06.12.2018
Vorschau Jahrestagung Fachverband Kulturmanagement 2019

Diversität und Zugehörigkeit in, um und mit Kultur

Ob Migration, MeToo oder gleichgeschlechtliche Ehe: Die Zusammensetzung und Ausrichtung der Gesellschaft verändern sich. Darauf müssen sich Kultureinrichtungen einstellen, sowohl in Bezug auf ihre Inhalte als auch auf ihre Strukturen. Wie Kulturschaffende mit diesen Veränderungen agieren anstatt nur auf sie reagieren können, thematisiert die Jahrestagung des Fachverband Kulturmanagements vom 9. bis 12. Januar 2019 in Wien.
Die meisten Akteur*innen des Kulturbereichs bekennen sich klar zu kultureller Vielfalt, wie sie in der UNESCO Konvention zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen von 2005 festgeschrieben ist. Umso besorgter schauen sie auf den steigenden Einfluss rechter Gesinnungen in der Gesellschaft. Denn mitunter bedrohen das Parteiensystem und ideologische Veränderungen sogar die Vielfalt der kulturellen Ausdrucksformen in Bezug auf haushaltspolitische, infrastrukturelle oder inhaltliche Aspekte, während die Kulturpolitik bei Umsetzung der Ziele dieser UNESCO Konvention hinterher hinkt. Umso wichtiger ist es, die Beziehungen zwischen Kultur und Gesellschaft sowie Konzepte von kultureller Zugehörigkeit neu zu diskutieren und zu fragen, in welcher Rolle die Akteur*innen des Kulturbereichs an der Zivilgesellschaft teilnehmen.
 
Mit den aktuellen Veränderungen einher geht auch bei Kulturschaffenden, wie in breiten Teilen der Bevölkerung, oft ein Gefühl der Hilflosigkeit. Lange haben sich Kultureinrichtungen erhobenen Hauptes als Vertreter von Werten wie Toleranz und Vielfalt dargestellt, aber sind diese wirklich beim Publikum angekommen? Stehen sie vielleicht gar nicht für die Werte, die sie nach innen wie nach außen für sich in Anspruch nehmen? Welche gesellschaftliche Rolle haben Kulturschaffende selbst inne? Erreicht Kultur Menschen mit anderen Werten womöglich überhaupt nicht – oder grenzt sie gar selbst aus? Dürfen sich Kultureinrichtungen politisch positionieren? Und wie kann Kultur ihren proklamierten gesellschaftsprägenden Mehrwert nun konkretisieren?
 
Dieser Vielfalt an Fragen widmet sich die 12. Jahrestagung des Fachverband Kulturmanagement, organisiert vom Institut für Kulturmanagement und Gender Studies (IKM) der Hochschule für Musik und Darstellende Künste Wien. Sie will eine (Neu)Bewertung von Kunst und Kultur sowie den Beziehungen und Rollenverständnissen von Künstler*innen, Kulturmanager*innen, Kulturorganisationen und ausbildenden Institutionen in Hinblick auf neue Konzepte von Citizenship und gesellschaftlichem Engagement vornehmen.
 
Diversität und Zugehörigkeit ist auch mit speziellem Bezug zum Kulturbereich ein breites Thema. Dem will die Jahrestagung mittels verschiedenster Formate – Vorträge, Workshops und einem Open Space – gerecht werden. Sie bietet Forscher*innen ebenso wie Praktiker*innen Gelegenheit zu Austausch und Reflexion zu Aspekten wie Partizipation und Empowerment einer größeren Bandbreite an Besucher*innen und Mitarbeiter*innen, Stadtentwicklung oder interkultureller Zusammenarbeit. Dabei werden nicht nur die verschiedenen Kultursparten abgedeckt – im Programm finden sich Panels zu Musik, Tanz, Museum oder auch Kulturerbe – sondern auch die Bandbreite an Tätigkeitsbereichen von Kulturmanager*innen – von Marketing, Fundraising und Kulturvermittlung über Administration bis hin zu Kulturpolitik.
 
Besonders spannend ist zudem die Vielzahl an vertretenen Länderperspektiven. Lange und zum Teil bis heute gilt der deutschsprachige Kulturbereich für viele Kulturschaffende aus anderen Ländern als ideales Arbeitsumfeld mit seiner Vielzahl an Organisationen, seinen hohen öffentlichen Subventionen und seiner weitgehend unkritischen Anerkennung innerhalb der Bevölkerung. Doch gerade in den letzten Jahren zeigte sich, dass dieses oft sehr starre System auch Probleme mit sich bringt – besonders wenn es darum geht, auf Veränderungen zu reagieren, sich neuen Einflüssen zu öffnen und eine engere Bindung zu verschiedenen Bevölkerungsgruppen aufzubauen. Dass im Rahmen der Tagung auch Beispiele und Ansätze aus unterschiedlichen europäischen Ländern vorgestellt werden, kann deshalb als wahre Horizonterweiterung verstanden werden. Länder wie Kroatien oder auch Großbritannien verfügen mehr Erfahrung hinsichtlich flexibler Strukturen, dem Umgang mit Debatten zu Staatsbürgerschaft und kultureller Zugehörigkeit oder mit der direkten und indirekten Bedrohung kultureller Vielfalt durch weniger Gelder oder eine politische Benachteiligung entsprechender Formate.
 
Nach dem Doktorand*innen-Kolloquium am Nachmittag des 9. Januar beginnt die Tagung am 10. Januar mit zwei Keynotes von Michael Duscher zu „Power to the People? Participation as Practice in St. Pölten’s Application as European Capital of Culture 2024“ und Helen Marriage zu „Imagination Sets You Free“ sowie dem Round Table “Arts & Citizenship”. Der 11. und 12. Januar sind dann von parallelen Sessions und Workshops geprägt:
 
  • Session 1: Crowdfunding and Co-creation as Active Citizenship
  • Session 2: Diversität als Herausforderung für Kulturinstitutionen
  • Session 3: Managing Diversity: The Case of Music
  • Session 4: Cultural Management and City Development
  • Session 5: Artistic Citizenship and Artists’ Practices
  • Session 6: Cultural Management in the Migration Society
  • Session 7: Citizenship, Governance and Politics
  • Session 8: Cultural Management Research Discourses and Practices
 
  • Workshop 1: Cultural Volunteering
  • Workshop 2: Game Creation
  • Workshop 3: Artistic Research
  • Workshop 4: Cultural Management Curricula
Die Referent*innen und Workshopleiter*innen sind dabei allesamt Expert*innen auf ihrem Gebiet, darunter Praktiker*innen, Forscher*innen und Lehrende. Nicht zuletzt machen die Study Trips mit Einblicken in die Arbeit lokaler Kultureinrichtungen eine Reise nach Wien lohnenswert.
 
12. Jahrestagung des Fachverband Kulturmanagement zu „Arts and Citizenship – Towards Diversity of Cultural Expressions“
9. bis 12. Januar 2019
Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
Institut für Kulturmanagement und Gender Studies (IKM)
 
Teilnahmegebühren: Mitglieder des Fachverbands Kulturmanagement 130€; nicht-Mitglieder 220€; Studierende von Mitgliedsinstitutionen 30€; Studierende 50€