06.09.2006

Autor*in

Buchrezension

Museologie - knapp gefasst

Autor: Friedrich Waidacher; UTB Verlag; 2005
 
"Als Wissenschaft vom Sammeln, Bewahren, Erforschen und Vermitteln von Dingen als Natur- und Kulturzeugnissen", insbesondere in der Institution Museum, ist die Museologie oder auch Museumskunde eine Disziplin, die unmittelbar von der praktischen Museumsarbeit ausgeht. Als Ziel setzt sich die Lehre, Fähigkeiten und Kenntnisse für eine professionelle, wissenschaftlich fundierte Museumsarbeit zu vermitteln, deren Arbeitsfelder sich von einer fachgerechten Dokumentation und Verwaltung der Sammlungsbeständen bis zur Vermittlung von Sammlungs- und Ausstellungsinhalten erstrecken.
 

Um diesem weiten Feld gerecht zu werden und einen umfassenden Einblick in den Fachbereich zu gewähren, hat Friedrich Waidacher mit "Museologie - knapp gefasst" einen Leitfaden für all jene zusammengestellt, "die sich über das Museum und seine Hintergründe informieren wollen." Waidacher gliedert die vielseitigen Aufgaben eines Museologen in vier große Komplexe: Die Fragen, mit denen sich ein Museologe beschäftigen muss, beginnen bei der Suche nach potenziellen Objekten für eine Sammlung. Diese heißt es zu erkennen, auszuwählen und zu bewerten. Der Museologe muss sich der Bedeutung der zu erwerbenden Musealien als eine sinnvolle Erweiterung der Sammlung seiner Institution sicher sein. Somit ist eine gründlich vorbereitete Selektion durch Forschung und Rücksprache mit den wissenschaftlichen Mitarbeitern unumgänglich. Sehr ausführlich widmet sich der Autor der Aufgabe des Sammelns, deren Grundsätze und Erwerbungsvorgänge. Er charakterisiert die verschiedenen Sammlungsarten und -gattungen und deren Unterschiede und Funktionen. Der Museologe muss eine umfassende Sachkenntnis besitzen und auch die Szene der Galerien, Auktionshäuser und Messen kennen, um sich souverän auf diesem Parkett bewegen zu können. Dass zum Sammeln nicht nur der Erwerb der Objekte zählt, sondern auch das dringend notwendige Wissen von Erhalt und Verwaltung, wird in diesem Buch sehr nachhaltig beschrieben. Die unterschiedlichsten externen und internen konservatorischen Einflüsse und Notwendigkeiten für Musealien zu kennen, ist dabei grundsätzliches Know-how. So wichtig die Sammlung als Gegenstand der Museumsarbeit ist, so wichtig ist auch das Weitergeben der inhaltlichen Bedeutung an den Besucher. Wie wichtig der richtige Umgang mit dem Publikum ist, kann nicht häufig genug betont werden, und auch Waidacher macht sehr deutlich, wie vielschichtig und komplex dieser Arbeitsbereich ist. Sehr fundiert beschreibt er die Grundsätze und die notwendigen Vorarbeiten durch Besucherforschung und Zielgruppenanalyse, aber auch ganz essenzielle Dinge wie die physischen und psychischen Voraussetzungen beim Publikum und die daraus folgenden Einflüsse auf die Präsentation.
Diese ganze Arbeit zu planen und auszuführen wird in dem Kapitel Planen und Ausführen zwar sehr knapp, aber dennoch umfassend abgehandelt.
 
Die Ausführungen von Friedrich Waidacher sind konsequent und besonders umfangreich, auch wenn sich sicher nicht viele museale Einrichtungen einen derart hohen Personalaufwand leisten können. Zahlreiche Listen machen seinen Leitfaden zur äußerst nützlichen Gedankenstütze. Die Literaturangaben sind sehr zahlreich und mit einem nahezu dreiviertel Anteil englischer Literatur an der "Wiege der Museologie" orientiert. Dennoch wünscht man sich wesentlich mehr deutschsprachige Literatur, zumal es sich um ein Einführungsbuch handelt.
Dieses Buch ist aber nicht nur für Studienanfänger der Museologie geeignet, sondern gibt allgemein einen guten Einblick in die alltägliche Arbeit in Museen und ist somit auch für Historiker, Volkskundler, Kunsthistoriker und alle jene geeignet, die sich mit der Vorstellung tragen, in einer mit Musealien befassten Institution zu arbeiten.

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