11.04.2011
Fachbeitrag

Micheletti-Preis geht nach Deutschland. Auszeichnungen für europäische Museen

Die DASA Arbeitswelt Ausstellung in Dortmund bot am vergangenen Wochenende die Bühne für die Verleihung von drei europäischen Museumspreisen.
Vor einem Publikum mit rund 100 Gästen aus der internationalen Museumswelt überreichte Prinzessin Sibilla von Luxemburg für die Micheletti-Foundation in der Stahlhalle der DASA die begehrte Trophäe des Micheletti-Awards, der Auszeichnung für Europas bestes Industrie-, Technik- und Wissenschaftsmuseum.

Das Rennen machte in diesem Jahr ein deutsches Museum. Gewonnen hat das tim, das Staatliche Textil- und Industriemuseum (tim) in Augsburg. Das tim ist das dritte deutsche Haus, das nach der DASA im Jahr 1996 und dem Uhrmachermuseum in Villingen-Schwenningen (2003) die Auszeichnung in Händen hält. Nominiert waren insgesamt 18 Kandidaten aus neun Ländern.

"Das tim ist ein Museum, in dem Besucher Geschichte erleben können. Auf sie warten die vier M´s: Mensch-Maschine-Muster-Mode", erläutert Museumsdirektor Dr. Karl Borromäus Murr das Konzept. Im historischen Ambiente einer Garnspinnerei aus dem Jahr 1836 ist das Museum seit Januar 2010 zu Hause. Hier können sich die Besucher über die bewegte Geschichte, über Lebensläufe und Arbeitsbedingungen informieren. Das renommierte Atelier Brückner hat Teile der Ausstellung gestaltet. Die Begründung der Jury hebt die herausragende Vermittlung im Museum hervor, die über vielgestaltigen Medieneinsatz und persönliche Erläuterungen von Mitarbeitern funktioniert. Im Zentrum der Dauerausstellung steht die Musterbuchsammlung der Neuen Augsburger Kattunfabrik (NAK).

Das renommierte Atelier Brückner hat diese Stoffmuster in Szene gesetzt. Über vier Meter hohe Figuren dienen als interaktive Projektionsfläche und übersetzen die digitalisierten Stoffmuster in die dritte Dimension.

Der Micheletti-Award wird seit 1996 zu Ehren seines Stifters Luigi Micheletti vergeben. Erste Preisträgerin war die DASA. Die Luigi Micheletti Foundation widmet sich insbesondere der Erforschung der Industriearchäologie in Italien sowie der Technikgeschichte im Allgemeinen. Im Gegensatz zum "European Museum of the Year"- Award, der Ende Mai 2011 in Bremerhaven verliehen wird, kürt der Micheletti-Award nicht nur neu eröffnete oder eingerichtete Häuser, sondern kreative Umsetzungen und neuartige Interpretationen im Bereich Industrie, Arbeitswelt oder Wissenschaft.

Nicht nur Museen, sondern auch Science Center und Besucherinformationseinrichtungen können den Preis gewinnen. Eine fachkundige Jury aus ganz Europa nimmt die Häuser in Augenschein. Bewertet werden die Einrichtung als solche (Gebäude, Außenauftritt, Medieneinsatz, Organisation, Atmosphäre), die Präsentation, die lokale, regionale und (inter-)nationale Bedeuutung, der Stand museologischer Erkenntnisse und die Rolle des Museum als Forum für Diskussionen und Austausch.


Stimulation für die europäische Museumsszene

Erstmalig in diesem Jahr wurde in der DASA außerdem der EMA Award verliehen. Die neue Auszeichnung der European Museum Academy prämiert eine Institution, die Pionierarbeit für die Entwicklung von Museen in Europa leistet. In beispielhafter Weise erfüllt das Galileo Museum in Florenz die Bewertungskriterien, wie die Jury der EMA mitteilte.

Die EMA fördert Forschungen auf dem Gebiet der Museologie und bestärkt den wissenschaftlichen Austausch in Europa. Sie führt internationale Experten bei Veranstaltungen zusammen und fordert zum Dialog auf. "Wir möchten frische Gedanken in die europäischen Museen bringen", sagte EMA-Direktor Massimo Negri, gleichzeitig Wissenschaftlicher Direktor für den Masterstudiengang für Europäische Museologie an der Universität Mailand, und überreichte Direktor Professor Paulo Galluzzi den Preis in Form einer zeitgenössischen Skulptur des Schweizer Künstlers Etienne Krähenbühl. In der Begründung der Jury hierzu heißt es: "Das Museum mit seiner einzigartigen Sammlung berühmter wissenschaftshistorischer Objekte in einem eleganten und ästhetischen Ambiente unterstreicht die Bedeutung der Exponate durch einen ausgewogenen Einsatz klassischer Objektpräsentation und Multimedia-Einsatz". Es kombiniere in optimaler Weise Aktivitäten für Besucher, Forschung und Dokumentation, ist weiter zu lesen.

DASA Award für ein portugisisches Museum zur Fischerei

Die DASA feierte eine weitere Premiere: Sie vergab zum ersten Mal den DASA-Award. Vergangene, moderne oder zukünftige Arbeitswelten zu präsentieren und dabei den Menschen in all seinen Belangen, Bedürfnissen und Fähigkeiten in das Zentrum der Betrachtung zu stellen, ist selten. Deswegen will die DASA Museen mit einem solchen Ansatz ihre Anerkennung aussprechen. Im ersten Jahr hat sich die DASA in erster Linie dem Urteil der EMA-Jury angeschlossen und einen Preisträger aus den nominierten Kandidaten ausgesucht. Der Auswahl lagen daher die Kriterien für die Micheletti-Bewerbung zugrunde. Zusätzlich bewerteten die DASA-Juroren die Darstellung von Arbeitswelt in ihrem sozialhistorischen Kontext und ihrer regionalen Wirkung.

Den Kriterien standgehalten hat ein portugisisches Haus, das "Museu de Portimão" an der Algarve. "Auf sehr didaktische und sehr publikumsnahe Art der Vermittlung ist es den Planern dieses neuen Ausstellungsbereiches gelungen, nicht nur die Arbeitsvollzüge und ihre technischen Geräte, sondern das menschliche Leben in einer unsere Zeit prägenden Arbeitswelt darzustellen", begründet DASA-Leiter Dr. Gerhard Kilger in der Laudatio auf das Museum die Vergabe des Preises in Form des Modells einer "Zwangshaltung" in Bronze, einem Symbol der didaktisch-szenografischen Vermittlung in der DASA. Die Künstlerin Barbara Wilhelmi hat es gestaltet. Die DASA präsentiert mit ihrer Ausstellung, wie neue Wege beruflicher Sicherheit und die Gesundheit der Menschen zusammengebracht und in der Praxis realisiert werden können.

Eingebettet war die Preisverleihung in eine Tagung zum Thema "Qualität von Museen". Alle Kandidaten präsentierten ihre Häuser in Kurzvorträgen im Pecha-Kucha-Format und vermittelten spannende Einblicke in ihre Häuser und die neuesten museologischen Entwicklungen in Europa. Im Anschluss diskutierten die Redner über Möglichkeiten und Herausforderungen für Museen in der Zukunft.

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Foto "Glückliche Sieger, strahlende Gewinner":

(von links nach rechts)

DASA-Leiter und Preisstifter Dr. Gerhard Kilger, Prof. Paolo Galluzzi, Direktor des Museo Galileo in Florenz und Gewinner des 1. EMA-Awards, José Gameiro, Direktor des Museu de Portimao, Gewinner des 1. DASA-Awards, EMA-Direktor Dr. Massimo Negri, Ihre Königliche Hoheit Prinzessin Sibilla von Luxemburg, EMA-Chairman Wim van der Weiden, Prof. Dr. Pier Paolo Poggio von der Micheletti-Foundation und Micheletti-Award-Gewinner 2011: Dr. Karl Borromäus Murr, Direktor des tim in Augsburg.
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