08.09.2014

Autor*in

Leonie Krutzinna
studierte Skandinavistik und Literaturwissenschaft an der Georg August-Universität Göttingen.
Kulturveranstaltung als Smartplace

Das Projekt #WiGaOpenAir: live, digital, simultan

Tweetups und Bloggertreffen gehören längst zum Repertoire fortschrittlicher Kulturvermittlungsstrategien. Im Rahmen der Varieté-Show ALL NIGHT LONG startet am 13. September 2014 ein Pilotprojekt: Erstmalig wird eine Kulturveranstaltung zu einem Smartplace erweitert. Die Plattform livekritik.de macht daraus ein Social Media Event.
Die Projektgruppe #MenschOrtWeb hat sich zur Aufgabe gemacht mithilfe von digitalen Übertragungs- und Infotainment-App-Technologien eine Open Air Veranstaltung zum Smartplace zu erweitern. Daran sind Experten der Bereiche Technik, Marketing, Storytelling und Monitoring beteiligt. Die Plattform livekritik.de übernimmt dabei die Aufgabe, die Varieté-Veranstaltung in der Berliner Wuhlheide als Social Media-Event zu organisieren. Im Interview erklärt uns der Gründer und Geschäftsführer von livekritik.de, Rod Schmid, was für die Planung und Durchführung eines Social Media Events zu beachten ist.

KMN: Was kennzeichnet das geplante Livekritik-Event in der Berliner Wuhlheide und worin bestehen die Unterschiede zu einem klassischen Tweetup?

Rod Schmid: Die Besonderheit an den Livekritk-Events liegt darin, dass die Teilnehmer über verschiedene Social Media-Kanäle, aber auch über ihre Blogs und unser Portal kommunizieren können. Nicht nur Twitter, sondern auch Facebook, Instagram, livekritik.de etc. werden in die Veranstaltung eingebunden. Ob Fotos, Videos, der einfache Tweet oder ganz Old School die Bewertung per echter Postkarte, alles ist willkommen und erlaubt. Die Menschen, die an diesem Abend nicht dabei sein können, erhalten somit einen guten Eindruck von der Show und die Teilnehmer können sich ausgiebig über das Gesehene austauschen. Im Anschluss an die Veranstaltung entsteht zusätzlich eine Vielzahl an Livekritiken oder Blogbeiträgen, die ebenfalls dauerhaft im Internet auffindbar sind.

KMN: Welche Herausforderungen sind im Vorfeld zu bewältigen?

Schmid: Man muss natürlich gut vernetzt sein und eine bestehende Community haben, die Lust auf solche gemeinsamen Projekte mitbringt. Ohne die vielen fleißigen Teilnehmer würde so ein Event nämlich nicht funktionieren. Wir schreiben im Vorfeld aktiv Blogger, Twitterati und unsere Livekritiker an. Das sind zum Teil Leute aus unserem Kulturnetzwerk, zum Teil recherchieren wir auch, wer Lust auf die jeweilige Veranstaltung haben könnte. Das große Wintergarten Open Air ist sicherlich ein Projekt, das sehr viele verschiedene Menschen anspricht. Ansonsten treten vor solchen Social Media-Events immer wieder die gleichen Fragen auf: Gibt es W-LAN vor Ort? Wo sind die Steckdosen in den Pausen? Wie ist der genaue Ablaufplan? Selbst wenn man alles bis ins kleinste Detail plant, können technische Probleme immer mal auftreten. Diese können aber meist kurzerhand behoben werden und dank der großartigen Unterhaltung kommt auch glücklicherweise nie schlechte Stimmung auf!

KMN: Was erhoffen Sie sich von einem Social Media-Event für die Promotion einer solchen Veranstaltung?

Zunächst haben wir eine großartige Gelegenheit mit unserer Community in einen persönlichen Austausch zu kommen. Dann wollen wir mit solchen Events eine große und passgenaue Öffentlichkeitswirksamkeit erreichen. Nicht nur an dem Abend selbst, an dem man über einen gewissen Hashtag eine hohe Reichweite erzielt und auch viele Menschen erreicht, die gar nicht an der Veranstaltung teilnehmen. Bereits im Vorfeld machen wir durch unser Social Media-Marketing gezielt auf das Wiga-Open Air aufmerksam und binden weitere Player ein, was natürlich vorteilhaft für den Veranstalter ist. Durch die Zusammenarbeit mit der Projektgruppe #smartplaces ist die Aufmerksamkeit in diesem Fall noch viel größer. Ein weiterer Aspekt ist, dass mit solchen Events neue Besuchergruppen angesprochen werden können, die man somit langfristig als Zuschauer gewinnen kann. Und auch bei Veranstaltungen gilt, was für andere Güter längst selbstverständlich ist. Besucher informieren sich vor dem Ticketkauf darüber, wie anderen Menschen ein Event gefallen hat. Und da insbesondere die Livekritiken und Blogbeiträge, die hinterher entstehen, dauerhaft im Internet auffindbar sind, bilden diese direkten Meinungen eine echte und authentische Entscheidungshilfe für neue Besucher.

Über unsere Reihe #WigaOpenAir:

Kulturmanagement Network ist beim Pilotprojekt #WigaOpenair dabei: In unserem Hintergrundbericht informieren wir über Sinn und Zweck von Smartplaces, unsere Interviewreihe stellt die wichtigsten Akteure der Projektgruppe #MenschOrtWeb vor: Hier widmen wir uns den Veranstaltern vom Wintergarten Varieté und im Interview mit Martin Adam geht es um das Thema Appentwicklung. Im dritten Teil geht es ums Marketing. Die Wiga-App kann hier heruntergeladen werden.