11.07.2010

Autor*in

Veronika Schuster
ist ausgebildete Kunsthistorikerin und Kulturmanagerin. Sie hat mehr als 10 Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Co-Kuratorin für verschiedene Ausstellungsprojekte und Kultureinrichtungen (u.a. Museum Georg Schäfer, Klassik Stiftung Weimar, Marion Ermer Stiftung) gearbeitet. Nebenbei arbeitet sie als Lektorin und Projektleiterin für unterschiedliche Publikationsformate.
Fachbeitrag

Das sind keine Lachfalten! Aspekte der Altersvorsorge für Freiberufler

Das Thema der Altersvorsorge rangiert in seiner Beliebtheit sicher direkt hinter der jährlich wiederkehrenden Steuererklärung. Dennoch muss sie von jedem Selbstständigen von Anfang an mitgedacht werden.
Hat man sich, nach den vielen Überlegungen, dem Hin-und-Her-Wälzen der Argumente und Ambitionen, dazu entschlossen den Schritt in die Selbstständigkeit bzw. Freiberuflichkeit zu gehen, starten direkt im Anschluss die zahlreichen strategischen und operativen Umsetzungen: Wer bin ich, was möchte ich, wie will ich dies erreichen? Welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es? Wie sind diese zu beantragen? Warum benötige ich einen Businessplan? Was muss ich dabei berücksichtigen? Wie wird sich mein Alltag gestalten? (siehe KM Magazin, Nr. 44)

Dann die lästige Auseinandersetzung mit den endlosen rechtlichen und noch viel gemeineren steuerlichen Unwägbarkeiten. Es gibt also viel zu tun! Doch bei all den vielen to dos und dem engagierten Vorantreiben der eigenen Ideen, bleibt eine wichtige Sache häufig auf der Strecke: die Altersvorsorge. Dennoch ist es unabdingbar, sich gerade mit diesem Thema so bald als möglich auseinanderzusetzen und sich eine Bahn durch den Dschungel der kursierenden Buzzwords zu schlagen. Denn es gilt, je früher man beginnt, desto mehr Mittel werden einem im Alter zur Verfügung stehen.

Planen & Sparen Die richtige Strategie finden

Die Sparvarianten für den Ruhestand und die dazu auf dem Markt erhältlichen Produkte sind ebenso vielfältig wie individuell anpassbar: So kann man die geförderte Altersvorsorge nutzen, also die so genannte Rürup-Rente oder über die Künstlersozialversicherung auch die verschiedenen Modelle der Riester-Rente abschließen. Man kann den klassischen Weg der privaten Vorsorge über die privaten Rentenversicherungen gehen. Aber auch das Sparen über Bankprodukte, Versicherungen und Aktienfonds ist ebenso eine Möglichkeit wie die Einnahmen durch eine vermietete Immobilie als Zusatzrente. Wichtig dabei ist es, sich zu überlegen, was man im Rentenalter als finanzielle Basis benötigen wird und wie diese abgesichert werden kann. Welchen Mindestaufwand wird man durch Miete, Lebenshaltung, Versicherungsbeiträge etc. aufbringen müssen? Welcher Teil kann durch eine Basisrente abgedeckt, welcher Teil muss durch Zusatzeinnahmen generiert werden? Was möchte man darüber hinaus zur Verfügung haben also welchen Lebensstil möchte man als Ruheständler pflegen können? Welche finanziellen Mittel stehen dafür zur Verfügung? Welches Risiko ist man eventuell bereit einzugehen?

Welchen zeitlichen Recherche- und Organisationsaufwand kann und möchte man investieren? Das sind natürlich Fragen, denen man sich mit Mitte oder Ende Zwanzig sicher nicht stellen möchte. Der morgendliche Blick in den Spiegel und die Falten des Lächelns verraten vielleicht, warum man es doch tun muss.

Gesetzliche Absicherung über die Künstlersozialversicherung

Jedem Kulturmanager ist die Künstlersozialkasse, kurz KSK, natürlich ein Begriff, ob als Gebühren zahlender, so genannter Medienverwerter oder vielleicht auch als dort versicherter Künstler. Die Künstlersozialkasse ermöglicht Künstlern aus den Bereichen Musik, darstellender wie bildender Kunst und Wort wie auch Journalisten, Publizisten, Redakteuren und Lektoren über die gesetzlich verankerte Künstlersozialversicherung den Zugang zur Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung. Sie trägt die Hälfte der Beiträge, die über die Gebühreneinnahmen und den Staat gedeckt werden. Wie hoch die Beiträge und die zu erwartende Rente für den Versicherten sein werden, richtet sich nach dessen jährlichem Einkommen. Der Freiberufler in den Startblöcken, der den Antrag zur Aufnahme in die KSK stellt, sollte berücksichtigen, dass die Bearbeitung derzeit bis zu 6 Monate dauern kann und er für diese Zeit die hohen Beiträge zumindest für die Krankenkasse zur Verfügung haben muss.

Eine weitere Möglichkeit vorzusorgen, steht den Freiberuflern in der KSK offen, da sie die Riestersparmodelle als Pflichtversicherte einer gesetzlichen Rentenversicherung nutzen können - für sie also die Riesterprodukte Banksparplan, Fondsparplan, Rentenversicherungen und seit 2008 auch Wohn- Riester infrage kommen. Man sollte sich dennoch die Mühe machen, sich ausführlich zu informieren, ob und welche dieser Produkte für einen selbst geeignet sind.

Tipp: Auch als Ehepartner eines Angestellten, der bereits einen Riester-Vertrag hat, kann man als Freiberufler riestern.

Rürup- oder auch Basis-Rente

Seit 2005 ist es durch die so genannte Rürup-Rente auch anderen Freiberuflern möglich, staatliche Unterstützung bei der Altersvorsorge in Form einer klassischen Rentenversicherung oder einer fondgebundenen Versicherung in Anspruch zu nehmen. Der Vorteil für den Versicherten liegt darin, dass die Einzahlungen in der Ansparphase steuerlich absetzbar sind. Im Jahr 2010 sind das 70 Prozent (max. 14.000 Euro), bis 2025 werden es die 100 Prozent (max. 20.000) sein. Die Steuersätze ändern sich allerdings für Selbstständige, die in eine gesetzliche Rentenversicherung, also z.B. in die Künstlersozialversicherung, einzahlen. Hier sind die absetzbaren Beträge niedriger.

Einige Regeln gibt es jedoch bei der Rürup-Rente zu beachten: Die Leistungen werden ausschließlich als Rente ausbezahlt, also eine einmalige Entnahme bis zu 30% bei Rentenbeginn wie bei einem Riester-Vertrag ist nicht möglich. Die Rentenauszahlungen sind voll steuerpflichtig. Der Beginn einer Rentenleistung ist frühestens ab Vollendung des 60. Lebensjahres möglich. Die Versicherung kann weder vererbt, übertragen, beliehen oder veräußert werden. Gut zu wissen ist, dass auch die Rürup-Rente nicht pfändbar, also Hartz-IV-fest ist.

Tipp: Vor Abschluss eines Rürup-Vertrages sollte man unbedingt die Vor- und Nachteile für die eigenen Bedürfnisse überprüfen und einen Steuerberater fragen, ob sich ein solcher für einen selbst wirklich lohnt. Bei der Riester- wie Rürup-Rente und bei der privaten Rentenversicherung sollte berücksichtigt werden, dass ein Großteil der zuerst geleisteten monatlichen Beiträge unter anderem für die Vertragsabschluss- und Verwaltungskosten der Versicherungsverträge aufwendet wird und man deshalb zu Beginn, wenn man Aussteigen will, dies nur mit Verlusten oder sehr geringem Zinsaufkommen tun kann.

Gut Ding will Weile haben

Neben der Rürup-Rente bietet die klassische private Rentenversicherung die Möglichkeit auf eine finanzielle Sicherheit durch monatliche Rentenauszahlungen. Beachtet werden muss hierbei, dass die ansparenden Versicherungen Zeit benötigen und die monatlichen oder jährlichen Beiträge auch leistbar sein müssen, da bei einer Kündigung erhebliche Verluste entstehen. Ein vereinbartes Kapitalwahlrecht bei Vertragsabschluss ermöglicht im Alter eine Einmalauszahlung, die aber eine höhere Steuerlast als bei einer monatliche Auszahlung mit sich bringt. Der Entschluss für eine private Rentenversicherung beinhaltet eine intensive Beschäftigung mit den Angeboten, den Leistungen, der Sicherheit und Vertragsoptionen. Gerade die letzten Jahre haben deutlich spüren lassen, welche Risiken auch Rentenversicherungen unterliegen. Wer sich für eine fondgebundene Versicherung entscheidet, muss neben den möglichen hohen Renditen von Beginn an immer mit den Verlusten rechnen.

...und noch vieles mehr

Die sichere Riester- oder Rürup-Rente bzw. private Rentenversicherung kann durch eine Vielzahl von wagemutigen Anlage- und sicheren Sparmöglichkeiten ergänzt werden. Ob nun bei erstem Fall durch Aktien oder Aktienfonds, Anleihen, Renten- oder Immobilienfonds oder im zweiten Fall durch die Sparangebote der Banken und vom Bund wie Banksparpläne, Tages- und Festgeldkonten oder Bundesschatzbriefe. Auf welche Variante des Sparens die Wahl auch fällt, sie sollte stets auf gründliche Auseinandersetzung mit dem Thema folgen.

Unabhängige Beratungsmöglichkeiten für die Altersvorsorge gibt es viele und sollten durchaus wahrgenommen werden. Man muss sich dennoch gründlich vorbereiten, sich eventuell über den Berater informieren und auch vorab bei ihm nachfragen, welche Produkte er von welchen Anbietern im Portfolio hat. Zudem sollte man für sich die Renten-Ziele definieren und die eigenen finanziellen Möglichkeiten kennen, sich die Zeit nehmen und die vielen Angebote stets nach Nutzen und Risiken kritisch hinterfragen

LITERATUREMPFEHLUNGEN

· Isabell Pohlmann, Altersvorsorge für Selbstständige, Stiftung Warentest, 2010

· Susanne Christ, Altersvorsorge für Selbstständige und Freiberufler, Haufe- Lexware, 2009
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