17.01.2019

Autor*in

Peter Uecker
ist emeritierter Professor für Kulturmanagement, aber mit Verstand und Herz weiter aktiv. Er war an verschiedenen Hochschulen in Deutschland tätig sowie an der German-Jordanian University in Amman. Er war der Begründer des „Arbeitskreises Controlling“ der Hochschullehrer an Fachhochschulen.
Buchrezension

Rechnungswesen in Kulturbetrieben. Ein Leitfaden

„Rechnungswesen“, schon das Wort, der ganze Arbeits- und Denkbereich ist wohl für viele Menschen, die sich mit dem Kulturbereich befassen, in einer für sie fremden Welt angesiedelt. Und oft ist diese Welt ihnen nicht nur fremd, sie mag manchmal überflüssig, ja störend erscheinen. Dennoch ist es notwendig, sich mit ihr zu beschäftigen - und dabei möchte das Buch von Günther Dey helfen.
 
Menschen in Kulturbetrieben tragen Verantwortung – sei es für sich selbst in dem Sinne, dass sie von dieser betrieblichen Tätigkeit leben, oder sei es, dass sie mit anderen Menschen zusammenarbeiten, sie beschäftigen. Und in diesem Kontext taucht „Rechnungswesen“, auch wenn es nicht gemocht wird, als geradezu lebens- und manchmal geradezu überlebensnotwendiger Arbeitsbereich auf.
 
Ist man „betrieblich“ tätig, mischen sich andere „Spieler“ ein. Der Staat „beobachtet“ den Betrieb (etwa von Arbeitsrecht bis Umweltschutzrecht) oder fordert ggf. Geldbeiträge ein (Steuern, Gebühren). Auch Geldgeber, also etwa Banken, finanzielle Genossen, mischen sich ein. Sie wollen Rechenschaft, also wissen, „wie es so läuft“, oft zudem bezogen auf Geld, also Zinsen, Erfolgs-/Gewinnbeiträge. Ein Mindestmaß Informationen werden also verlangt und diese möglichst unmanipuliert, und von verständigen Dritten nachvollziehbar. Hier kommt das Rechnungswesen ins Spiel. Zahlen sind an sich verstehbar und unterliegen seltener der Gefahr der unakzeptablen Beeinflussbarkeit, also des „Schön-“ oder des „Schlechtredens“. Aber dies kann nur klappen, wenn man sich auf Regeln stützt, die selbst verständlich und möglichst von Vielen gut befolgbar sind.
 
Externes Rechnungswesen
 
Rechnungswesen ist in diesem Sinne ein Feld, das der Informationssicherheit nach Außen, also in erster Linie Dritten dient. Und es fußt auf einem Regelwerk, das beachtet werden muss. Und genau hiervon handelt die erste Hälfte des vorliegenden Buches, das 2017 im Springer Verlag erschienen ist. In der Sprache des Juristen und Betriebswirts heißt das Buchhaltung, Jahresabschluss. Der Autor Günther Dey stellt in Kapitel 1 – 4 die wichtigsten Regeln und gesetzlichen Grundlagen für Vereine und Betriebe, für die Dokumentation von Geschäftsvorfällen, für Bilanz sowie für Gewinn- und Verlustrechnung vor – und damit für die Darstellung des Vermögens, der Finanzierungsquellen und des ökonomischen Erfolgs eines Kulturbetriebs.
 
Und da Dey Professor an einer Fachhochschule, also einem Bildungsinstitut für Angewandte Wissenschaften, tätig ist, legt er größten Wert darauf, dass seine Ausführungen auch von ansonsten nicht in der Wirtschaft oder der Juristerei Tätigen verstanden werden können. Nie überfrachtet er seine Ausführungen mit wissenschaftlicher Diktion, immer sucht er Beispiele, die für seinen potenziellen Leser gut nachvollziehbar sind, da seine Anwendungsfälle aus deren Erlebnis- und Tätigkeitswelt stammen. So werden etwa die Ertrags- und Aufwandsstrukturen ausgewählter (Bremer) Kulturbetriebe dargestellt und es wird erläutert, welche Schlussfolgerungen daraus gezogen werden können.
 
Dabei will Dey seine Leser nicht zu Rechnungswesenexperten machen, nicht zu Fachleuten also, sondern zu das Nötige Wissenden. Er will sie in die Lage versetzen, dass sie Gesprächspartner, Datenlieferanten für die Experten sein können - also für ihren Steuerberater, Wirtschaftsprüfer oder Banker. Denn dieser nach Außen gerichtete Teil des Rechnungswesens mit Buchhaltung, Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung, ggf. noch Cash-Flow, ist stark durch die Handels- und Steuergesetze bestimmt und natürlich auch durch das Richterrecht, nämlich durch Urteile.
 
Dey wendet sich also an die Anwender in Kulturbetrieben. Und wie breit, wie divers diese möglich Leserschaft ist, wird insbesondere durch die Darstellung lebender Anwendungsfälle deutlich. Kultur deckt eine fast unglaubliche Breite menschlicher Neugier ab, vom Kino und Theater zum Orchester oder zum Museum. Und die „Mitspieler“, Besucher/ Kunden, Staat, Banker etc. haben selbst eigene besondere Fragestellungen. Dabei kann und will das Buch nicht das Rechnungswesen des jeweiligen, oft vielleicht auch recht verschiedenen Interessenten darstellen; der Anspruch ist vielmehr, in gut verständlicher Sprache und Form, etwa mit Schaubildern oder Diagrammen, dessen unerlässlichen Kerngehalt zu vermitteln, das Grundwissen aufzubereiten.
 
Neben dieser unmittelbaren Anwendergruppe der in Kulturbetrieben Tätigen und für sie Verantwortung Tragenden, wendet sich Dey auch an Lehrende im Bereich des Kulturmanagements. Ihnen wird mit diesem Band eine verlässliche, brauchbare Handreichung geboten.
 
Internes Rechnungswesen
 
Weniger vom Recht getragen ist der zweite Teil des Bandes, in dem sich Dey in den Kapiteln 5 – 8 dem „Internen Rechnungswesen“ zuwendet. Hier legt er den Schwerpunkt auf die „Kostenrechnung“, führt den Leser also an die laufende Unternehmensführung und ihre Unterstützung durch das Rechnungswesen heran. Hierzu wendet er sich insbesondere Fragen der Kalkulation und der Kernfrage zu, wie man möglichst richtig die Kosten – und hier vor allem die fixen Gemeinkosten – den kulturellen Leistungen zuordnet. Und wieder wird nicht auf die betriebswirtschaftliche Tiefe abgehoben, sondern es steht das Nachdenken über die tägliche betriebliche, aber auch die grundsätzliche Programmarbeit im Vordergrund. Nicht Fachidiot soll und wird der Leser werden, sondern verstehender Betriebsleiter, diskussionsfähiger Partner für Mitarbeiter, aber auch für Fragende und Entscheider der Öffentlichen Hand, wenn sie Überlegungen zur Verteilung von Haushaltsmitteln haben. Auch für sie kann diese Veröffentlichung nützlich sein.
 
Fazit
 
Als einen „Leitfaden“ bezeichnet Dey seine Veröffentlichung treffend. Der anwendende Kulturbetriebler wird besondere dort Hilfe erfahren, ja geleitet werden, wo Dey seine Beispiele und Tipps vorträgt (übrigens geschickt in anderer Schreibtype gesetzt.) In der täglichen Arbeit braucht man genau dies und es hilft manchmal mehr als eine noch so wissenschaftlich korrekte Detailliertheit.
 
Leitfaden: Ja, das ist Dey gelungen. Sehr zu empfehlen als Basis oder Ergänzung zu Petra Schneidewind, Controlling im Kulturmanagement.

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