09.10.2015
Fachbeitrag

Wien-Wahl und Kulturpolitk

Am 5. Oktober veranstalteten das TAG, gemeinsam mit dem Institut für Kulturkonzepte, eine 2,5 stündige politische Podiumsdiskussion zur Wien-Wahl. Genau eine Woche bevor die Entscheidung an der Urne fällt, waren die KultursprecherInnen der sechs kandidierenden Parteien eingeladen, um über ihre jeweiligen Positionen zu diskutieren.
Eines der brennenden Themen der Veranstaltung war die aktuelle Fördersituation beziehungsweise die Verteilung der Fördergelder.


Aus dem Publikum und auch von Seiten der Opposition musste sich der SPÖ-Kultursprecher Ernst Woller vor allem den Vorwurf der Intransparenz gefallen lassen. Die Kritik vieler Initiativgruppen über zu komplizierte Abrechnungen bei der MA7 sei zwar nicht unberechtigt, diese müssten aber so aufwendig sein, weil sonst Vorwürfe laut würden, wo das Geld hinkäme.


Für den ÖVP-Vertreter Bernhard Dworak sind die 4,9 Millionen Euro, die in die Vereinigten Bühnen Wien (Theater an der Wien, Raimund Theater, Ronacher) investiert wurden, nicht nachvollziehbar. Seine Ideen: Man könnte einen Schwerpunkt auf die ursprünglich von Österreich kommenden Musicals setzen. Das Ronacher könnte als professionelles Gasspielhaus positioniert und das Theater an der Wien in der Operntradition fortgeführt werden. Seiner Meinung nach fließe auch zu wenig Geld in das Musikschulwesen.

Der Kultursprecher der FPÖ, Gerald Eblinger, würde auch gerne bei den großen Tankern Einsparungen vornehmen und lieber Innovation und Kreativität fördern. Es müsse aber allen klar sein, dass man nicht fördern könne und die Förderung ewig bestehen lassen könne, weil es sonst kein neues Geld gäbe um neue Innovationen und Kreativität möglich zu machen, so Eblinger.


Klaus Werner Lobo von den Grünen, sieht das Ziel der grünen Kulturpolitik vor allem darin, Strukturen ohne Abhängigkeitsverhältnisse zu schaffen. Die verkrustete Machtstruktur der Stadt Wien verhindere, dass zusätzliche aufgesetzte Förderungen und Projekte in die Unabhängigkeit entlassen würden ohne kontrollierend einzuwirken.


Das Hauptanliegen von Ulli Fuchs, der Kultursprecherin von wien andas, dem Bündnis aus Piraten, KPÖ und den Unabhängigen, ist der Zugang zu Bildung und Kultur für alle Menschen. Sie besteht auf mehr Verteilungsgerechtigkeit bei Kulturmitteln. Kunst und Kultur sei das geeignete Instrument für die Demokratisierung aller Lebensbereiche , so Ulli Fuchs.


Niko Alm von den NEOS, ist dagegen, die Stadt Wien als Gratisdienstleiser anzusehen, der gratis Räume zur Verfügung stellt und Festivals veranstaltet. Der Kulturauftrag sollte scharf von Standortmarketing getrennt werden , so Alm. Er sieht keinen Vorteil darin alles gratis anzubieten, weil damit die Gefahr bestehe, private Initiativen ein stückweit zu unterdrücken.
Seiner Meinung nach sollte man sich fragen ob eine Art Matching-Fund-Modell nicht sinnvoller wäre.


Die Veranstaltung hat gezeigt, dass es Aufhol- und Diskussionsbedarf gibt in der Wiener Kulturpolitik.


Den Mitschnitt zur Posiumsdiskussion finden Sie hier



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