21.10.2013

Autor*in

Michaela von Trauchburg
"art but fair" und das Schauspielhaus Salzburg

Hinter dem Bühnenvorhang lauert der Abgrund!

"Es reicht!«, so beginnt das erste Posting auf der am 19. Februar 2013 gegründeten Facebookseite "Die traurigsten & unverschämtesten Künstler-Gagen und Auditionserlebnisse".
Musical-Produzent Johannes Maria Schatz wollte ursprünglich eine »Klagemauer« für KünstlerInnen schaffen. Innerhalb weniger Stunden hatte die Seite mehrere Hundert Likes, nach sechs Tagen über 2.000 und aktuell über 14.000. Woran liegt das?

Die Gehalts- und Arbeitsbedingungsabgründe, die KünstlerInnen seit Februar, meist anonym, veröffentlicht haben, sprechen Bände. Hier spiegelt sich das Personalentwicklungs-Desaster im Kulturbetrieb wider.

Eigene Personalabteilungen oder Personalverantwortliche gibt es meist nicht. Professionelle Instrumente des Personalmanagements wie: Personalentwicklungskonzepte, regelmäßige Mitarbeitergespräche und Qualifizierungsmaßnahmen fehlen gänzlich.
Hinzu kommt, dass schlechte Bezahlung ein ganz »normaler« Zustand im Kulturbetrieb ist. Frei nach dem Motto: »Berufung ist doch Antrieb genug.«

Die finanzielle Schieflage der Kultur auf dem Rücken des Kulturpersonals auszutragen kann aber nicht die Strategie der Wahl sein. Deshalb braucht es dringend Initiativen wie »art but fair«, Solidarität zwischen KünstlerInnen und eine breite Öffentlichkeit.

Die bekam »art but fair«, als Festspielstar Elisabeth Kulman die Arbeitsbedingungen bei den Salzburger Festspielen anprangerte. Gemeinsam mit Johannes Schatz rief sie »die Revolution der Künstler« aus. Die Initiatoren verfassten die »Goldenen Regeln künstlerischen Schaffens« und entwarfen das Gütesiegel »art but fair«. Ein Banner, das den respektvollen und fairen Umgang innerhalb des Kulturbetriebs gewährleisten soll.

Das erste österreichische Theater, das sich den »Goldenen Regeln künstlerischen Schaffens« verpflichtet hat, ist das Schauspielhaus Salzburg. Kulturmanagement Network sprachen mit Robert Pienz dem Intendanten des Theaters.

KMN:
Herr Pienz, was hat sie dazu bewogen, sich den »art but fair« -Regeln zu verpflichten und was bedeutet das konkret für das Schauspielhaus Salzburg und die KünstlerInnen, die bei Ihnen arbeiten?

Robert Pienz: Der erste Kontakt lief über das Kennenlernen von Elisabeth Kulman und über diese beeindruckende Begegnung ist das Interesse an »art but fair« erwacht. Auf der Website fand ich nichts, womit ich mich nicht persönlich identifizieren konnte und für das unser Betrieb nicht steht. Die goldenen Regeln definieren einen Kodex, wie zwischen Theaterunternehmen und KünstlerInnen kommuniziert werden soll und wie Geschäfte gemacht werden sollen. Diese Regeln sind so einfach und eigentlich selbstverständlich, dass man sich eher wundert, dass Theater sich ihnen nicht anschließen. Zum Beispiel, dass es schriftliche Verträge geben muss oder Bewerbungsentscheidungen möglichst zeitnah mitzuteilen sind oder ich mich MitarbeiterInnen gegenüber fürsorglich, loyal und gerecht verhalte.

Aber besonders interessant finde ich an "art but fair", dass diese Regeln auf mehreren Ebenen ansetzen. KünstlerInnen, Intendanten, Kulturbetriebe, Politiker und Ausbildungsbetriebe sind eingebunden. Und nur wenn sich Exponenten aller Ebenen mit "art but fair" identifizieren, kann das zu einer umfassenden Verbesserung führen. Immerhin hat sich auch der deutsche Bühnenverein mit "art but fair" assoziiert und erhöht damit den Druck auf die Fördergeber, die Theater in einem Umfang zu finanzieren, der die Umsetzung der "art but fair"- Prinzipien ermöglicht.

KMN: Unterbezahlung wird gerade in kleinen Häusern mit knappen Ressourcen gerechtfertigt. Die Goldenen Regeln sehen auch eine angemessene Bezahlung von Proben und Auftritten vor. Ist das mit ein Grund, warum andere ihrem Beispiel nicht folgen?

Robert Pienz:
Es fällt mir schwer die Motive der anderen zu erklären. Dass Bezahlung immer eine relative Sache ist, liegt gerade im Kunstbereich auf der Hand. Angemessen ist für mich grundsätzlich über die Standards von Kollektivverträgen definiert und darüber, dass es im Betrieb keine unverhältnismäßigen Sprünge zwischen den Gehältern geben darf.

KMN: Was hindert ihrer Meinung nach hochdotierte Häuser an der Verpflichtung?

Robert Pienz:
Im Endeffekt braucht es wahrscheinlich nur einen Schritt im Kopf und im Herzen. "art but fair" stellt eigentlich keine maßgebliche Einschränkung da, sondern definiert nur eine gemeinsame Basis ethischen Handelns.
 
Tipps zum Thema:
Personalentwicklung in der Kultur ist Schwerpunktthema unserer aktuellen KM Magazin Ausgabe. Sie können alle bisher erschienen Ausgaben kostenlos herunterladen. Um das KM Magazin regelmäßig per Email zu beziehen, registrieren Sie sich einfach kostenfrei auf unserem Portal.
 
Am 24. und 25. Oktober 2013 veranstaltet Kulturmanagement Network die Fachtagung KM Konkret Personalmanagement in der Kultur. Die Tagung findet dieses Jahr im Rahmen des KulturInvest Kongresses in Berlin statt. Schwerpunkt der KM Konkret sind die besonderen Herausforderungen der Personalentwicklung in der Kultur. ExpertInnen aus Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft geben Inputs rund um das Thema.
 
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