20.07.2012

Autor*in

Dirk Heinze
Fachbeitrag

Es werde Licht! LED-Technik wird für Kultureinrichtungen zunehmend interessant

Ein geschichtsträchtiges Museum und High-Tech von heute passt das zusammen? Selbstverständlich. Die neue LED-Außenbeleuchtung des weltberühmten Louvre in Paris liefert den Beweis.
Seit Dezember 2011 lässt die von Toshiba speziell für den Louvre entwickelte LED-Beleuchtung die gläserne Eingangspyramide erstrahlen. Eine Premiere auch für das Museum, dessen Fassade erstmalig mit Hilfe dieser langlebigen und energieeffizienten Lichttechnologie erhellt wird. Aufgrund der niedrigeren Lampenzahl sowie der Langlebigkeit der LEDs verringert sich neben den Stromkosten auch der Wartungsaufwand für das Museum erheblich. Die LED-Beleuchtung des Louvre ist so konzipiert, dass sie die architektonische Schönheit und Einzigartigkeit des historischen Baus besonders zur Geltung bringt. Insofern gelingt es hier, Aspekte der Nachhaltigkeit mit ästhetisch-künstlerischen Zielen zu verbinden. Im Mai 2012 wurden nun auch die restlichen Fassaden des Cour Napoléon ("Napoleonshof") durch Toshiba LEDs erleuchtet, bevor 2013 die Installationen im Cour Carre ("Viereckshof") abgeschlossen sein werden.

Dank LED kann man von einem Durchbruch in der Lichttechnik sprechen. Indem LEDs nicht länger mehr nur als Leuchtdioden eingesetzt werden können, sondern auch Tageslicht spenden, erweitern sich deren Anwendungsgebiete erheblich. So können nun Hotels, Schulen oder öffentliche Gebäude mit entsprechender Lichttechnik ausgestattet und Energiekosten gespart werden. In diesem Zusammenhang wird dies auch für die meist unterfinanzierten Kulturbetriebe interessant. Laut Herstellerangaben lassen sich bis zu 80 % Energiekosten sparen. Beim Louvre liegt die Ersparnis bei 73 %. Und hier kommt dazu, dass es nicht mehr auf die Beleuchtungskonzepte im Ausstellungsbereich beschränkt ist, sondern auch Außenbereiche wie z.B. Fassaden wirkungsvoll und trotzdem effizient illuminiert werden können. Licht macht Kunst und Architektur sichtbar und setzt sie eindrucksvoll in Szene. Optimales Licht verstärkt innen wie außen das Kunst- und Kulturerlebnis.


Auch Philips konnte inzwischen den Anwendungsbereich der LED-Technik und damit seinen Kundenbereich deutlich erweitern. Der Bereich Philips Entertainment EMEA mit Sitz im niederländischen Enschede entwickelt heutzutage spezielle Beleuchtungssysteme für Konzerthallen, Theater, Themenparks, Clubs und Museen. Ein Beispiel ist das ägyptische Museum in Turin. Die italienische Philips-Tochter Ilti Luce wurde beauftragt, im Museo Egizio die prächtige, 3.000 Jahre alte Ruhestätte des Kha ins rechte Licht zu setzen. "Eine Ausstellung kann durch Licht wirklich zum Leben erweckt werden", erklärt Nicola Polzella, Vertriebs- und Marketingleiterin bei Ilti Luce. "Die Beleuchtung muss deshalb absolut stimmen. Ein Museum zu beleuchten ist daher keine einfache Sache." Gerade die Museumsdirektorin Dr. Eleni Vassilika war gegenüber der LED-Technik entsprechend skeptisch. Das Ergebnis allerdings überzeugte: "Wir probierten verschiedene Ansätze aus und entschlossen uns schließlich, den Sarkophag mit einem der neuen LED-Kabel von Philips zu beleuchten", so Polzella. "Als die Direktorin sich das Grabmal ansah, sagte sie nur: 'Unglaublich. Das ist genau das Licht, das ich mir für meine Objekte vorstelle'" Hinzu kam die einfache, schnelle Bedienbarkeit des Systems und die enorme Effizienz der LEDs. Zur Beleuchtung aller Artefakte sowie der reich verzierten, ineinander geschachtelten Särge werden lediglich 250 Watt benötigt, während vorher etwa 500 Watt für die Leuchtstofflampen sowie weitere 2.400 Watt für jetzt völlig überflüssige, nach oben gerichtete Strahler erforderlich waren. Und diese geringere Leistungsaufnahme spiegelt sich natürlich auch in erheblich niedrigeren Stromkosten wider.


Die Firma ERCO mit Sitz im nordrhein-westfälischen Lüdenscheid gehört ebenfalls zu den Spezialisten in der Branche. Tune the Light, so das Motto - man versteht sich als Verkäufer von Licht, nicht von Leuchten. Mehr und mehr hat sich auch ERCO nicht nur auf die Innenausleuchtung beschränkt, sondern entwirft durchgängige, ganzheitliche Lichtlösungen in der Architektur insgesamt. Zu den Referenzprojekten gehört das Brandenburger Tor - DAS Wahrzeichen von Berlin. Nach der Wende wurde es restauriert und neu beleuchtet - mit Leuchten aus dem ERCO Außenraum-Programm. Die Bilder gingen um die Welt: Hunderttausende von Menschen feierten die Enthüllung des restaurierten Brandenburger Tors am 3. Oktober 2002, dem Tag der Deutschen Einheit in Berlin. Geschäftsführer Lay Pawlik betont, dass die LED eine Punktlichtquelle darstellt und damit ein briliantes Licht erzeugt. "Zum anderen ermöglicht die Kleinheit der LED-Elektronik ganz neue Gestaltungsansätze für die Leuchten selbst." In Kenntnis dieser Potenziale in Design und Energieeffizienz betreibt ERCO seit einigen Jahren bereits Grundlagenforschung.

Dass die Investition in die LED-Technik kein Schnäppchen ist, versteht sich von selbst. Doch sowohl für öffentliche als auch private Kultureinrichtungen lohnt es sich, über eine Finanzierung nachzudenken. Wenn auch der Staat die Umrüstung nicht direkt fördert, so stellt er zumindest über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Kredite zur Verfügung. Diese werden aus Mittel des European Recovery Programme (ERP) des Bundes gespeist. Der Finanzierungsumfang und die Laufzeit sind recht variabel, die Investitionssumme allerdings auf 2 Millionen Euro begrenzt. Durch die zu erwartenden Einsparungen rechnen sich solche Kredite auf lange Sicht. Zudem könnte das Haus mit der dann besseren Umweltbilanz in seiner Öffentlichkeitsarbeit werben.

Die Erweiterung der LED-Technik auf den Außenbereich weist damit in eine für Kultureinrichtungen aktuell sehr interessante Richtung, zumal gerade Museen bereits in der Ausstellungsgestaltung mit entsprechenden Unternehmen zusammenarbeiten. Sie können nun durch gezielte Investitionen in technische Innovationen gleich mehrere Ziele auf einmal erreichen: Geld sparen, ihre Umweltbilanz verbessern, mit interessanten Partnern zusammenarbeiten und für zusätzliche wirtschaftliche Impulse sorgen.