30.05.2013

Autor*in

Dirk Heinze
Fachbeitrag

Verhandeln zwischen Soft und Hard Skills

Gehört Verhandlungskompetenz zur notwendigen Kulturmanagement-Ausbildung? Kulturmanagement Network hörte sich einmal bei den Studiengängen um.
"Wir sind der Überzeugung, dass die Kunst des Verhandelns auch im Studium erlernt werden kann", stellt Reinhard Stroemer von der Hochschule Bremen klar. Für ihn ist es insbesondere in einem berufsbegleitenden Studiengang wie in Bremen recht einfach, Bezüge zwischen beruflicher Praxis und der Lehre herzustellen. Bremen bietet dies in Soft-Skill-Modulen an. Stroemer weiß von positiven Feedbacks der Studierenden zu berichten. Kein Wunder: aus seiner Tätigkeit als Berater für die Kultur- und Kreativwirtschaft weiß er, wie wichtig dieses Thema für erfolgreiche Unternehmer ist und wie unvorbereitet Absolventen vieler Hochschulen und Universitäten häufig in Verhandlungsfragen sind. Und Reinhard Stroemer betont, dass Verhandlungskompetenz auch im öffentlichen Kulturbetrieb gefragt ist: "Zwar ist dort vieles durch Gesetze, Tarife, politische Vorgaben usw. reglementiert. Dennoch lässt sich auch dort erfolgreich verhandeln. Es braucht hier besondere Phantasie, um mit den genannten Beschränkungen konstruktiv umzugehen."

Verknüpfung mit den Hard Skills

Prof. Peter Lynen vom Zentrum für internationales Kulturmanagement (CIAM) in Köln sieht das Thema Verhandeln nicht nur als sog. Soft Skill. Ihm ist wichtig, dass es mit anderen Studieninhalten wie Organisation, Finanzen oder Recht - also den Hard Skills - verknüpft ist. "Man kann nur gut und erfolgreich verhandeln, wenn man die Interessen- und Sachlage beider Verhandlungspartner hinreichend analysiert hat und auch die möglichen Folgen von Verhandlungsergebnissen einschätzen kann", so Lynen. In Köln werden konkrete Fälle sogar in den mündlichen Prüfungen behandelt, in denen die Kandidaten die Prüfer von einem Projekt überzeugen müssen. In seinem dreibändigen Lehrbuch zum Kunstrecht hat Lynen im übrigen großen Wert auf diese Zusammenhänge gelegt. "Kunstrecht ist in besonderem Maße Vertragsrecht, und Verträge sind letztlich Verhandlungsergebnisse", so der Kölner Studiengangsleiter.

Rechtliche und kommunikative Aspekte des Verhandelns berücksichtigt

Der Fernstudiengang "Management von Kultur- und Nonprofit-Organisation" an der TU Kaiserslautern setzt ebenfalls bei der Ausbildung auf die Kombination aus rechtlichen und kommunikativen Aspekten der Verhandlungskompetenz. Im Pflichtmodul "Rechtliche Grundlagen" behandelt der Lehrtext "Vertrags- und Arbeitsvertragsrecht" Inhalte rund um das Aushandeln und Schließen von Verträgen aus juristischer Perspektive. Im Pflichtmodul "Personalmanagement und Unternehmenskommunikation" behandelt außerdem der Lehrtext "Konfliktmanagement" z. B. Gesprächsführungs- und Verhandlungsstrategien.

Emotionale und soziale Kompetenz

Ähnlich integriert ist es an der Reinhold-Würth-Hochschule Künzelsau. Studiendekan Prof. Hermann Kiel nennt hier insbesondere das Seminar zur emotionalen und sozialen Kompetenz, wo es um "Selbstdarstellung, emphatische Genauigkeit und die Darstellung sozialer Interaktion" gehe. Zudem gibt es Lehrveranstaltungen, die mit rechtlichen Aspekten, gerade was Dienstleistungsverträge oder die Künstlersozialkasse betrifft, vertraut machen.

Ein Ex-Banker vermittelt Kommunikationstechniken

Petra Schneidewind, Dozentin am Institut für Kulturmanagement der PH Ludwigsburg, sieht im Feld Verhandeln einen großen Bedarf und hat darauf inzwischen im Kontaktstudium mit einem spezifischen Seminar zu Kommunikationstechniken reagiert. Das Seminar steht unter dem Titel "Wie über Geld reden" und wird - passender Weise - vom ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Bank, Rolf Breuer, geleitet.

Angesprochen, aber nicht integriert

Rolf Krosser vom Stapferhaus Lenzburg (Schweiz) gesteht ein, dass das Thema Verhandeln nicht explizit Bestandteil des Curriculums seines Kulturmanagement-Kurses ist. Allerdings handelt es sich in Lenzburg eher um einen kompakten Weiterbildungskurs, der sich auf die wesentlichen Managementaspekte konzentriert. Angesprochen wird der Verhandlungsaspekt seinen Angaben zufolge aber durchaus, z.B. in den Modulen Fundraising / Sponsoring, Rechnungswesen und Recht.

Ganzheitliche Persönlichkeitsbildung

Der Masterstudiengang "Kulturmanagement und Kulturtourismus" an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) bemüht sich nach Auskunft ihrer Leiterin Prof. Andrea Hausmann um eine ganzheitliche Persönlichkeitsbildung. So werden im Lehrmodul "Kultur und Managerial Skills" Seminare zu den Themen "Präsentieren und Überzeugen im Business" sowie "Führung und Motivation" angeboten. Da sich sogenannte "Soft Skills" nur in begrenztem Maße theoretisch vermitteln lassen, absolvieren die Studentinnen und Studenten zusätzlich eine 3-monatige Praxisphase, in der sie erlerntes Wissen und erprobte Techniken in der konkreten Berufssituation anwenden können.

Auch Personalgespräche sind Verhandlungssituationen

Rolf Wiese, Professor für Museumsmanagement an der Universität Hamburg, weiß um die vielfältigen Verhandlungssituationen in der Museumsarbeit, sei es mit politischen Entscheidungsträgern, Geldgebern oder Auftragnehmern. Interessanterweise betont Wiese gegenüber Kulturmanagement Network ausdrücklich auch Personalgespräche, die immer wieder auch Verhandlungssituationen enthalten. "Daher erscheint mir eine Verankerung z.B. im Museumsmanagement sehr sinnvoll. Wir werden es als Baustein im Finanzierungsseminar im Studienangebot Museumsmanagement der Uni Hamburg integrieren", kündigt Wiese an.

Fazit

Die Umfrage unter Vertretern einiger Studiengänge ergab ein grundsätzliches Bewusstsein für die Bedeutung von Verhandlungskompetenzen im Berufsfeld Kulturmanagement. Einige stehen unmittelbar vor der Einführung entsprechender Lehrinhalte, viele bieten sie bereits an. Dabei gelingt es einigen Einrichtungen, diese nicht nur einzeln in den Soft Skills zu vermitteln, sondern auch teilweise in den Fächern wie Organisationslehre, Finanzierung oder Recht zu integrieren. Wir halten dies für die nachhaltigere Strategie, da sie die Kompetenz dort vermittelt, wo sie angewendet werden muss: in der konkreten Situation. Und diese kommen häufiger vor, als dass sich viele Kulturmanager in der Ausbildung zunächst vorstellen können.

Alle Studiengänge mit ihren spezifischen Lehrinhalten finden Sie übrigens im Ausbildungsführer auf diesem Portal. Dieser Beitrag erscheint im Rahmen des Schwerpunkts Verhandeln des Monats Mai. Weitere interessante Artikel zu diesem Thema finden Sie in der aktuellen Ausgabe des KM Magazins, das kostenfrei abonniert werden kann.
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