauf ausgerichtet ist, bürokratisierte, auf Zahlen fokussierte Unternehmen aus ihrer Starre zu holen.

Das harmonische Miteinander

Das Buch liest sich sehr leicht. Wer sich in Büchern wiederfindet, in denen man direkt angesprochen wird, die einen auffordern, mitzudenken, Tests und Übungen zu machen, findet hieran bestimmt Gefallen und interessante Anregungen für ein friedlicheres und effizienteres Miteinander in Arbeitsumgebungen.

Gerade in unserer vom Coworking- und Startup-Schwung überwältigten Welt, hin und her gerissen zwischen dem Maximum an Flexibilität und schwer loszulassender (finanzieller) Sicherheit, konzentriert sich dieses Buch auf etwas Wesentliches, aber vermeintlich schwer Lenkbares hinter jeder Erfolgsgeschichte: das harmonische Miteinander. Es ist kein Zufall, dass sich dabei die Metaphern zwischen Orchester und Teams aufdrängen de Hoop spricht von Stimmung, Klang, einander zuhören, aber auch von Solisten und Misstönen.

Und so plädiert er am Ende fast eindringlich dafür, dass Führungskräfte sich an drei Grundbedürfnissen orientieren sollten: Autonomie, Können entfalten und Sinn erleben. Auch wenn de Hoop zu Recht erkennt, dass im kreativen Umfeld das Sinnvolle eine selbstverständliche Begleiterscheinung ist, ist man auch hier nicht davor gefeit, Eingefahrenes viel zu lange beizubehalten.

Anleitung zum Perspektivenwechsel

Richard de Hoops Buch ist eine taugliche Anleitung für einen Perspektivenwechsel und zur Identifikation von Misstönen in einem Team. Vor allem Teambuilding-Einsteiger oder LeserInnen, die einen sehr praktischen Zugang zur Mitarbeiterführung suchen, sind damit gut beraten.

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