04.02.2013

Autor*in

Anja Henrike Kleinke
Fachbeitrag

Lobbying für öffentliche Museen Geschichte, Theorie und Praxis

Gibt es eine Lobby für öffentliche Museen in Deutschland? Und wenn ja: Wie ist sie entstanden und was macht sie? Danach fragt Anja Henrike Kleinke in ihrer Dissertation an der Technischen Universität Berlin.

Ein Ziel ist, den Blick zu öffnen für aktive Interessenvertretung und strategische Partnerschaften öffentlicher Museen in Deutschland vor ihrem geschichtlichen Hintergrund und im Zuge aktueller Herausforderungen.

Die öffentlichen Haushalte sind überschuldet. Es werden Einsparungen vorgenommen, neue Verwaltungs- und Finanzierungsmodelle geprüft und Bürokratie abgebaut. Inzwischen sind viele Museen von den Spar- und Umstrukturierungsmaßnahmen betroffen. In der Folge sind Personalabbau, Diskussionen um Museumsschließungen und Verkäufe von Objekten keine Tabus mehr. Es geht für die öffentliche Museumslandschaft darum, trotz sinkender finanzieller Mittel von Seiten der Öffentlichen Hand in ihrer jetzigen demokratisch legitimierten Form, ihrer Vielfalt und in ihrem Umfang bestehen zu können.

Rahmenbedingungen aktiv mitgestalten

Öffentliche Museen und ihre Interessenvertreter sind daher, wie auch die Untersuchung zeigt, gefordert, sich ihrer Dependenzen, Vernetzungen und Möglichkeiten bewusst zu sein und aktiv Lobbyarbeit zu betreiben, um die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit zu gestalten. Auf diese Weise haben sie Anteil an der Mitwirkung bei Entscheidungsfindungsprozessen in der freiheitlich-pluralistischen Ordnung Deutschlands. Der Begriff "öffentliche Museen" meint hier Museen in Trägerschaft der Öffentlichen Hand, Mischformen aus öffentlich-privaten Kooperationen und Ausgliederungen aus den öffentlichen Haushalten.

Die Idee zu dieser Arbeit entstand während der Tätigkeit der Autorin für das Projektmanagement der Museumsinsel Berlin in den Jahren 2000 bis 2006. Anhand von Beispielen aus den Bereichen Museen, Kulturverbände und Kulturpolitik und einer Reihe von Expertengesprächen wird das Lobbying für öffentliche Museen exemplarisch aufgezeigt.

Viele der Lobbying-Akteure sind untereinander vernetzt. Sie sind auf regionaler, Landes-, Bundes und/oder EU-Ebene für Kulturthemen aktiv. Wesentliche Akteure haben sich dazu auch in der sogenannten Lobbyliste des Bundestages oder dem Transparenzregister der Europäischen Union als Interessenvertreter eingetragen oder werden dort durch Verbände vertreten.

Lobbying gehört zum Alltag

Lobbying gehört für die Interessenvertretungen öffentlicher Museen, für die Kulturpolitik und für die Kulturverbände vielfach zum Alltag. Die Geschichte der öffentlichen Museen ist eng verbunden mit der Geschichte ihrer Interessenvertretungen. Wesentlich sind und waren auch die Einflüsse der kulturpolitischen Rahmenbedingungen. So war es in den verschiedenen deutschen Staatsformen nicht immer möglich, ein öffentliches Museumsangebot frei von politischen Einflüssen zu gestalten. Auch die Entstehung von Museumsvereinen unterlag vielfach rechtlichen oder politischen Auflagen. Insbesondere dank des großen Engagements von Museumsfachleuten, Mäzenen, Fördervereinen, Spendern, Verbänden und der Kulturpolitik haben sich öffentliche Museen in Deutschland so umfangreich entwickeln können.

Große Verantwortung und hoher Stellenwert

Die Interessenvertretungen öffentlicher Kultureinrichtungen haben auch heute eine große Verantwortung hinsichtlich ihrer Zukunftsgestaltung und -sicherung. Je stärker das Bewusstsein für die eigene Rolle und Verantwortung bei der Mitgestaltung ihrer Rahmenbedingungen ist, desto dynamischer entwickeln sich strategische Partnerschaften und Allianzen für die Interessen der Museen. Die Vielzahl und Vielfalt der Interessenvertretungen und das große Engagement der Beteiligten zeigen, welchen hohen Stellenwert öffentliche Museen in Deutschland genießen. Museumslobbying und Zukunftssicherung öffentlicher Museen erweisen sich somit als miteinander eng verbunden.

Die Dissertation "Zukunftssicherung öffentlicher Museen in Deutschland durch Lobbying. Grundlagen, Chancen, Perspektiven" wurde an der Technischen Universität Berlin in der Fakultät VI Planen Bauen Umwelt eingereicht. Gutachter sind Univ.-Prof. Dr.-Ing. Dorothée Sack und Univ.-Prof. Dr. Rudolf Schäfer.

Quellen:

Dissertation Anja Henrike Kleinke, Technische Universität Berlin

Kleinke, Anja Henrike, Lobbying sichert die Zukunft von Museen, Thesen und Befunde der in Arbeit befindlichen Dissertation. In: ICOM Deutschland Mitteilungen 2012, Berlin Juni 2012, S. 8-9
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