08.09.2008

Autor*in

Frank Höllerer
Fachbeitrag

Ein (Literatur-)Haus für Europa

Literaturhäuser sind das Modell der Literaturvermittlung der Zukunft. In Deutschland hat man erkannt, dass nicht nur Kulturinteressierte, sondern auch alle Bereiche der Kommunen von den Häusern profitieren und dass es gilt, das Potenzial für ein länderübergreifendes Netzwerk auszuschöpfen.
Literaturhäuser haben in den vergangenen zwanzig Jahren in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz einen wahren Gründungsboom erlebt. Ausgehend von Berlin wurden nicht nur alle Großstädte vom Literaturhausfieber gepackt, sondern von Jahr zu Jahr auch immer mehr mittelgroße Städte wie Kiel, Darmstadt, Magdeburg, Wiesbaden, Rostock oder Nürnberg. Ja, man kann sagen, dass Literaturhäuser ein selbstverständliches Element der urbanen Kulturlandschaft geworden sind so wie Theater, Museen, Konzerthäuser oder Kinos.

Unabhängig davon existieren überall in Europa Häuser der Literatur. Blickt man zum Beispiel nach Polen, so finden sich große kommunale Einrichtungen wie das Nadbaltyckie Centrum Kultury (Baltisches Kulturzentrum) in Danzig und nicht-staatliche Häuser wie das Pogranicze (Grenzland) in Sejny, die als Stiftungen organisiert sind. Wie traditionell in allen osteuropäischen Ländern sind überdies auch die Häuser der Schriftstellerverbände bedeutende Veranstaltungszentren. Quer durch Europa ließe sich so lange fortfahren, mit Häusern unterschiedlichster Art wie der Villa Gillet in Lyon, der Maison de la Poésie in Paris, der Casa delle letterature in Rom, Brüssels Internationalem Literaturhaus, das 2004 unter dem Namen Passa Porta gegründet wurde, der Amsterdamer SLA, die sich mit dem Kulturzentrum De Balie zusammengetan hat, dem ersten dänischen Literaturhaus, das 2005 nach dem Vorbild der deutschsprachigen Literaturhäuser in Kopenhagen entstand, oder dem in nächster Zukunft zu eröffnenden Literaturhaus in Oslo.
Alle diese Häuser fügen sich in ganz eigenen Traditionen kultureller, wirtschaftlicher, gesellschaftlicher Art: Zum Beispiel wird die französische Buchund Lesungslandschaft stark von den unabhängigen und schon immer einflussreichen Buchhändlern geprägt. Eine Situation, die sich in Italien, wo unter anderem auch Zeitungskioske verstärkt am Buchmarkt teilhaben, anders darstellt. Hier ist es vor allem das erfolgreiche Literaturfestival in Mantova, das Maßstäbe setzt. Unterschiede über Unterschiede auch, was die traditionellen Formate von Literaturveranstaltungen angeht: Zuzuhören, wie ein Autor eine gute Stunde lang aus einem Buch liest, ist im deutschsprachigen Raum von Stadtbüchereien, über Buchhandlungen zu Szenecafés eine völlig normale Veranstaltungsform; für ein spanisches, französisches oder portugiesisches Publikum dagegen mehr Ausnahme denn Regel.
Schon die Ahnung zahlreicher Eigenarten bewahrt davor, vom Bekannten ohne Weiteres auf das Fremde zu schließen, etwa ein deutsches Literaturhaus eins zu eins auf eine englische oder ungarische Umgebung übertragen zu wollen. Allerdings kann gerade das Andere, das Nichtübertragbare, jenen zündenden Funken schlagen, der der eigenen Entwicklung eine unerwartete und neue Wendung gibt. In diesem Sinne sei ausgehend von der Literaturhäuserrevolution im deutschsprachigen Raum von einigen Eigenarten und Perspektiven berichtet, aufgegliedert in drei Punkte:
Bürger in Bewegung
Gelegen in repräsentativen Gebäuden der Innenstadt bilden Literaturhäuser zumeist ein Ensemble aus Veranstaltungs- und Ausstellungsräumen, einem Restaurant und Café sowie einer Buchhandlung. In diesem Zusammenspiel haben sie sich zu wichtigen urbanen Treffpunkten entwickelt, zu Orten des Stadtgesprächs, in denen verschiedene gesellschaftliche Gruppen sich austauschen und bürgerschaftliche Initiativen und Kooperationsideen ihren Ausgang nehmen. Voraussetzung ist ein intakter Spannungsbogen zwischen Programmbereich und Gastronomie, das Gefühl, dass das Literaturhaus bereits mit Betreten des Lokales (und der Buchhandlung) beginnt; und nicht erst im Veranstaltungssaal. Genau dies aber ist die Achillesferse des ganzen Konzepts: Viele Häuser hatten in ihrer Geschichte erheblich damit zu kämpfen, Gastronomiebetreiber zu finden, die Charakterstärke und Sensibilität für die Literaturhausidee mit Wirtschaftlichkeit in Einklang zu bringen wussten. Funktioniert indes dieses heikle Gefüge, so können Literaturhäuser auch in stadtplanerischen Überlegungen eine wichtige Rolle spielen und dazu beitragen, alte, brachliegende oder neue, zu Sterilität neigende Stadtteile zu prägen und zu beleben. Die Verankerung der Literaturhäuser im städtischen Leben hängt zu einem großen Teil auch mit den Gründungsgeschichten und Organisationsformen zusammen. Literaturhäuser sind als Verein, seltener als Stiftung aufgestellt und agieren als solche unabhängig. Zumeist haben sie mehrere hundert, wenn nicht tausend Mitglieder und werden flankiert von unterstützenden Freundeskreisen. Zwar wurde ihre Gründung die Bereitstellung der Immobilie im Besonderen fast immer von der öffentlichen Hand, das heißt den Städten, manchmal auch den Ländern, unterstützt. Die Initiative allerdings lag mehrheitlich im privaten Bereich: Kulturschaffende, Verleger, literaturinteressierte Bürger waren es, die, unterstützt von juristisch und wirtschaftlich beratenden sowie politisch einflussreichen Stadtpersönlichkeiten, den Prozess zur Hausgründung in Gang brachten. Benefizprogramme, die von namhaften Schriftstellern und sympathisierenden Kultureinrichtungen anderer Sparten mitgetragen wurden, entwickelten sich in vielen Fällen zu erfindungsreichen Fundraising-Kampagnen. Befügelt durch ein wachsendes Medieninteresse sowie durch Anschubfinanzierungen von Stiftungen und Unternehmen entstanden schließlich Bürgerbewegungen mit gesellschaftlichem Gewicht, die sich die Literaturhaussache finanziell und ideell so zu eigen machten, dass sie den Häusern auch nach ihrer erfolgreichen Gründung treu blieben.
Der Besitz des Hauses, beziehungsweise seine mietfreie oder -pflichtige Nutzung, stellt eine zentrale Säule für die Finanzierung des laufenden Betriebs dar. Die Einnahmen aus der Verpachtung des Restaurants sowie der Buchhandlung fließen zumeist direkt in das Hausbudget. Außerdem werden die Veranstaltungsräume auch an externe Veranstalter, kulturelle (Vereine, Stiftungen, Lesekreise...) und nichtkulturelle (Fachkongresse, Hochzeiten...) vermietet. Die zweite wichtige Säule sind Stiftungszuschüsse, Spenden und Sponsoring. Drittens schlagen die Jahresbeiträge der Vereinsmitglieder sowie die des Freundeskreises zu Buche, viertens die Einnahmen aus Eintrittsgeldern. Nehmen wir das Literaturhaus Stuttgart als Beispiel, so machen all diese Einnahmen zusammen gut zwei Drittel des Gesamtetats aus. Der Restbetrag wird aus öffentlichen Quellen abgedeckt, vor allem durch den festen städtischen Jahreszuschuss und Projektmittel des Bundeslandes. Auch wenn das Verhältnis zwischen öffentlicher und privater Finanzierung von Stadt zu Stadt stark variieren kann, gehört diese Art Mischkalkulation zu den Grundprinzipien des Literaturhauskonzepts. Die materielle Verantwortung ist breit in die Gesellschaft verteilt.
Programm mit Langzeitwirkung
In den letzten zehn Jahren ging der Trend in der Kulturpolitik dahin, die Grundfinanzierung von Kultureinrichtungen zurückzufahren zugunsten von Projektförderung und der Finanzierung einmaliger Großereignisse. Der daraus resultierende Vorteil: mehr Flexibilität, mehr Handlungsspielräume. Gewohnheitsrechte werden aufgebrochen, durch Dauerförderungen blockierte Haushalte dynamisiert. Gerade im Bereich der Literatur hat diese Tendenz indes auch gewichtige Nachteile. Gefährdet ist die Nachhaltigkeit und die Kontinuität der Arbeit. Neues nicht nur anstoßen, sondern auch fortentwickeln, Themen und Debatten über längere Zeit aus wechselnden Blickwinkeln betrachten, mit Autoren im Gespräch bleiben und ihre Entwicklung über Jahre verfolgen: Werte, auf die sich langfristiges Vertrauen und Treue des Publikums gründen. Literatur auf Schiffen, in Flughäfen, zoologischen und botanischen Gärten oder Einkaufspassagen kann ein belebendes Element sein, in Überdosis aber auch ermüdend und kontraproduktiv.
Was nachhaltige Langzeitwirkung angeht, haben die Literaturhäuser beste Voraussetzungen: Wie Theater, Opern, Konzerthäuser oder Museen vertrauen sie auf das Intendantenprinzip, bemühen sich also um ein persönliches, experimentierfreudiges Profil, das der Schwerfälligkeit und Halbherzigkeit von Gremienentscheidungen entgeht. Grundsätzlich besteht der Anspruch, nicht nur passiv auf die von Verlagen vorbereiteten Lesereisen zu reagieren, sondern Programme selbst zu gestalten, eigenwillig und risikobereit: zum Beispiel durch Themenmonate, Aufträge zu Originalbeiträgen, ungewöhnliche Podiumskonstellationen oder ausschweifende Veranstaltungsreihen, die einem Autor, einer Gattung oder einem Thema über Monate treu bleiben. Dreh- und Angelpunkt des Programmrepertoires bleibt in allen Häusern die klassische Lesung mit anschließendem Gespräch, moderiert von stadtbekannten Kritikern oder Schriftstellerkollegen. Das reicht von der Präsentation eines jungen ortsansässigen Kriminalautors über eine ukrainische Lyriknacht bis zu Auftritten von Publikumsmagneten wie Imre Kertész, Jonathan Franzen, Michel Houellebecq oder Orhan Pamuk, für die die Häuser (mit ihren etwa zweihundert Plätzen) dann in fünf mal so große Theater oder Konzerthäuser umziehen müssen.
Vorbei sind die Zeiten, in denen man zu Literaturveranstaltungen mehr aus Edelmut oder Pflichtgefühl ging, selbstverständlich ohne Eintritt zu bezahlen. Das Publikum hat über lange Prozesse vor allem der Mundpropaganda die Sicherheit gewonnen, im Literaturhaus strahlende und unikale Abende zu erleben, die dem Kino- oder Theaterbesuch nicht nachstehen. Und auf das Publikum zuzugehen, heißt gerade nicht, gefällig zu werden, der Literatur ihre anarchischen Widerhaken zu glätten. "Anspruchsvoll" ist nicht das Gegenteil von "populär" Nachhaltige Gunst des Publikums wird es ohne nachhaltige Forderung des Publikums nicht geben.
Auch tagsüber zeigen Literaturhäuser Präsenz und beschreiten vor allem zwei Wege: Ausstellungen und Schreibwerkstätten. Bei ersteren reicht die Spannbreite von der Comicpräsentation im Veranstaltungssaal bis hin zu groß angelegten und extern kuratierten Wanderausstellungen, mit Themen wie "Hannah Arendt" oder "Die Kinder der Manns", die in separaten Galerieräumen zu sehen sind, von Begleitprogrammen flankiert werden und auch überregional auf Resonanz stoßen. Attraktiv sind sie auch für Schulklassen und ziehen so schon heute die Besucher von morgen ins Haus. Das gilt auch für die Schreibwerkstätten, die sich in den meisten Häusern an Jugendliche, in einigen auch an Erwachsene richten. Hier sind in den letzten Jahren große, oft stiftungsfinanzierte Projekte entstanden, die mit Schulen kooperieren, Publikationen entstehen lassen, übernationale Kontakte suchen und dabei Autoren der Stadt über längere Zeiträume als Dozenten in die Arbeit des Hauses einbinden.
Auf Bindungssuche
Das wichtigste Wort in der Literaturhausarbeit lautet Kooperation. Die allerwenigsten Abende finden ohne Veranstaltungspartner statt. Das kann ein ausländisches Kulturinstitut sein, ein Verlag, ein Universitätsinstitut oder eine Stiftung, aber auch Rundfunksender, die Gesprächsreihen aus den Häusern übertragen, Zeitungen, die gemeinsam mit den Häusern Essays in Auftrag geben, ein großes Museum, das Schriftsteller ihr Lieblingsbild erklären lässt, ein Theater, das eine Lesung von Michael Frayn mitveranstaltet, während im eigenen Haus sein Stück "Kopenhagen" auf dem Programm steht, ein Opernhaus, das sich anlässlich der Uraufführung von Bruno Madernas "Hyperion-Projekt" an einem Hölderlin Abend beteiligt, Anwaltskanzleien, die eine Podiumsdiskussion zum Verbot von Maxim Billers Roman "Esra" unterstützen, ein Filmbüro als Partner eines Poetry-Film-Festivals und so fort, und so fort.
Das bedeutet nicht, dass Literaturhäuser zu Gemischtwarenläden werden, die in ständiger Überschreitung der eigenen Kompetenz alles und nichts veranstalten. Gerade ein hochkarätiger Kooperationspartner erlaubt es den Häusern, sich auf das eigene Kernprofil zu konzentrieren, auch wenn der einzelne Abend die Grenzen der Literatur hin zur Musik, zur Architektur, zur Religion, zur Bildung oder zur Politik überschreitet. Dass sich durch die beidseitige Bewerbung eines gemeinsamen Abends die Zuschauerkreise zweier Einrichtungen und zweier Interessengebiete begegnen und ihre Kräfte bündeln, kommt dem Selbstverständnis des Literaturhauses als geistigem Knotenpunkt der Stadt besonders entgegen. Auch über den Mikrokosmos der einzelnen Stadt hinaus ist die Suche nach Synergien groß. Chemisch gesprochen sind Literaturhäuser Moleküle mit freien, ungesättigten Bindungen. Durch die stetige Aufnahme von Impulsen aus anderen Städten und Ländern spielen sie als Initiatoren und Ideengeber im Stadtgespräch eine belebende Rolle. Häuser wie in Berlin das Literarische Colloquium, das auch ein Stipendiatenprogramm unterhält, oder die Literaturwerkstatt, pflegen über lange Jahre Beziehungen zu ausländischen, speziell europäischen, Einrichtungen und verfügen so über einen fruchtbaren Erfahrungsschatz.
Intensive Kooperationserfahrungen haben auch jene acht großen deutschsprachigen Literaturhäuser Berlin, Hamburg, Frankfurt, Salzburg, München, Köln, Stuttgart und Leipzig , die sich unter dem Namen "literaturhaeuser.net" zu einem Verbund zusammengeschlossen haben. In München wurde eine paritätisch finanzierte Geschäftsstelle eingerichtet, die die gemeinsamen Aktivitäten der Häuser koordiniert und die Internetseite "www.literaturhaeuser.net" betreut. Die erste gemeinsame Aktion aller Häuser, "Poesie in die Stadt!", die sich nun jeden Sommer mit wechselnder Thematik und wechselndem Geldgeber wiederholt, bestand darin, in ganz Deutschland mehr als dreitausend Großplakate mit Gegenwartslyrik zu kleben. Über die Jahre gab es dann diverse Formen der Zusammenarbeit: Lesereisen mit wichtigen, vom großen Publikum noch unentdeckten Autoren (vor Jahren etwa Richard Powers oder Kiran Nagarkar) oder das Projekt "Transnationale", für das zu einem Zeitpunkt und zu einem Thema (eben transnationale Literatur) in allen Häusern bewusst verschiedene Abende veranstaltet wurden. Alljährlich auf der Leipziger Buchmesse vergibt das Netzwerk überdies den "Preis der Literaturhäuser", mit dem Autoren für besonders gelungene Literaturveranstaltungen ausgezeichnet werden.
Als Vorteil erweist sich, dass sich für die Häuser im Zusammenschluss andere Möglichkeiten der Geldakquise auftun. Das betrifft vor allem die großen Stiftungen, staatliche und private, die froh sind, mit einem zentralen Ansprechpartner und einer einzigen Bewilligung in verschiedenen Landesteilen lokal angebundene Projekte zu finanzieren. So fließen über das Netzwerk immer mehr Gelder in die Städte, die ohne das Literaturhaus vorbeigeflossen wären; kein unwichtiges Argument gegenüber der kommunalen Politik. Auch die Öffentlichkeitsarbeit der Häuser wird, gerade bei überregionalen Zeitungen und Funkhäusern, mit den gemeinschaftlich durchgeführten Projekten erleichtert. Seit mehreren Jahren hat "literaturhaeuser. net" zudem einen Vertrag der Medienpartnerschaft mit dem Fernsehkanal ARTE unterzeichnet.
Was die europäische und generell internationale Vernetzung angeht, ist das Potenzial indes längst noch nicht ausgeschöpft. Hier steht die Literaturhäuser- Gemeinschaft vor großen Herausforderungen. Ein Schritt in die richtige Richtung ist das aufwändige Stadtschreiberprojekt, das "literaturhaeuser.net" nun zum zweiten Mal gemeinsam mit dem Goethe-Institut, ARTE, der Frankfurter Buchmesse und Einrichtungen des Partnerlandes durchgeführt hat: Sieben deutsche Literaturhausstädte entsandten letztes Jahr je einen Autor für einen Monat in eine indische Stadt, mit dem Auftrag, ein Tagebuch zu schreiben. Dieses war dann tagtäglich zweisprachig im Internet nachzulesen. Im Gegenzug kamen sieben indische Autoren als Stadtschreiber in die deutschen Städte. Entstanden sind Texte, die geprägt sind von der ungeschützten Unmittelbarkeit des täglichen Schreibens einerseits und der durch die Länge des Aufenthalts bedingten Verschiebungen der Sichtweise andererseits. Zwei Jahre zuvor fand das Stadtschreiberprojekt in Zusammenarbeit mit sieben arabischen Städten statt, Kandidat für 2008 ist die Türkei.
Insgesamt sind das nun drei gute Gründe, warum dem Literaturhausmodell die Zukunft gehört. Eines aber tritt aus allen Punkten klar zu Tage: Literatur ist nicht das schwache Pflänzchen, dem die Städte aus Artenschutzgründen Häuserreservate bewilligen müssten. Im Gegenteil. Feste Wurzeln verankern die Literatur in der Gesellschaft und befördern deren Zusammenhalt nachhaltig und langfristig. Am meisten profitieren die Städte selbst von den Literaturhausgründungen. Was sie investieren, erhalten sie in vielfacher Weise und Menge zurück.
Dieser Beitrag erschien im ifa Kulturreport 2007.
FLORIAN HÖLLERER ist seit 2000 Leiter des Literaturhauses Stuttgart. Er studierte Germanistik und Romanistik, war zwei Jahre assistant instructor an der Princeton University; erhielt den Ehrenpreis der Lyoner Académie des Sciences, Belles Lettres et Arts und hatte zuletzt eine Projektstelle am Goethe-Institut Brüssel zum Kulturstadtprogramm Bruxelles 2000 inne.
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