26.04.2013

Autor*in

Michaela von Trauchburg
Kultursponsoring

ARTS BASED INTERVENTION - eine Partnerschaft auf Augenhöhe

Beim klassischen Sponsoring sind die Rollen eindeutig verteilt: die Wirtschaft gibt, die Kunst empfängt. Der Nutzen für die Beteiligten liegt ebenfalls auf der Hand: der Sponsor stärkt sein Image, erreicht bestimmte Zielgruppen und positives Medienecho.
Der Künstler oder die Kunstinstitution kann ein bestimmtes Projekt mithilfe von Sach- oder Geldleistungen umsetzen. Im Idealfall ein Geschäft zum beiderseitigen Nutzen. Hier Leistung da Gegenleistung.
 
Leider ist der Nutzen nicht immer so klar und die Ergebnisse nicht immer befriedigend. Sponsoring wird im Kulturbereich oft als notwendiges Übel angesehen, das wegen Budgetknappheit in Kauf genommen werden muss. Auch in der Wirtschaft hält sich die Begeisterung über das gesponserte Kulturevent oft in Grenzen. Logofriedhöfe und Inserate in Programmheften bringen nicht den erwünschten Effekt.
Hinzu kommt, dass in einer Situation, in der einer gibt und der andere dankend empfängt, schwer Gespräche auf Augenhöhe zustande kommen.

arts based intervention

Wie die Kommunikation beziehungsweise die Kooperation mit KünstlerInnen anders laufen kann, zeigt die immer beliebter werdende "arts based intervention". Die künstlerische Intervention in Unternehmen hat sich im angelsächsischen und skandinavischen Raum neben dem Sponsoring bereits etabliert.
Was man sich genau unter arts based intervention vorstellen kann und welche Chancen und Vorteile sich für die Partner aus Kunst und Wirtschaft ergeben können, beantworten Karin Wolf und Helga Sattler vom Institut für Kunst und Wirtschaft. Das Institut initiiert und begleitet Projekte von Unternehmen mit Künstlerinnen und Künstlern.

 
KMN: Warum setzen immer mehr Unternehmen auf künstlerische Intervention?

Karin Wolf: Wirtschaftsbetriebe haben erkannt, dass sich bestimmte künstlerische Fähigkeiten und Methoden sehr gut für die Problemlösung in Bereichen der Unternehmenskultur, der internen Kommunikation oder der Organisationsentwicklung eignen.

KMN: Warum macht es Sinn, Künstler einzuladen, sich mit internen Problemen eines Unternehmens auseinanderzusetzen und einen Beitrag zu leisten? Warum nicht einen klassischen Unternehmensberater engagieren?

Helga Sattler: Der Einsatz von Kunst und künstlerischen Mitteln eröffnet allen Beteiligten neue Wahrnehmungs- und Gestaltungsräume. Künstler setzen sich permanent mit ihrer Umgebung und damit auch mit aktuellen gesellschaftlichen Fragestellungen auseinander. Sie reagieren darauf, sie greifen Themen auf und transformieren diese in ihren künstlerischen Arbeiten und Projekten. Genuines Anliegen der Kunst ist es Neues in die Welt zu bringen, Künstler schaffen Räume für Neugierde, Kommunikation und Kreativität.

KMN: Wie kann man sich die Zusammenarbeit von KünsterIn und Unternehmen konkret vorstellen?

Karin Wolf:
Das Unternehmen identifiziert ein Problem im Unternehmen, wie zum Beispiel sinkende Mitarbeitermotivation. Anstelle einer klassischen Unternehmensberatung wird die Zusammenarbeit mit einer KünstlerIn angestrebt. Die Auswahl der KünstlerIn erfolgt entweder auf Basis eigener Kontakte oder durch die Vermittlung einer intermediären Organisation, wie dem Institut für Kunst und Wirtschaft. In einem Briefing wird der KünstlerIn das Problem dargelegt. Die KünstlerIn konzipiert eine maßgeschneiderte Intervention. Das kann zum Beispiel ein Workshop für MitarbeiterInnen oder ein gemeinsames künstlerisches Projekt sein. Die Intervention wird durchgeführt, dokumentiert und gemeinsam mit der intermediären Organisation evaluiert.

KMN:
Wie wirkt sich die Zusammenarbeit aus?

Helga Stattler: Die Ergebnisse, die durch diese Art der Zusammenarbeit von KünstlerInnen und Unternehmen erzielt werden sind zum Beispiel verbesserte Unternehmenskultur, dialogische Diskussionskultur, mehr Selbstreflexion im Team, Hinterfragen von Routinen und eine geschärfte Wahrnehmung. Menschen, die künstlerische Interventionen in Unternehmen selbst erlebt haben berichten, dass sie Selbstvertrauen und Freude an der Arbeit gewonnen haben und dadurch mit anderen offener und positiver zusammenarbeiten.

KMN: Könne Sie mir abschließend sagen, was die Begegnung von Kunst und Wirtschaft bei der künstlerischen Intervention charakterisiert?

Karin Wolf: Der Unterschied zum Modell Sponsoring liegt meiner Meinung nach in der Art der Begegnung. Die klassischen Stereotypen von Unternehmern und Künstlern werden aufgelöst. KünstlerInnen sind Partner auf Augenhöhe. Anstatt von einem Unternehmen unterstützt zu werden, leisten sie einen essentiellen und professionellen Beitrag zur Lösung unternehmensinterner Probleme.

http://kunstundwirtschaft.wordpress.com
 
Dieses Interview erscheint im Rahmen unseres Schwerpunktthemas April zur Unternehmerischen Kulturförderung. Das KM Magazin mit vielen weiteren spannenden Beiträgen dazu können Sie sich kostenfrei im Archiv herunterladen.
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