11.02.2015

Autor*in

Karin Wolf
ist Gründerin und Direktorin des Instituts für Kulturkonzepte, Wien. Sie ist seit 1984 im internationalen Kulturbereich tätig und hat regelmäßig Lehraufträge zu Kulturmanagement inne, u.a. in Wien, Graz und Belgrad. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen Personalentwicklung, Jobcoaching und Karriereplanung, Teamentwicklung und Führungskräftetraining, PR- und Marketing.
Rückblick Symposium Kulturvermittlung 2015

Kulturvermittlung - für wen?

Am 23. und 24. Jänner 2015 widmeten sich KulturvermittlerInnen, Lehrende, StudentInnen und VertreterInnen aus renommierten Institutionen im Festspielhaus St. Pölten unter dem Motto "Für wen denn schon Kultur vermitteln?" dem Phänomen, dass die Vermittlung von Kunst & Kultur schon längst über die Kunstinstitutionen hinausgewachsen ist und in ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Feldern angekommen ist.
Fachvorträge, Best Practice Beispiele und praktische Workshops gruppierten sich um die 4 Säulen Internationalität & Migration, Stadtentwicklung, Randgruppenarbeit und qualitative Besucherforschung herum. Interkulturelle Zielgruppenarbeit und innovative Besucherentwicklung hatten dabei als gemeinsame inhaltliche Herausforderung einen zentralen Stellenwert.

Zwei intensive Tage lang bot das Symposium eine Plattform und einen Freiraum für neue Ideen und Denkweisen und förderte den direkten Austausch mit ExpertInnen und KollegInnen.

Die Stimmung im gut besuchten Symposium war sehr angeregt. Das Engagement und die Bereitschaft der BesucherInnen, sich aktiv an den zahlreichen Diskussionen und Gruppenarbeiten zu beteiligen bewies, dass das explizite Anliegen der OrganisatorInnen Diana Costa, Josef Winkler und Susanne Wolfram umgesetzt wurde: Das Initiieren von neuen Projektideen und Kollaborationsmöglichkeiten, Perspektivenwechsel und Inspirationen für das eigene Arbeitsfeld.

Eine Auswahl der Vortragenden zeigt, wie vielfältig sich dem Thema der Kulturvermittlung genähert wurde. Monica Delgadillo Aguilar beantwortete die Fragen: Wieviel Beziehungsarbeit ermöglicht unser KulturvermittlerInnen-Alltag? Ist Stadt(teil-)entwicklung ohne Kulturvermittlung überhaupt machbar und welche Modelle der gegenseitigen Wertschätzung werden dafür notwendig?
 

Sie berichtete vom integrativen Projekt Tanz die Toleranz, an dem in der Brunnenpassage in Wien Menschen unterschiedlicher Herkunft an Kunstprojekten mitwirken und sich dabei kennenlernen können. Hier treffen sich Menschen um gemeinsam mit professionellen KünstlerInnen zu proben, zu produzieren und auf der Bühne zu stehen. Die Brunnenpassage begreift den Zugang zu Kunst und Kultur als Menschenrecht. Kunst ermöglicht Menschen die eigene Identität zu finden und auszuleben. Tanz die Toleranz macht erlebbar, dass kulturelle Vielfalt die Gesellschaft bereichert.

Andreas Fehr wiederum näherte sich dem Thema von einer ganz anderen Seite. Er animierte in einem Workshop zum Thema Service Design die TeilnehmerInnen, Methoden des Marketing zu nutzen, um die Kommunikation mit bestehenden und neuen DialogpartnerInnen und Zielgruppen zu analysieren und neue Kommunikationswege zu beschreiten. Service Design wurde sowohl als Geisteshaltung als auch wirkungsvolles Instrument zur bedürfnisorientierten Gestaltung von Produkten und Dienstleistungen erlebbar.

An beiden Tagen wurde intensiv diskutiert und es wurden Erfahrungen ausgetauscht: Wie gut kennen die Kulturorganisationen ihre DialogpartnerInnen und Zielgruppen wirklich? Spiegeln sich veränderte demografische Bedingungen ausreichend in den Programmen und Angeboten wider? Wie steht es um die Evaluierung und Messbarkeit der Effekte? Und kann die Wissenschaft den VermittlerInnen helfen, ein immer noch vages Berufsfeld zu stärken und außer Frage zu stellen? Oder legitimiert vielmehr die praktische Arbeit ein neues Forschungsfeld an den Universitäten und Fachhochschulen?

Die Dokumentation dieser inhaltlich sehr umfangreichen und anregenden Veranstaltung ist online zu finden: http://www.kulturvermittlung.net